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11. Januar 2012
Ein Hund läuft auf uns zu
Igor Bleischwitz in der Freiburger Galerie Foth: Die Ausstellung "Natürliche Auslese".
Bilder blicken zurück. Nur schwer kann man sich dem Blick des Fuchses entziehen, der hinter einen Felsen geduckt auf Beute lauert. Unwillkürlich ziehen seine grünblauen Augen die Aufmerksamkeit auf sich, zumal in dem großformatigen Gemälde von Igor Bleischwitz (Jahrgang 1981) nichts ablenkt. Denn der Landschaftsraum besteht lediglich aus einer unter dunklem Himmel liegenden Ebene mit bläulich schimmernder Horizontlinie. Der junge Künstler, der im Frühjahr seinen Abschluss an der Freiburger Freien Hochschule für Grafik Design und Bildende Kunst absolvierte, paart das Kreatürliche mit dem Abstrakten. So ist auf einem Bild der Kopf eines Hundes neben einer fächerartigen blauen Struktur im oberen Bilddrittel zu sehen. Die restliche Fläche ist tiefschwarz, die Farbe in rechteckigen Feldern aufgetragen, so dass sich das Licht unterschiedlich bricht. Man kennt dies von Pierre Soulages’ schwarzen Bildern.
In einem anderen Gemälde befindet sich ein Elchkopf neben einem Kartenausschnitt unserer nordpolaren Welt auf hellblau strukturiertem Grund. Weiße Punkte deuten Tierspuren an. Bleischwitz’ assoziativ zusammengestellte Bildelemente eröffnen Räume für Geschichten. Dies lässt sich auch bei dem großformatigen Gemälde eines gestrandeten Schiffs beobachten. Rechts lodert ein Feuer am Strand, mittig wirft eine verwischte Lampe feine Lichtfäden auf die Szenerie, ein Hund läuft geradewegs auf den Betrachter zu. Was immer auch geschehen sein mag, bleibt ein Rätsel. Warmes und kaltes Licht leuchten im Dunkeln, bilden Gegenpole. Dem Wrack steht die atmende Lebendigkeit des Tieres gegenüber. Feine bläuliche Umrisslinien deuten Energieströme an. In der Installation "Energia" fängt eine Satellitenschüssel Strahlen aus dem Weltall ein, um sie an Tierknochen, -fell und Gesteine weiterzuleiten. Ein Monitor visualisiert die empfangenen Lichtpunkte. Auf diese Weise möchte Bleischwitz unsichtbare Transformationsprozesse thematisieren, vergleichbar der Belebung eines Kunstwerkes durch die Energie seines Schöpfers. Ähnliches ließ sich bei Joseph Beuys verstehen. Das Leben in den weiten Ebenen von Bleischwitz’ Heimatland Kasachstan bildet den Resonanzboden seines Werkes sowie sein Interesse an Astronomie, Archäologie, Weltgeschichte und Antike.
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Andere Werke zeugen von seinem Interesse für Collage, Bildstruktur und unterschiedlichen Farbauftrag. Während die Tierbilder sich zumeist durch pastose, kräftige Farben und Bildbrüche auszeichnen, ist die Serie erotischer Frauenbilder fließend und zart ausgeführt. Ein Farbschleier lässt ihre eindeutigen Posen nur verschwommen sichtbar werden, als wären es Erinnerungs- oder Wunschbilder. Zwischen den Frauen hängen mehrere mit Lack versiegelte Zeitschriftencollagen auf Holzgrund, deren Augenpaare den Blick des Betrachters suchen.
– Galerie Foth, Barbarastr. 4, Freiburg. Bis 3. Februar, Mittwoch bis Freitag 16–19 Uhr.
Autor: Yvonne Ziegler
