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24. Dezember 2011
Ein Schuss Surrealität
Die Zeichnungen der Freiburger Künstlerin Carola Faller-Barris sind im Diakoniekrankenhaus der Stadt ausgestellt.
Ein Kegelstumpf und ein Turm. Auch eine Art Reuse. Oder muschelartige Gebilde, überdimensional. Und alles aus Astwerk, Zweigen, Gestrüpp. Carola Faller-Barris zeichnet nach der Natur, aber nicht realistisch. Oder hat man schon eine Zuckerdose aus Ästchen und Zweigen gesehen? Eine Teekanne aus diesem Material? Ein Häuschen, tür- und fensterlos, aus Ästen? Schnell wird deutlich: Ein Schuss Surrealität zählt zu den festen Ingredienzien der Blätter der Freiburger Zeichnerin, die im Rahmen der Kunstreihe des Diakoniekrankenhauses der Stadt ausgestellt sind.
Carola Faller-Barris isoliert die Objekte der Zeichnungen, hebt sie aus jedwedem inhaltlichen und erzählerischen Kontext heraus. Gerade noch, dass sie ihnen eine Andeutung von Schatten am Boden beigibt, aber manche Gegenstände haben nicht einmal das: Wie losgelöst schweben sie im leeren Raum oder Blattweiß. Lediglich in drei gedehnt querformatigen Zeichnungen kommt dezent so etwas wie ein erzählerisches Moment ins Spiel. Jedes dieser Blätter präsentiert, aufgereiht auf einem Mauervorsprung, drei Objekte: ein Behältnis, eine Teekanne und ein oder mehrere Papierschiffchen. Und jeder dieser Gegenstände, die von Blatt zu Blatt leicht variieren, ist einmal wiederum – aus Astwerk.
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Sind nun aber die aus jeglichem Zusammenhang herausgelösten Objekte der anderen Zeichnungen – diese unwahrscheinlichen Gebilde aus ungewöhnlichem Material – reine Formschöpfungen bar lebensweltlicher Bezüge? Handelt es sich, mit anderen Worten, bei Carola Faller-Barris’ Zeichenkunst um ein reines Glasperlenspiel des Geistes? – Und verhielte es sich so, es ließe sich kein Einwand daraus ableiten. Schon weil die Eigen-art der Formgebilde dem Auge Nahrung gibt übers rein gestalthafte Sosein hinaus: Denkanstoß und visueller Mehrwert, der beim Betrachter als Lust des Sehens zu Buche schlägt.
Gleichwohl geht es dieser Zeichenkunst erkennbar um mehr. Da deutet sich auf einem Blatt sehr dezent eine Kopfform aus Flechtwerk an; "Christus" ist der Titel. Und zwei kleine Tuschen, die das Flechtwerk der Graphitzeichnungen in reduzierter Form wiederholen, wecken figürliche Assoziationen. Als kapselte sich im einen Fall eine Figur gegenüber ihrer Umgebung ab, verschränkten sich im anderen zwei Figuren ineinander. Weitere Formen wecken gleichzeitig so konträre Assoziationen wie Nest und Dornenkrone. Und so sind diese Zeichnungen am Ende mehr als reine Formübungen. Sie umkreisen seelische und existentielle Gehalte: den Gegensatz von Geborgenheit und Ausgesetztsein, von schützender Hülle und Verletzung.
– Diakoniekrankenhaus, Wirthstr. 11, Freiburg. Bis Ende Februar, Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr.
Autor: Hans-Dieter Fronz
