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18. Januar 2012

Holz und was daraus entstehen kann

"If i had eight hours to chop down a tree, I’d spend six sharpening my axe" im Kunst Raum Riehen.

Mehrere schlanke Birkenhölzer lehnen an der Wand; darunter liegt ein Stück Schaffell. Mit diesen wenigen, sparsam eingesetzten Naturmaterialien schafft Nino Baumgartner eine Art von archaischer Behausung, einen primitiven Unterstand, der Schutz und elementare Natur assoziiert. Zu Baumgartners Installation gehören auch Objekte aus geleimten Sperrholzlatten, die wie dynamisch geschwungene Zeichen in den Raum ausgreifen.

Nino Baumgartner, der das Birkenholz und das Schaffell auch für eine Performance benutzte, ist einer von neun Kunstschaffenden in der ersten Ausstellung des neuen Jahres im Kunst Raum Riehen. Das Gemeinsame in dieser Gruppenschau ist der Werkstoff, mit dem sich die Künstlerinnen und Künstler auseinandersetzen: Holz. Es mag auf den ersten Blick überraschen, dass sich diese jungen internationalen Künstler – fast alle um die 30 – so intensiv einem urwüchsigen Naturmaterial widmen. Aber offenbar hat Holz viele Eigenschaften, die auch für die zeitgenössische Kunst von Interesse sind: Es ist gut verfügbar, vielfältig zu bearbeiten, und fordert zu verschiedensten Bearbeitungsmethoden, assoziativen Konzepten und Gestaltungsformen heraus – von archaisch bis industriell. Holz ist der Ausgangspunkt, doch jeder der Künstler hat einen anderen Zugang zu diesem Werkstoff. So sind die einzelnen Beiträge sehr individuelle Umsetzungen des Themas Da gibt es Künstler wie den in Berlin lebenden Amerikaner David Adamo, der Bezug nimmt auf die Symbolkraft des Holzes. Seine fünf hohen Skulpturen aus Zedernholz erinnern entfernt an Totempfähle oder archaische kultische Statuen früher Kulturen. Grob und expressiv sind die schmalen, stelenartigen Figurationen aus dem Holz herausgearbeitet – ringsum ist der Raum übersät von langen Spänen, abgesplitterten Holzteilen, sichtbare Spuren des Arbeitsprozesses.

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Einerseits auf der abstrakten Ebene, andererseits konkret als Gegenstand erscheint das Holz in den Werken von Eloise Hawser aus London. Hawsers formästhetische Skulpturen, die auch die Schönheit der Maserung zum Vorschein bringen, stehen auf einer Holzfaserplatte, deren Muster sich im Detail auch auf einem Siebdruck wiederfinden. Kraftvoll wirkt der Raum von Claudia Comte mit Skulpturen in teils figurativer, teils organisch abstrakter Form und schwarz gestrichenen Wänden, in die die Künstlerin mit der Kettensäge Zickzacklinien "gezeichnet" hat.

Den Zwischenraum bestückt Benjamin Bronni mit einem Parkett aus geschliffenen und lackierten Fichtenlatten. Aus Gegensätzen beziehen die Arbeiten von Pedro Wirz und Jürg Stäuble ihre Spannung und Dynamik. Die Reihe von Skulpturen wirkt spannungsreich durch die Kombination von kubischen, geometrisch strengen Formen und elegant geschwungenen Formen, die etwas Leichtes und Schwereloses haben. Etwas Schamanistisches, Ritualartiges beschwört das "Abbruchspiel" aus Leder, Stoff und Tusche auf Holz, das Reto Pulfer in einer Performance mit auf dem Boden liegenden Holzstücken inszenierte.

Einen herausfordernd anderen Blick auf das Thema hat Lena Henke. Die in New York lebende Künstlerin setzt das Thema fotografisch um. Ihre Aufnahmen sind in New York entstanden, wo Henke durch ein Schild bei der Protestbewegung "Occupy Wallstreet" zu dieser Fotoserie angeregt wurde, die gleichsam zum Rätsel-Suchspiel für den Betrachter wird.

Der Ausstellungstitel "If i had eight hours to chop down a tree, I’d spend six sharpening my axe" geht auf ein Zitat von Abraham Lincoln zurück. Dies lässt sich im übertragenen Sinn auch auf die Herangehensweise der Künstler umdeuten. Da wütet keine wilde Axt im Walde, da wird vielmehr mit großem Materialbewusstsein experimentiert.

– Bis 19. Februar, Mittwoch bis Freitag 13-18, Samstag und Sonntag 11-18 Uhr

Autor: Roswitha Frey