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13. Januar 2010
New York, kritisch und nostalgisch
Dirk Görtlers "Last Paintings" im Freiburger Carl-Schurz-Haus.
Man muss sich wie Dirk Görtler gut auskennen in den Straßen von New York, um diese Motive zu finden: rostig rote Feuerleitern, altersschwache Backsteinfassaden, pseudo-orientalische Kinoeingänge… Vieles aber von dem, was uns aus seinen Bildern mit der Wucht der Gegenwärtigkeit entgegen springt, existiert längst nicht mehr, wurde hier zum letzten Mal gemalt oder erstmals miteinander verbunden.
Doch ist es kaum der Schleier des Nostalgischen, der den Maler und Grafiker aus Freiburg dazu verführte, seinen Zyklus, den er im Carl-Schurz-Haus präsentiert, etwas pathetisch "The last Paintings" zu nennen. So erzählerisch sie auf den ersten Blick daherkommen – diese Arbeiten stellen die Vorstellung des Bildes als Abbild vehement in Frage. Und der klassische Ausdruck solcher Bildskepsis ist auch für den Illustrator und Dozenten aus Freiburg die Kunst der Collage.
Robert Rauschenberg kommt da (allzu) leicht in den Sinn, aber Görtler verlässt nie den malerischen Rahmen. Nur Zeiten und Sujets lässt er durcheinander wirbeln, lustvoll und kalkuliert, wobei seine Vorliebe für die Kultur der Sechziger- und Siebziger des vergangenen Jahrhunderts überdeutlich wird. Zwischen antiquierte Limousinen und Feuerwehrautos mischen sich Cartoons. Superman und Supergoofy retten die Welt, Comicfiguren unter gewaltigen Sprechblasen zünden die Lunte an der allgegenwärtigen Bombe. Und der brennende Mensch im Lotossitz – ist das nun der späte Protest eines tibetischen Mönchs gegen die chinesische Besetzung seiner Heimat oder eine Verzweiflungsreaktion auf Vietnam? Gleichermaßen "verdammt lang her".
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Der typographisch geschulte Maler liebt die Melange der Schriften. Ob als Neonwerbung über Sexshops und Revuen, Laden- und Restaurantreklame oder wie beiläufig gekritzelte Skriptur: "Twin Towers". Gemeint sind indes nicht etwa die beiden Türme des World Trade Centers, sondern die pittoresken Minarette vor der Schaufront eines Kinos namens "Alhambra".
Viel Zeitkolorit holt Görtler aus dem Zettelkasten der Geschichte. Hier macht sich die gespenstische Kontur der Doors kenntlich, dort erinnern zwei Gesichter entfernt an Andy Warhol und den Dalai Lama. Bei aller vielschichtigen Bewegtheit wirken diese Farbcollagen doch stets komponiert, mal gebunden durch eine dominante Farbe oder umflort von einem dräuenden Wolkenhimmel. Interessante Bilder aus einem US-Amerika jenseits von Zeit und Raum, kritisch und nostalgisch gleichermaßen – sehenswert, trotz manchem Déjà-vu. Bilder von einem, der sich auskennt in New York.
– Carl-Schurz-Haus, Eisenbahnstr. 62, Freiburg. Bis 30. Januar, Montag bis Freitag 10–18 Uhr.
Autor: Stefan Tolksdorf
