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02. Februar 2010
Römischer Marmor, Ruine und Rotation
Skulptur und Zeichnung: Eine Ausstellung in der Freiburger Galerie artopoi lässt Flächen- und Raumkunst sprechen.
"Skulptur und Zeichnung" heißt die Ausstellung schlicht. Der Titel erinnert an Zeiten, als beide Kunstgattungen noch funktional aufeinander bezogen waren: Die Entwurfszeichnung stand zur Skulptur in einem dienenden Verhältnis. Irgendwann hat sie die Stellung gekündigt und sich selbständig gemacht. Heute steht sie als autonome künstlerische Ausdrucksform in voller Blüte.
Und so muss in der Ausstellung der Freiburger Galerie artopoi die Flächenkunst sich vor den Schöpfungen der Bildhauerei nicht verstecken; selbstbewusst tritt sie neben sie. Die sechs vertretenen Künstler verbindet ein Bezug zu Baden-Württemberg: Hier leben und arbeiten sie, oder sie haben hier studiert. Drei Künstler sind mit Skulpturen und Zeichnungen vertreten, drei ausschließlich mit plastischen Arbeiten – etwa Robert Schad (der freilich auch als Zeichner hervorgetreten ist). Seine Arbeiten aus Vierkantstahl gerieren sich als expressiv-bewegte Formen aus einem Guss – oder aber sie lassen einzelne Elemente in einen Bezug zueinander treten.
Beide Male ist Schad so etwas wie ein Antipode Jens Trimpins. Dessen unregelmäßig-geometrische Formen aus matt schimmerndem römischen Marmor jedenfalls entfernen sich in Gestus und Gestalt denkbar weit von den Metallplastiken. Ihre formale Nüchternheit, ihre schlüssige Kompaktheit zielt gegenüber Schads dynamischer Ausdruckskunst in die entgegengesetzte Richtung. Diese Formen, in denen die in sie investierte bildhauerische Arbeit gleichsam sichtbar gespeichert ist, möchten sichtlich zur Ruhe kommen – möchten, gegen das Außen sich abschirmend, in sich selber ruhen.
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Beiden Künstlern tritt, trotz gleichzeitig verbindender Elemente, Hans-Michael Franke gegenüber. Seine zylindrischen Formen aus gesägtem Muschelkalk sind gleich Trimpins Skulpturen aus einem Stück; freilich sind sie ausgehöhlt, und/oder es zeigt die zylindrische Hülle quadratische Ausschnitte. Und während Schads Skulpturen eine unverwüstliche Dynamik kennzeichnet, künden Frankes Arbeiten mit ihren unregelmäßigen Rändern und ihrer fragmentarischen Gestalt von Brüchigkeit, Morbidität. In dieser Hinsicht kommunizieren sie mit Holger Walters steinernen Bruchformen, die mittels raumartiger geometrischer Einschnitte die Assoziation von Ruinen wecken.
Dieselbe Brüchigkeit zeigen, in flächig-reduzierter Weise, auch Walters Grafiken. Nichts davon hingegen haben die Zeichnungen und Glasschnittarbeiten von Alf Setzer. Die weichen Kurven seiner Granit-Ovale kehren in der kreisenden Bewegtheit der Grafiken wieder, die im Falle der Lacksprühzeichnungen in Schwindel erregende Rotationen übergeht. Skriptural-bewegt erscheinen Axel Maliks zeichnerisch anmutende Acrylmalereien, die mit ihren aufgereihten grafischen Figuren an asiatische Schriftzeichen gemahnen.
– Galerie artopoi, Guntramstraße 43, Freiburg. Bis 27. Februar, Dienstag, Mittwoch, Freitag 15–19, Donnerstag 15–20, Samstag 12–15 Uhr.
Autor: Hans-Dieter Fronz
