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18. Februar 2009
Schwarzwaldengel trifft Schuhnase
Licht und Kunst im tiefen Keller: Die Ausstellung "Enlightment" im Rauhraum in Freiburg.
Ganz schön duster – das ist der erste Eindruck, den der Besucher von der Ausstellung im Rauhraum in Freiburg bekommt. Vom Hof her gelangt er über Treppen tief unten in die babylonische Finsternis des Tiefkellers. Nur hier und da geht Licht von den teils witzigen, teils tiefsinnigen Kunstwerken aus. Wortreiche Erläuterungen zur Ausstellung erhielten die Vernissagenbesucher von der Kunsthistorikerin Anja Schlager, die mit großem Präsentationstalent die Künstler und die in den Arbeiten ausgedrückten Gedanken darlegte. Sehr hilfreich angesichts der Tatsache, dass der Blick auf die reichlich angebotenen Informationsblätter mangels Licht doch ziemlich erschwert war.
Selbstleuchtende Objekte sind in der Überzahl, aber es gibt auch Reflektierendes, so die Spiegelarbeit von Jürgen Grieger und eine windhosenartig aufstrebende Wandplastik von Sabine Herrschaft. In Silke Haeges Werk dagegen, einer mit einem Vorhang verschlossenen, mit Schaumstoff ausgekleideten Kabine, ist man von totalem Dunkel umgeben. Es tickt. Ein bedrängendes, aber merkwürdiges geborgenes Gefühl stellt sich ein, man ist mit sich allein. Jedenfalls, bis ein anderer Neugieriger den Vorhang hebt und den Kopf hineinsteckt: "Jemand drin?" Gleichermaßen bedauernd wie erleichtert räumt man den Platz und ist überrascht, wie hell der große Kelleraum plötzlich zu sein scheint.
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Und laut! Klirrend und blinkend springt eine Maschinerie an, eine Figur mit Gliedern aus Stangen und einem Kasten als Kopf, aus dem elektrische Augen leuchten. Am Hinterkopf leuchtet es auch, rot, und dort rotiert eine Fahrradfelge und reißt Murmeln hoch, die dann über dicke Drähte scheppernd wieder herunterrollen. Tinguely, hier? Nein, das Wesen ist von Oli Baur, dem einzigen der Künstler, der im Miethäuser-Syndikat nicht nur ausstellt, sondern auch lebt. Zusammen mit der Fotografin Baschi Bender hat er ein Ensemble geschaffen, dessen zweiter Teil eine beleuchtete Fotoaufnahme ist, gerahmt wie ein Fernsehbildschirm. Baurs Figur starrt darauf. Das Foto zeigt einen von Benders wunderschönen "Schwarzwaldengeln", der mit einem Strick um den Hals an einem Baum hängt wie eine makabre Weihnachtsdekoration. Außer der Vernissagenperformance zum Letzten Abendmahl von Jan Sosein Carl spielen auch weitere Arbeiten auf Religiöses an. So die "Stigmata" von Moni Bosch: von innen durch Teelichte erhellte Kästen mit einem schwarzen Deckel aus Acrylglas, auf den Hände mit Wundmalen oder Füße gemalt sind. Man fühlt sich an Särge erinnert.
Eine eher kabarettistische "Salomonische Erleuchtung" bietet Hansjörg Palm an: Laternen, die sein eigenes, verkehrt herum gedrehtes Konterfei tragen, jeweils irgendwo im Gesicht oder auf dem Kopf sein Markenzeichen, ein Schuh. Nur eine Laterne zeigt nicht ihn, sondern Oberbürgermeister Dieter Salomon mit goldener Schuhnase...
– Rauhraum, Im Grün 8, Freiburg. Bis 1. März, Do 19–22, Sa, So 15–18 Uhr. Performances von Jan Sosein Carl am 19. und 26. 2., 21 Uhr; am 1. 3., 16.30 Uhr.
Autor: Ulrike Düwell
