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25. Januar 2010
Venus von Urbino im Bikini
Freiburg: Arbeiten von Ottmar Hörl und Jürgen Knubben in der Galerie Springmann.
Brav! In Reih und Glied sitzt die Rasselbande – Möpse, in der zweiten Reihe hat sich ein Rottweiler dazwischen gedrängelt – im Schaufenster. Mit seitlich verdrehtem Kopf und Blick bekunden die Vierbeiner demonstratives Desinteresse am Straßengeschehen. Umso mehr interessieren sich Passanten für sie. Die Hunde-Staffel erregt Aufmerksamkeit, ist ein Spektakel. Amüsiert bleiben Leute vor der Kunsthandlung stehen.
Ottmar Hörls realistisch geformte, aber farblich verfremdete Tierskulpturen (die Möpse sind ganz in Gold getaucht) sind Multiples – auch die beiden tiefschwarzen Neufundländer in Lebensgröße, die statuarisch auf dem Straßenpflaster sitzend den Eingang der Galerie Springmann in Freiburg bewachen. Aufgeregt mit dem Schwanz wedelnd und um die Beine ihrer Herrchen streichend halten lebende Hunde vorsichtshalber Abstand von den Art-Genossen aus Kunststoff.
Serialität ist Ottmar Hörls Prinzip. Die Tier- und Menschenskulpturen, die der Professor für Bildhauerei und Präsident der Nürnberger Kunstakademie nicht mehr selber formt, sondern formen lässt, erleben häufig Auflagen von mehreren tausend; in derselben Größenordnung verkaufen sich seine auf den Ausstellungsort bezogenen Kunststoffplastiken zu erschwinglichen Preisen. Zum Jubiläum von Dürers "Großem Rasenstück" ließ Hörl 7000 Hasen in diversen Grüntönen auf Nürnbergs Hauptmarkt aufmarschieren – alle weg! Bei Springmann ist die Grünzucht in Rosa und Schwarz mutiert. Hier finden sich auch Pinguine, Raben und Wildschweine. Die Gattung Mensch wird von Zwergen und zwei Künstlern (Büsten von Hörls Leitfiguren Picasso und Beuys) repräsentiert. Auch Duchamp hat Hörl, der sich als konzeptueller Künstler versteht, porträtiert.
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Mit seiner Auflagen-Kunst will der gebürtige Hesse zeitgenössische Kunst breiten Bevölkerungsschichten nahe bringen; dagegen ist, wenn es mit so viel ironisch-konzeptionellem Witz geschieht, nichts zu sagen. Exklusiver und teurer als die Plastiken sind Digitaldrucke mit altmeisterlichen Motiven in geringer Auflage. Hier hat sich Hörl mit dem Bildhauer und Grafiker Jürgen Knubben abgesprochen, der sich mit einer Reihe von Metallplastiken und Fotodrucken auf Botticellis "Geburt der Venus" bezieht. Hörl hingegen zieht berühmten Nackedeis der Kunstgeschichte wie der Venus von Urbino und Ingres’ "Großer Badenden" Bikini an! Das hat in der respektlosen Verfremdung etwas leicht Surreales. Und ein entspannteres Verhältnis des Betrachters zur Hochkultur zur Folge.
– Galerie Springmann, Schusterstraße 25, Freiburg. Bis 1. Februar, Montag bis Freitag 10–13 Uhr, 14–18.30 Uhr, Samstag 10–15 Uhr.
Autor: Hans-Dieter Fronz
