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03. Dezember 2011
Extrovertierte Mauerblümchen
Weiler Carhartt Gallery zeigt erstmals Werke, die vor Ort direkt auf der Wand entstanden sind.
Ein beißender Farbgeruch hängt in der Luft. In der großen Halle läuft HipHop Musik. Und im ersten Stock sind viele der Künstler mit Spraydosen in der Hand anzutreffen. Denn diese Ausstellung ist anders als andere: Die zehn angereisten Künstler verewigen sich direkt auf den Wänden ihrer Ausstellungsboxen. Mit "Wallflowers" – übersetzt Mauerblümchen – eröffnet heute, Samstag, eine Ausstellung, wie sie in der Carhartt Gallery in Weil am Rhein noch nie zu sehen war.
Das Besondere: Die Künstler reisen nicht mit Bildern im Gepäck an, sondern lassen diese direkt auf den weißen Wänden entstehen. Auf rund 200 Quadratmetern werden zehn Bilder in Ausstellungsboxen von zehn verschiedenen Künstlern zu sehen sein. Diese bestehen nicht nur aus den typischen "Graffiti-Schriftzügen". Es sind auch Kunstwerke zu sehen, bei denen mit anderen Techniken wie mit Schablonen und Tapezieren – so genannten Paste Ups – gearbeitet wurde.
Laut Kurator Stefan Winterle, ist dies die erste große Ausstellung der Carhartt Gallery im Winter. Sie soll ein Pendant sein zur schon mehrmals erfolgreich ausgerichteten Ausstellung "Public Provocations" im Sommer. Der Name der Ausstellung "Wallflowers" spielt auf die Schüchternheit an, die mit diesem Begriff verbunden ist, und nicht so auf die graue Maus. Schüchtern sei auch der Graffitikünstler, erläutert Winterle. Er stelle t seine Arbeiten in den Vordergrund und bleibt selbst lieber im Hintergrund.
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Bei der Ausstellung "Wallflowers" müsse man die Carhartt Gallery als einen Mix aus Galerie und Museum ansehen, da der Verkauf der Bilder im Hintergrund stehe, erklärt der Kurator. Nur ein Viereck in der Mitte der besprayten Wand bleibt auch nach der Ausstellung weiter bestehen. Dieser Teil eines Bilders kann an andere Galerien ausgeliehen oder verkauft werden. Der Rest wird danach wieder übermalt und ist nicht mehr zu sehen. Dass ein großer Teil der Kunstwerke nach Ausstellungsende verschwindet, soll die Vergänglichkeit der Graffiti-Kunst symbolisieren. Graffiti bleiben – werden sie im öffentlichen Raum gesprayt – selten auf Dauer irgendwo erhalten. Eingeladen, um unter diesem Motto ihre Kunstwerke auf die Wand zu bringen, hat Winterle diesmal Künstler, die sich auf "Murals" – großflächige Wandmalereien – spezialisiert haben. Die zehn Künstler kommen aus den verschiedensten Ecken Europas und aus den USA.
Beeindruckend ist die Wand, die der polnische Künstler "MCITY" mit einem riesigen schwarz-weißen Schablonenwerk versehen hat, das an eine Fabriklandschaft erinnert. Schräg vis-a-vis lässt "C215" aus Frankreich über ein überdimensional detailgetreues Männergesicht staunen. Beinahe ein Heimspiel hat "SWEETUNO", der ursprünglich aus Basel kommt und jetzt in Heidelberg lebt. Er hat sich klassischen Graffiti gewidmet, was auch an seiner Wand in der Galerie zu erkennen ist – diese ziert ein grau-blauer Schriftzug auf orangem Hintergrund.
– Vernissage: heute, Samstag, 3. Dezember, 19 Uhr
Autor: eran
