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20. Januar 2016

Kunsthaus Baselland

Ausstellung mit Werken von Thomas Hauri und Max Leiß

Das Kunsthaus Baselland widmet seine neue Ausstellung dem Maler Thomas Hauri und dem Skulpturenbauer Max Leiß.

Augen auf beim Ausstellungsrundgang, heißt es mehr denn je im Muttenzer Kunsthaus Baselland. Nur leicht getönt trennt im oberen Galeriegeschoss eine Glaswand die Ausstellungsräume, mit der zu kollidieren riskiert, wer tief versunken in die Bildbetrachtung altbekannte Wege einschlagen will. Das gläserne Hindernis, das sich den Besuchern in den Weg stellt, verändert auch den Raum selbst und seine Akustik, so dass man sich wie in einer Art begehbarer Vitrine fühlt. Präsentiert werden hier oben "Prora 1" und "Prora 3", zwei schwebend leichte Arbeiten des Malers und Zeichners Thomas Hauri, die trotz ihrer Größe (je 2,40 x 3,90 Meter) sich fast ins Nichts auflösen, dabei aber auf etwas höchst Gegenwärtiges verweisen. Prora, das ist der zu Nazizeiten auf Rügen gebaute kilometerlange Blockbau am Ostseestrand, der einst dem Volkswohl dienen sollte, aber nie fertig gestellt wurde und heute unter anderem zu Luxuswohnungen umgebaut werden soll.

Der 1974 in Lenzburg im Aargau geborene Hauri bringt in seinen Arbeiten Gegensätze zueinander und Architektur zum Wanken. Hauri nutzt vorwiegend das Medium Aquarellmalerei, wozu schon die meist riesigen Formate nicht wirklich passen wollen. Das für die Technik notwendige hochsaugfähige Büttenpapier bezieht er rollenweise und setzt zusätzlich mehrere Bahnen nebeneinander, bevor er sie nicht mit den üblicherweise filigranen Marderhaarpinseln, sondern mit breiterem Werkzeug und Bürsten bearbeitet. Hinzu kommen geometrisch exakte Kanten und Abgrenzungen, die dem Aquarell üblicherweise fremd sind. Bei den Prora-Bildern von 2004 sind es endlos wiederholte Fensterreihen, die sich allein durch minimale Variationen von Weiß vom ebenso hellen Untergrund abheben und Gischt und Möwengeschrei in sich verschließen. Hauri kann indes auch anders. Zwei kleinformatige Ölbilder von 2001 bringen das Vanitas-Motiv mit Totenkopf mit dem Thema Raum in Verbindung.

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Ein Großteil seiner Bilder widmet sich der reinen Fläche und Struktur. "Mein Verständnis von Architektur umfasst nicht nur Gebäude", erklärt Hauri. Stattdessen nimmt er in seinen meist alle Variationen von Schwarz aufnehmenden Werken beispielsweise auch Bezug auf Wandflächen oder Straßenbeläge. Nicht allein in der aktuellen Ausstellung ist ihm zudem daran gelegen, seine Werke mit der sie umgebenden Architektur in Dialog treten zu lassen. Auf seine Art strebt das auch Max Leiß an, der seine eigenwilligen Skulpturen im Untergeschoss des Kunsthauses verteilt hat. Der 1982 in Bonn geborene vormalige Schüler der Bildhauerklasse in der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe lebt heute wie Hauri in Basel. Er spürt "den skulpturalen Eigenarten von Gegenständen, Formen, Architekturen und Situationen des Alltags" nach, lichtet gegebene "Setzungen" in der Außenwelt, wie Mauerecken, Brüstungen und vollständige Bauten ab und lässt sie variiert in seine Werke einfließen.

Leiß sieht und schafft ungewöhnliche Volumen und gibt ihnen, wie etwa in "Nachtigall, ick hör dir trapsen", einer hoch oben an der Wand montierten und sehr entfernt an eine Überwachungskamera erinnernden Stahl- und Glaskonstruktion, die Interpretation weiter anregende Titel. An anderer Stelle löst er Vorgefundenes, etwa ein Tisch- oder Stuhlbein aus seiner ursprünglichen Bedeutung heraus oder wirft in "Idée du jour" (Idee des Tages) mit grünem Nagellack bemalte Schuhspanner in den Raum. Das Sehen der Dinge, ist für Leiß nicht nur die Voraussetzung der kreativen Aktes, sondern es wird selbst dazu. Der Künstler sucht nicht einfach die berühmten "Ready-Mades" der realen Umgebung, sondern er lässt sich anregen durch das Gesehene, das am Schluss auch in etwas völlig Neues einfließen kann. Etwa in "Rendez-vous", eine kniehohe Skulptur aus verzinktem Stahl von 2014, die etwas schwingend Umschließendes hat und mit mehreren ihrerseits metallenen Anhängern versehen ist. Erinnerungspunkte? Auch das. Eigentlich sollten sie nur der Zuordnung der zu verzinkenden Einzelteile dienen.

"Thomas Hauri und Max Leiß" bis Sonntag, 6. März, Kunsthaus Baselland, St. Jakob-Straße 170, Muttenz, Di + Do-So 11-17 Uhr, Mi 14-20 Uhr, Info: Tel.  004161/3128388, http://www.kunsthausbaselland.ch

Autor: Annette Mahro