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19. August 2017

Ausstellung in London

Was Elisabeth II. auf ihren weltweiten Reisen geschenkt bekam

Eine Handtasche aus Kokosnuss-Blättern, ein Briefbeschwerer aus Dino-Knochen: seit ihrer Krönung hat Königin Elisabeth II. allerlei Kuriositäten geschenkt bekommen. Im Buckingham Palace werden die "Royal Gifts" diesen Sommer ausgestellt.

  1. Was schenkt man einer Königin? In Nigeria im Jahr 2003 nahm Elizabeth II. ein Bild entgegen. Foto: dpa/AFP

  2. Aus Kolumbien stammt die silberne Handtasche. Foto: TOLGA AKMEN

Jedes Jahr, wenn die Königin und ihr Gefolge zum langen Sommerurlaub nach Balmoral Castle in Schottland aufbrechen, öffnen sich die Tore des Buckingham-Palasts fürs "gemeine Volk". Im August und September können Normalsterbliche durch die Gemächer streifen, die sonst den Royals und ihren Gästen vorbehalten sind. Solange die Queen aus dem Haus ist, dürfen Touristen kopfhörer-bewehrt durch die Rembrandt- und Rubens-Galerien Ihrer Majestät wandern und sich ergötzen an Samt, Plüsch und Kristall all der Thron- und Bankettsäle dieser Administrationszentrale der letzten wahrhaft großen Monarchie der Welt.

23 Pfund (26 Euro) pro Kopf kostet der Rundgang. Und doch reißt die Schlange niemals ab. Um aber der zahlenden Kundschaft für ihr Geld etwas mehr zu bieten als nur historisches Mobiliar und den Blick auf den Buckinghamgarten, hat man auch 2017 wieder eine spezielle Ausstellung inszeniert. "Royal Gifts" heißt die Show. Sie zeigt die wunderlichen Geschenke, die die Queen entweder von hohen Gästen in London erhielt oder die ihr auf ihren zahllosen Reisen der vergangenen 65 Jahre von den jeweiligen Gastgebern überreicht worden sind.

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Vor allem ist es ein exotisches Sammelsurium. Man bekommt das berühmte, mit Buschmännern bemalte Straußenei aus Namibia zu sehen und den tibetanischen Gebetsschal, der vom Dalai Lama gesegnet worden ist. Eine (offensichtlich nie benutzte) Handtasche aus Kokosnuss-Blättern gibt es, die von den Marshall Islands stammt, und ein prunkvolles güldenes Tempelmodell aus Kathmandu.

Zu den allerersten Geschenken, die Elizabeth II. erhielt, gehört jene fein lackierte Holzschatulle mit silbernem Reiher, die ihr der Tenno – Japans Kaiser Hirohito – zur Feier ihrer Krönung 1953 zukommen ließ. Eines der letzten Präsente, im April 2017 überreicht, ist das Union-Jack-Abzeichen, das Major Tim Peake bei seinem Weltraum-Spaziergang im Vorjahr auf dem linken Ärmel trug. Peake war der erste Brite auf der Internationalen Raumstation. Er fühlte sich, wie er sagte, beim Überreichen seines Abzeichens "inspiriert" von Tributen früherer britischer Abenteurer wie James Cook oder Robert Scott an die Krone. Auch deren Mitbringsel, aus lang vergangenen Epochen, lagern in den Schatzkammern der "Royal Collection", von denen immer nur ein Bruchteil ans Tageslicht kommt.

Das gilt auch für die jetzt im Buckingham gezeigten Objekte. Etwas über 200 Geschenke aus über 100 Ländern sind zu sehen, aber natürlich gibt es unendlich mehr. Immerhin hat die Queen in ihrer langen Dienstzeit Könige und Präsidenten zu 110 Staatsbesuchen in England empfangen und selbst fast ebenso viele Staatsbesuche auf allen Kontinenten absolviert.

In vielen Commonwealthstaaten ist sie auch mehrfach gewesen. Insgesamt soll sie, seit sie ihr Amt antrat, eine Million Meilen zurückgelegt haben. Das entspräche 40 Erdumrundungen. Außerdem reist sie ständig kreuz und quer durchs eigene Land. Was aus dieser Zeit an "Royal Gifts" zusammengekommen ist, ziert heute die Wände in zahllosen Schlössern und königlichen Villen Großbritanniens oder wird britischen Museen als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Oder es liegt eben säuberlich registriert und gut eingemottet in irgendwelchen Lagerräumen. Das Wichtige dabei ist, dass Elizabeth II. keins dieser Geschenke weggeben oder veräußern darf.

Sie ist qua Amt Treuhänderin dieser der Nation vermachten Schätze. Sie muss immer irgendwo ein Plätzchen für alles finden – selbst für so unhandliche Dinge wie den 30 Meter hohen und zwölf Tonnen schweren Totempfahl, den ihr, zu ihrer nicht geringen Überraschung, 1958 der Kwakiutl-Stamm in Britisch-Columbia übergab. Diesen eindrucksvollen Pfahl, persönlich geschnitzt von Häuptling Mungo Martin zur Hundertjahrfeier der Unabhängigkeit Britisch-Columbias von Großbritannien, ließ die Queen damals pflichtschuldigst auf einen Frachter verladen, der ihn entlang der Pazifikküste Amerikas, durch den Panama-Kanal und quer über den Atlantik in den Londoner Hafen brachte. Von dort wurde er auf einer Barkasse ein Stück weit die Themse hinauf befördert und dann, zwischen zwei Lastwagen eingehängt, auf engen Landstraßen vorsichtig nach Windsor gesteuert – wo er bis heute im Great Windsor Park steht.

Mindestens so viel Mühe gab man sich in den frühen Jahren mit einer anderen Art unkonventioneller Geschenke. 1972 präsentierte zum Beispiel der Präsident Kameruns, Ahmadou Ahidjo, der zweifellos sprachlosen Königin einen Jungelefanten, der (natürlich) Jumbo hieß. Jumbo flog nach London, wurde aber nicht, wie er vielleicht erwartet hätte, im Schloss aufgenommen. Sondern er landete im städtischen Zoo, bei den anderen Elefanten, und dann in einem Wildgehege auf dem flachen englischen Land.

Ebenso erging es zwei Jaguaren, mit denen der brasilianische Staat die britische Fauna bereichern wollte. Und auch ein süßes kleines Krokodilbaby, das Gambia dem damals zweijährigen Prinzen Andrew als Spielzeug zugedacht hatte, fand seinen Weg schnurstracks hinter die Gitter eines Geheges im Zoo.

Inzwischen werden Tiere wie diese nicht länger importiert, sondern nur noch symbolisch entgegen genommen. Sie bleiben daheim. Eine Ausnahme bilden Reit- und Rennpferde, für die die Queen zeitlebens eine Schwäche hatte. Für die hat es immer in den Stallungen Ihrer Majestät ein Plätzchen gegeben.

Manche Geschenke haben ihr eben auch persönlich etwas bedeutet. Wie die Bronzestatue ihres Lieblingspferdes "Burmese", auf die man in der Ausstellung ebenfalls trifft. Oder wie das Silbermodell der HMS Britannia, das "Lloyds of London", das Versicherungskonglomerat mit der großen Schifffahrtstradition in der City, für sie anfertigen ließ.

Mit einer Jade-Keule soll die Queen sich schützen

Auf der HMS Britannia, der Royal Yacht, war sie ja bis vor 20 Jahren noch mit dem Rest der Familie glücklich über die Meere gezogen, auf Besuch in einer vom Empire zum Commonwealth mutierten Welt. Bis es für Royal Yachts eines Tages kein Geld mehr gab und die Britannia im Hafen von Edinburgh für immer fest vertäut wurde. Auch auf ihr trampelt nun, zum Kummer der Royals, das "gemeine Volk" herum.

Eher gewundert haben dürfte sich die Queen über gewisse andere Kostbarkeiten, die man ihr in die Hände drückte – wie etwa die Maori-Schlagkeule aus Jade, die ihr bei der Verteidigung gegen Feinde nützlich sein sollte, oder den Briefbeschwerer aus einem Dinosaurierknochen, made in Kanada. In Australien wurden ihr einmal vom Verband der australischen Dörrobstproduzenten fünf Tonnen Dörrobst überreicht. Auch das wurde nach England befördert, ging aber statt nach Windsor an ein Waisenhaus.

Manches hat ihr wahrscheinlich weniger gut gefallen, wie die oft nicht gerade schmeichelhaften Darstellungen ihrer Person. Eins dieser Porträtgemälde, das ihr Boris Jelzin vermachte, weigerte sie sich offenbar mit nach Hause zu bringen. Es hing in der Folge beharrlich in der Moskauer Botschaft des Vereinigten Königreichs. Gegen andere Geschenke konnte sie dagegen gar nichts machen. John F. Kennedy brachte im Jahr 1961 zu einer Dinnerparty in den Buckingham ein Foto von sich selbst mit, unterzeichnet "mit Wertschätzung und größter Hochachtung" für Ihre Majestät. So etwas, ein freundliches Autogramm als Gastgeschenk, konnte sich nur ein US-Präsident erlauben. Man fragt sich, was Donald Trump plant, wenn er einmal an der Reihe ist.

Viele andere Ausstellungsstücke erregen das Interesse der Besucher dieses Sommers. Der Sack Salz zum Beispiel, den Salt Island stiftete. Oder die schottische Karodecke "mit eingewebtem Diamantenstaub" zum Diamond Jubilee. Oder das Streifchen Festtagsband in den Farben der Trikolore, das ihr François Mitterand ins Gepäck legte – zur Erinnerung an die Einweihung des Tunnels unterm Ärmelkanal.

Anlässlich der Einweihung von Terminal 1 des Heathrow Airports im Jahr 1961, erhielt sie als Andenken eine Luftaufnahme des nagelneuen Flughafens, auf der auch Windsor Castle zu sehen ist. Eine gewisse Wehmut haftet diesem Bild wie der ganzen Ausstellung an. Denn zum Ausklang einer Epoche, wie er sich nun unweigerlich andeutet, ist hier noch einmal der ganze Reichtum ausgebreitet worden, in dem sich die 65 Jahre der zweiten elisabethanischen Ära spiegeln. Von der Maori-Keule bis zum Abzeichen aus dem All hat die Queen artig gesammelt, was man ihr verehrt hat. Bevor sie weiter sammelt, hat sie ein Päuschen in Balmoral verdient.

"Royal Gifts", London, Buckingham Palace, bis 1. Oktober. Informationen und Karten unter http://mehr.bz/royalgifts

Autor: Peter Nonnenmacher