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12. März 2009
Kunstverein Freiburg
Caroline Käding: Kratzer, die etwas bewirken
BZ-INTERVIEW: Caroline Käding, die neue Direktorin des Kunstvereins Freiburg.
m Herbst vergangenen Jahres hat Caroline Käding die Leitung des Freiburger Kunstvereins übernommen. Ende März eröffnet sie hier die erste Ausstellung, die sie selbst geplant und eingerichtet hat, und gibt damit ein erstes sichtbares Statement ab. Über die Ausstellung "Nothing to say and I am saying it" , über die finanziellen Bedingungen der Arbeit im Kunstverein und über die Stellung des Vereins in der Stadt hat sich Volker Bauermeister mit Caroline Käding unterhalten.
IBZ: Sie waren Mitarbeiterin der Kestnergesellschaft in Hannover, einer großen und republikweit bekannten Ausstellungsbühne. In Freiburg backen Sie kleinere Brötchen. Aber es sind hier ja nun auch die eigenen.
Caroline Käding: Genau. Zudem kannte ich den Freiburger Kunstverein mit der eindrucksvollen Ausstellungshalle schon lange. Als die Stelle ausgeschrieben wurde, war für mich klar, dass ich mich bewerbe: Das wäre ein Schritt – die Leitung eines Kunstvereins zu übernehmen, der aber auch überschaubar ist.
BZ: Überschaubar sind hier allerdings auch die Arbeitsmöglichkeiten. Sie werden ja auch die Grenzen sehen, die für Ihre Vorgängerin Felicity Lunn der Grund waren, zu gehen.
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BZ: Hat es Sie eigentlich Kopfschmerzen gemacht, die Ausstellungsstaffel für 2009 finanziell zu sichern?
Käding: Anders als bei meiner Vorgängerin war in meinem Fall von vorn herein klar, dass wenig Geld zur Verfügung steht. Die noch bestehende Lücke im Programm liegt darin, dass die Ausstellung, an die ich denke, finanziell noch nicht gesichert ist. Es kommt immer darauf an: Was schlägt ein Künstler vor – was können wir realisieren? Beispielsweise, wo befinden sich die Werke, oder aber entsteht für die Ausstellung ein neues Werk und wie hoch sind die Produktionskosten? Ich muss den Etat immer mitdenken und bin durch das Budget von 7000 Euro pro Ausstellung quasi ständig auf Sponsorensuche. Dabei versuche ich, fantasievoll mit wenig Geld Ausstellungen zu inszenieren, denen man den geringen Etat möglichst nicht ansieht. Mit der Installation von Anthea Hamilton ist uns das beispielsweise gelungen: In der noch von Felicity Lunn initiierten Ausstellung stehen sieben Fitnessgeräte. Hätten wir nicht ein Freiburger Unternehmen gefunden, das uns diese kostenlos geliehen hat, wären wir nicht in der Lage gewesen, die gewünschte Präsentation zu realisieren. Der finanzielle Rahmen gibt die Inhalte vor.
BZ: Die erste von Ihnen selbst geplante und inszenierte Ausstellung wird jetzt am Monatsende eröffnet. Man wartet darauf mit Spannung, zumal es sich um eine thematische Schau handelt.
Käding: Ich beginne mein Programm mit einer Gruppenausstellung, um zu zeigen, dass ich Kunst medienübergreifend unter inhaltlichen Gesichtspunkten betrachte. Eine der wichtigsten Errungenschaften der Kunst im 20. Jahrhundert sehe ich in der Verschiebung von figürlicher Darstellung, von der Repräsentation, zum Objekt. Die Ausstellung zeigt außerdem, welche aktuellen Künstler ich für wichtig erachte.
BZ: Es tauchen in Ihrer Beschreibung des Projekts zwei Begriffe auf: Minimalismus und Monochromie. Das sind ja an sich schon historische Prägungen. Aber Sie fragen jetzt offenbar nach der Gegenwart dieser künstlerischen Phänomene.
Käding: Ja, was passiert jetzt damit? Der Minimalismus bietet den Werken in der Ausstellung sozusagen den Hintergrund. Der 35-mm-Film von dem Engländer Cerith Wyn Evans aus dem Jahr 2006 zeigt nichts weiter als eine schwarze Fläche. Der Projektor, die Filmspule, das Surren des Films – all das betont das Material und besitzt so einen minimalistischen Ansatz. Durch das Abspielen des zwölfminütigen Loops entstehen Kratzer auf dem Zelluloid, die wie Zeichnungen wahrgenommen werden. Der Betrachter erzeugt so aufgrund seiner eigenen Vorstellung Bilder. Der Titel der Ausstellung "Nothing to say and I am saying it" stammt von John Cage und formuliert den Widerspruch des Nichts, aus dem sich aber etwas Konstruktives entwickeln kann, treffend.
BZ: Wir werden hier also Werke sehen, die keinen Inhalt fixieren, doch an denen sich Wahrnehmung differenziert?
Käding: In dem Moment, in dem eine schwarze zerkratzte Fläche die Illusion von Bildern entwirft, wird sie für uns Projektionsfläche . In der Ausstellung wird man sich aber auch mit dem Thema des Bildes als Objekt auseinandersetzen können. Mag sein, dass sie für den einen oder anderen Besucher daher zu lehrhaft wirken wird. Aber man kann sie sich auch frei von einem inhaltlichen Ansatz ansehen und sagen: Ich lasse einfach die Werke auf mich wirken. Häufig hört man ja den Einwand: Ich finde es nicht gut, wenn ich erst viel lesen muss, um eine Ausstellung zu begreifen. Aber das soll hier eben auch nicht Voraussetzung sein .
BZ: Es ist für einen Kunstvereinsleiter ja auch immer eine Frage, inwieweit er die lokale Szene ins Programm einbezieht.
Käding: Ich sehe die "Regionale" als entsprechendes Forum und die Schau der Galerien "Das soll Kunst sein", die im Herbst stattfinden. Darüber hinaus möchte ich auf jeden Fall mit Künstlern aus der Region arbeiten, außerhalb des Kunstvereins oder im Haus. Um die Szene zu übersehen, bin ich aber noch nicht lange genug hier. Es gibt zwar schon Positionen, die mich interessieren und die ich weiter verfolgen möchte. Nur gibt es jetzt noch keine konkreten Projektpläne.
BZ: Wie beurteilen Sie denn die Stellung des Kunstvereins in Freiburg? Fühlen Sie sich in der Stadt gestützt, gebunden – oder eher doch für sich und allein?
Käding: Ich glaube, dass der Kunstverein als kulturelle Einrichtung in der Stadt für viele Freiburger nicht relevant ist. Es ist auch eine gewisse Zurückhaltung zu spüren seitens der Parteien im Stadtrat. Ich hatte die Parteien eingeladen, bei uns eine ihre Fraktionssitzungen durchzuführen, die SPD ist der Einladung bereits gefolgt. Dass sich in Zukunft die Kontakte gerade auch zu den politischen Entscheidungsträgern verdichten werden, hoffe ich. Mit Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach habe ich mehrmals gesprochen. Er hat eine positive Einstellung, und ich kann mich jederzeit in Belangen des Kunstvereins an ihn wenden. Das ist sicher ein gutes Signal. Einen großen Gewinn sehe ich darin, dass der Vorstand im Verein mir viel Rückenwind gibt und mich in der Arbeit unterstützt, wo er kann. Ich empfinde es zudem als angenehm, wie respektvoll die einzelnen kulturellen Institutionen in der Stadt miteinander umgehen und wie groß das Interesse für einander ist.
