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08. Oktober 2011
Das Leben der Linien
"Lyrische Abstraktion" in der Galerie Birkhofer.
In selten stimmigem Zusammenspiel präsentieren sich unter dem dehnbaren Label "Lyrische Abstraktion" drei Künstler in der Galerie Birkhofer in Gottenheim : zwei alte Bekannte und ein neuer Name aus dem Rheinland. Wilhelm Morat, wie stets naturhaften Formen von größter Leichtigkeit verschrieben, zeigt hängende, kriechende und schwebende Gebilde aus gepresstem Naturflachs und oxidierendem Kupferdraht, die an herbstliches Blattwerk oder Fledermausflügel erinnern. Unübersehbar, sein zunehmender Hang zur großen Form und die Einbeziehung des Sockels, der von einigen seiner transparenten Wesen förmlich erklettert wird. Wichtiger als der surreale Eindruck ist ihm aber ganz offensichtlich die Eleganz und Grazie des Gesamteindrucks. So korrespondieren seine Formen aufs Beste mit denen Aisaku Suzukis.
Zwischen Naturimpuls, japanischer Tradition und sehr eigener Formfindung changieren die fünf formschönen Porzellanplastiken des in Breisach lebenden Keramikers, die sich jedem Zweckbezug entziehen und ein Höchstmaß an Konzentration und reduktiver Gefasstheit ausstrahlen. Gerät bei Morat die Linie in schwerelosen Schwung, formt sie bei Suzukis bodenständigen Skulpturen insbesondere die elegante Kontur, die mit dem Oberflächenreiz der für diesen Künstler typischen zarten Krakelees harmonisch korrespondiert. Höchste handwerkliche Kunstfertigkeit vereint sich mit einem sensiblen Blick aufs Flächendetail.
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Auf den Bildern des in der Tradition des Informel malenden Harald Häuser ist die Linie dagegen ein vehementes, die gesamte Bildfläche kalligraphisch überwucherndes Bewegungszeichen. Das Faszinierende: Zumindest drei der von ihm gezeigten Bilder evozieren einen augentäuschend reliefhaften Eindruck. Seine mit raschem Pinsel auf nasse Leinwand aufgetragenen Lineaturen haben mitunter die Anmutung blauer Schwämme oder grauer Lederfetzen – eine lebendige Textur, die das Auge sich langsam ertastet. Die informelle Orientierung seiner Malerei erweist sich nicht nur im All Over. Auf Häusers kleineren Bildern, die nicht unbedingt in gleichem Maße überzeugen, scheinen sich Blicke in submarine Gefilde, in surreale Anderswelten aufzutun. Den meisten dieser Arbeiten fehlt es allerdings an formaler Stringenz und innerer Spannkraft.
Alles in allem jedoch eine Ausstellung, die den Besuch lohnt.
– Galerie Birkhofer, Nägelseestr. 13, Gottenheim. Bis 23. Oktober, Freitag bis Sonntag 11–16 Uhr.
Autor: tol
