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03. November 2009 01:09 Uhr
Architektur
Das Vitra Design Museum in Weil wird 20
Baustatiker sind in Weil am Rhein erst an Zaha Hadid verzweifelt. Der vor 20 Jahren eröffnete Bau des Amerikaners Frank O. Gehry war im Vergleich zu demspäter eingeweihten Feuerwehrhaus der Irakerin bodenständig.
Dass aber das Vitra Design Museum, das der Gehry-Bau beherbergt, trotzdem alles andere als statischen Ansprüchen gerecht werden würde, das machte seine reichlich dynamische Hülle schon auf den ersten Blick deutlich. Sowohl der Bau als auch sein Inhalt stehen für die Philosophie des Ganzen. "Natürlich ist das Museum auch ein Markenbildungs- und Forschungsinstrument. In erster Linie ist es aber der Ausdruck einer Haltung", erklärt Firmenchef Rolf Fehlbaum. Repräsentativ wird deshalb nicht die eigene Produktion vertreten, sondern Design vor allem des 20. Jahrhunderts.
Das galt, selbst wenn die Konzeption in ihrer heutigen Form sich erst in der Zusammenarbeit mit Alexander von Vegesack als Museumsdirektor entwickelt hat, schon von der ersten Idee an. Hatten sich doch in Fehlbaums eigener Sammlung zu den Werkbeispielen aus Vitra-Produktion und Entwürfen von Charles und Ray Eames und George Nelson längst weitere Designikonen hinzugesellt, Werke etwa von Alvar Aalto, Jean Prouvé oder Gerrit Rietveld.
Musterbeispiele der Konkurrenz könnte man das nennen, aber natürlich sieht der Sammler die Dinge anders. Design bestimmt nach Meinung des gebürtigen Baslers, der anstatt Betriebswirtschaft Philosophie und Soziologie studiert hat, weit mehr als nur das gestaltete Objekt. Es gibt stattdessen Einblick in die Beschaffenheit der Gesellschaft, aus der es hervorgeht . "Design ist ja aus seinem Ursprung heraus schon eine kommerziell-kulturelle Disziplin", erklärt der Unternehmer . Auch wenn das Museum zumindest einen Sockelbetrag zum Budget von Seiten des namengebenden Möbelbauers bezieht, arbeitet es doch weitgehend unabhängig. Die Zusammenarbeit funktioniere jedenfalls in dem Bewusstsein, so formuliert es Chefkurator Mateo Kries, dass beide davon profitierten.
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Um Promotion ging es dabei aber nie, sagt Rolf Fehlbaum, auch wenn er einschränkt, Marketing sei ja zunächst einmal nichts Ehrenrühriges. Ungleich wichtiger, und da gibt ihm weltweite Wahrnehmung längst Recht, war aber eine grundsätzliche Erweiterung der Perspektive: "Die rein kommerzielle ist ja eine sehr enge Sicht. " Zwar stand von Anfang an nicht in Frage, dass das Museum eine dem Unternehmen nützliche Institution sein sollte.
Die Nutzenbetrachtung ist hier jedoch, wie auch bei dem sich nebenan weiterentwickelnden berühmten Architekturcampus deutlich breiter gefasst. Design wird zur Klammer bis in den Produktionsprozess. Gegen den Gedanken, er sammele neben Möbelstücken auch Architektur, verwehrt sich Fehlbaum übrigens. Auch da ist die Frage der Corporate Identity weiter gefasst. Es müsse immer passen. Er sei beispielsweise ein großer Verehrer des Holländers Rem Koolhaas, dennoch habe sich nie eine für dessen Architektur passende Aufgabe gefunden. Schade eigentlich.
Die Idee, das VDM sei so etwas wie der verlängerte Arm der Vitra, war aber immer schon eine Unterstellung, sagt jedenfalls Fehlbaum. Beim Blick auf das Programm des Hauses, das in den 20 Jahren seines Bestehens schon eine Vielzahl von Ausstellungen zu berühmten Möbeldesignern und Architekten gezeigt hat, darunter Marcel Breuer, Mies van der Rohe und die bisher erfolgreichste zum Werk Le Corbusiers, erübrigt sich die Frage aber ohnehin. Es spiegelt auf seine Weise das Unternehmen, das derzeit mit dem noch wachsenden Neubau der Basler Architekten Herzog und de Meuron wieder Stoff zu hitzigen Diskussionen liefert. Die Baudimensionen sind mit der Zeit offensichtlich gewachsen. Zurückhaltung hat die Strategie aber nie bestimmt.
Autor: Annette Mahro
