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06. Oktober 2010

Der Rhythmus irisierender Farbklänge

Architekturtage am Oberrhein: Die Ausstellung "Architektur im Spiegel der Farbe" in der Freiburger Galerie artopoi.

"Architektur im Spiegel der Farbe" – ein ungewöhnlicher Titel für eine Kunstausstellung. Doch die Galerie artopoi in Freiburg liefert mit ihrer aktuellen Schau einen Beitrag zu den trinationalen oberrheinischen Achitekturtagen. Dabei handelt es sich bei den ausgestellten Werken nicht, wie man in dem Zusammenhang vermuten könnte, um Kunst am (oder in diesem Fall: im) Bau. Auch werden keine Arbeiten gezeigt, die Architektur vordergründig als Motiv verwenden. Geboten wird vielmehr Bildkunst, zu deren Selbstverständnis es gehört, mit der umgebenden Architektur in einen Dialog zu treten.

Das trifft zumindest auf die Arbeiten von Elisabeth Sonneck zu. Begriffe wie Raummalerei, Wandmalerei und Farbinstallation dienen der Malerin aus Berlin zur Bezeichnung ihrer Bildkunst. Die Bilder in Öl sind Triptychen, Dreiklänge aus Farben, das Format meist – wie bei den ausgestellten Arbeiten – quadratisch. Einesteils ließen sie sich als Farbfeldmalerei beschreiben. Farbbahnen überziehen horizontal oder vertikal die Bildfläche. Einige Bahnen sind nicht ganz durchgezogen und enden kurz vor der Kante. Eine andere Farbe vollendet dann die Bahn. Aus manchmal fünfzig oder sechzig Lagen bauen die Bilder sich auf.

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Ein Maler entwirft ein monumentales Tor

Was sie von Farbfeldmalerei wiederum abhebt, ist der lasierende Farbauftrag. Der macht, dass unter der obersten Farblage immer auch andere Farben durchscheinen. So entsteht ein Rhythmus irisierender Farbklänge, der in einem der Triptychen in der umgebenden Wand weiter schwingt. Die hat Sonneck in monochrome, von der Decke bis zum Boden reichende Rechteckfelder aufgeteilt, wobei das Farbspektrum der Wandpartien sich in den Leinwandbildern spiegelt. Von "Farbrecherche" und "Konkretion der Farbe" spricht die sie – und davon, dass ihr der Prozesscharakter ihrer Malerei wichtig sei: Sichtbar gerinnt die Bewegung der malenden Hand gleichsam zu Farbe.

Bilder und Zeichnungen von Hans-Jörg Glattfelder treten hinzu. In den achtziger Jahren gestaltete der in Paris lebende Schweizer für ein Unternehmen in Zug ein monumentales, zweiteiliges Tor. Farbige Entwurfszeichnungen in der Ausstellung spielen verschiedene Möglichkeiten durch. Die Torflächen hat Glattfelder in kleine Quadrate unterteilt. Die jeweilige Komposition besteht aus diagonal-geometrischen, wechselnd farbigen Quadratausschnitten. Regelgemäßes wechselt mit Abweichungen von der Regel, und es entstehen lebendige, bewegte Strukturen. Umgesetzt wurde am Ende eine meditativ-bewegte, wunderbar ausgewogene Komposition. – Zu den Zeichnungen gesellen sich zwei Bilder: Trapezoide, die mittels eines Rasters aus farbigen Linien die Illusion von Perspektive und Räumlichkeit erzeugen. Die unregelmäßigen Vierecke erscheinen in der perspektivischen Wahrnehmung dann als Rechtecke.
– Galerie artopoi, Basler Straße 11, Freiburg. Bis 6. November, Mittwoch bis Freitag 15–19 Uhr, Samstag und Sonntag 12–15 Uhr.

Autor: Hans-Dieter Fronz