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21. Oktober 2009
Die Quadratur gerät ins Tanzen
Architektur und Fotografie: Die Ausstellung "Kunst-Bau-Werk" in der Freiburger Galerie artopoi.
Bereits im vergangenen Jahr hat Helmut Albert, Künstler und Inhaber der Freiburger Galerie artopoi, den Schulterschluss mit der Baukunst gesucht. Damals war es um die Verbindung von Architektur und Skulptur gegangen. Jetzt, zu den Architekturtagen 2009, zeigt er drei Künstlerinnen und einen Künstler, die durchaus spannungsvolle fotografische Positionen zum Thema präsentieren.
Die prinzipielle Frage, ob und inwieweit das abbildende, dokumentierende Medium Fotografie den Kriterien Konkreter Kunst gerecht werden kann, der sich die Galerie ja programmatisch verschrieben hat, kann dabei getrost außer Acht bleiben. Schließlich zählt Helmut Albert nicht zu den Puristen der Szene und war immer an Grenzbereichen der Konkreten Kunst interessiert. Alle Fotokünstler jetzt verzichten auf fototechnische Manipulation, das heißt, ihre Kunst besteht vornehmlich in der Auffindung des Motivs und der Raffinesse seiner ausschnitthaften Präsenz . Gemeinsamer Ausgangspunkt ist dabei die Liebe zur Geometrie, genauer: zur dezenten Quadratur – und deren Dynamisierung.
Scharfe Winkel, spitze Keile des Kunsthauses Graz stoßen auf den beinahe schon monumental anmutenden Hochformaten der Nürnbergerin Sabine Richter in ein großflächiges blaugraues Firmament. Was wie eine Überlagerung mehrerer Lichtbilder erscheint, ist das übliche Wechselspiel mit dem Spiegelbild im Fensterglas, ein subtiles Spiel von Innen und Außen.
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Der in Düsseldorf lebende Südschweizer Matteo Trabattoni nimmt auf seinen Bildern von Jean Nouvels Luzerner Kulturhaus eine entschiedene Innenperspektive ein, präsentiert das transparente Bauskelett, eine riesige Maschine, im Stampftakt. Die forcierte Maschinenästhetik liegt durchaus auch in der Absicht des Architekten. Die Freiburger Künstlerin Ria Hochmann beschert uns weitere Wiedererkennungsmomente. Ist das nicht der gekrümmte Winkel des Betondachs der Wallfahrtskirche von Ronchamp? Ausschnitte von Le Corbusiers Meisterwerk stehen in rhythmischer Folge zur Maria-Magdalena-Kirche im Freiburger Rieselfeld. Einen Raum weiter entfaltet der Blick in den Himmel aus den Gassen von Salzburg – genauer: überm Trakl-Haus – einen unwiderstehlichen Sog.
Karin Kieltsch schließlich, mit 14 Arbeiten prominent vertreten, fasziniert unter anderem mit einer Serie von Spiegelungen einer Bürohausfassade in Chicago. Das strikte Gitternetz gerät in geradezu musikalische Schwingungen. Auf ihren exakten Pariser Fotos feiert sie dagegen wieder die konstruktive Ästhetik der Horizontal-Vertikalstruktur.
Wir begleiten die vier Flaneure gern bei ihren Spaziergängen durch die neue und neueste Architektur und wünschen der Galerie artopoi noch zahlreiche Besucher.
– Galerie artopoi, Guntramstraße 43, Freiburg. Bis 24. Oktober. Dienstag, Mittwoch, Freitag 15–19 Uhr, Donnerstag 15–20 Uhr, Samstag 12–15 Uhr.
Autor: Stefan Tolksdorf
