Experimentierfreudiger Meister im Medium Glas

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Do, 07. Dezember 2017

Ausstellungen

In einer Ausstellung im Rheinfelder Haus Salmegg wird umfangreich das Schaffen des Glasbläsers Wilfried Markus gezeigt.

Eine Jahreszahl, in leuchtenden Farben in Glas geformt, empfängt die Besucher der Ausstellung von Wilfried Markus im Rheinfelder Haus Salmegg. "1947" steht in Glas-Zahlen an der Wand. Es ist das Geburtsjahr des Glaskünstlers aus Rheinfelden, der die Betrachter Raum für Raum mitnimmt auf eine sehr persönliche Reise durch sein Leben und Schaffen.

In dem doppeldeutigen Titel "Spielzeugen" stecken die Worte Spiel und Zeugen. Die gezeigten Objekte, so deutete es die Glaskünstlerin Simone Fezer in ihrer einfühlsamen Laudatio, zeugten von einer jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Glas und vom Austesten der Grenzen des Materials und der eigenen Grenzen. Die Objekte erzählen, so formulierte es Fezer, "von der Kostbarkeit des Alltags", der Welt der kleinen Dinge und "der Magie der Alltagsgegenstände". Wilfried Markus hat jedem Raum in dieser Ausstellung des Haus Salmegg-Vereins für Kunst und Geschichte ein eigenes Gesicht gegeben. Und er zeigt auf originelle Art, was er aus diesem fragilen Material herausholen kann im kreativen Spiel mit Farben, Licht, Formen und experimentierfreudigen Glastechniken.

Der erste Raum wird ausgefüllt von einem überdimensionalen Rechenschieber mit 100 großen, fein geblasenen Kugeln in Rot, Blau, Grün und Orange auf Stäben. Der Abakus ist eine schöne Reminiszenz an die Kindheit und Schulzeit, die mit gewissen Dingen verbunden ist. Einen besonderen Zauber strahlt der Raum aus, in dem eine einladende Tafel gedeckt ist: Auf einem langen Eichenholztisch sind Gefäße, Teller, Schalen, Leuchter, langstielige hohe Kelche, Noppen-Gläser und Bestecke aus klarem Glas arrangiert, fantasievoll und verzierungsreich geformt aus Röhren und Stäben. Etwas Schwebendes zwischen Traum und Realität geht von diesen zarten, transparenten, im Schein der Kerzen schimmernden Glasobjekten aus. Diese Tafel-Installation symbolisiert das Warten auf Gäste, das Zusammensein mit Freunden und Familie, und taucht den Raum in eine verzaubernde Atmosphäre. Auch das "Glasbild" aus durchsichtigen filigranen Glasformen, die scheinbar schwerelos auf der Fläche des Bildes schweben, und die nach originalen Waffeleisen geformten Glasobjekte sind weitere Beispiele für Wilfried Markus‘ herausragendes Können und Ideenreichtum in der freien Glaskunst.

Im zentralen Raum sind, verteilt auf Podesten, Bootsformen aufgebaut. Diese Schiffsobjekte, reduziert auf wesentliche Formen, ziehen sich seit längerem durch Markus‘ Oeuvre. Aus Float-Glas in besonderem Schmelzverfahren sind diese Boote entstanden, die durch schöne Strukturen und Formen auffallen und sinnbildlich Chiffren sind für das Reisen, für die Sehnsucht, aber auch für den Rhein, der direkt vor der Tür des Hauses Salmegg vorbei fließt. Die Kette aus ineinander verschlungenen Glas-Gliedern könnte man auch als Anker deuten.

Ein kleiner Raum ist dem Kelch gewidmet, einem "Klassiker abendländischer Symbolik", wie es Laudatorin Simone Fezer nannte. Die auf hohen Sockeln aufgereihten Kelche beeindrucken durch kräftige Farben und edle Formen. Auch in einem weiteren Raum setzt sich Markus‘ Beschäftigung mit der Gefäßform fort: Das Gefäß als Symbol des Aufbewahrens, des Bergens von Kostbarem und Wertvollem inspiriert den Glaskünstler zu irisierenden und geheimnisvollen Effekten. So sind frei Hand geformte Gefäße in Tiefschwarz oder in leuchtendem Rot mit eingearbeitetem Blattgold zu sehen. Wie ein zarter Schleier scheinen die Blattgoldelemente in diesen schwarzen und roten Gefäßen zu schweben, die durch klare Formen und Linien geprägt sind. Auch durch Bemalung und aufgebrachte Glasstückchen verleiht Markus diesen Gefäßformen sehr individuelle Gestalt.

In kleinen "Handschmeichlern" und reizvollen Glaskreationen mit Herzformen sagt Markus seinen Ausstellungsbesuchern auch einiges darüber, wie viel Herzblut, Hingabe und Liebe zum Detail in dieser facettenreichen Glaskunst steckt. Projizierte Fotografien geben darüber hinaus persönliche Einblicke in das Schaffen dieses experimentierfreudigen Meisters im Medium Glas, der unermüdlich nach neuen Ausdrucksformen sucht.

Ausstellung: Haus Salmegg, Rheinbrückstraße 8, Rheinfelden, bis 7. Januar, Samstag und Sonntag 12 bis 17 Uhr. Künstlergespräch am Samstag, 9. Dezember, 14 bis 17 Uhr.