Farbe braucht es wenig

Susanne Ramm-Weber

Von Susanne Ramm-Weber

Mo, 11. August 2014

Ausstellungen

Ulrike Kirbach und Rainer Thomas in Ettenheimmünster.

"Himmel und Erde" ist die Bezeichnung eines Mus-Gerichts, halb aus gestampften, zerkochten Äpfeln und halb aus gestampften, zerkochten Kartoffeln. Die Zeichnerin Ulrike Kirbach, deren feine Arbeiten derzeit zusammen mit den Linien-Raum-Zeichnungen von Rainer Thomas in der Galerie Linda Treiber in Ettenheimmünster zu sehen sind, widmet eine Arbeit diesem Gericht. Sie textet und sie zeichnet. Ein Stück Text beschreibt das Gericht, die Zeichnung dazu ist ebenso sparsam wie zielgerichtet: zwei Cent-Stück-große Kreise, der eine blau, der andere rot gefüllt, versetzt platziert. Mehr Farbe gibt es in der ganzen Ausstellung nicht zu sehen.

Gleichwohl ist die Ausstellung mit dem Doppel-Titel "Eine fort-laufende Geschichte" und "umhergehen" spannungsreich. Das liegt zum einen an der Hängung, die von Raum zu Raum variiert, mal streng geordnet, mal in lockerer Folge, zum anderen darin, wie die Arbeitsweisen der beiden Künstler grundsätzlich voneinander verschieden sind und zugleich doch harmonieren.

Die 1951 geborene Stuttgarterin Ulrike Kirbach fertigt sehr feine und in der Form außergewöhnlich gestaltete Bleistiftzeichnungen, einzeln und gezielt setzt sie ihre Gebilde auf das miniaturhafte Blatt. Diese Formungen aus der Kraft der Phantasie sind kaum assoziativ aufgeladen und so eigenständig wie eigenwillig. Tagebuchartig, in Reaktion auf den poetischen Text ("lauf doch ein Weilchen / naemlich ein Meilchen / neben mir her"), fügt Ulrike Kirbach mehrere Blätter zu einem Komplex – Verletzlichkeit und Empfindsamkeit offenbarend.

Ganz anders im Charakter sind die Arbeiten aus der Bildfolge "umhergehen" von Rainer Thomas, der bereits seit 1993 zu den Stammkünstlern der nun schon seit dreißig Jahren aktiven Galeristin Linda Treiber gehört. Streng geordnet, mit wenigen geraden Linien lotet er das ganze, hier – neben den Arbeiten von Ulrike Kirbach – vergleichsweise große Blatt im Format von 40 mal 30 Zentimetern aus. Die wenigen Linien, mit Tusche gezogen, atmen Lebendigkeit, mal dicker, mal dünner, dann zu einer schmalen Fläche sich auswachsend. Verschachtelung und Perspektive werden angedeutet, wenigstens sporadisch eingesetzt, so dass das Blatt viel Raum erhält.

Dort, wo die Arbeiten beider Künstler im Wechsel hängen, entfalten jene von Rainer Thomas einen beruhigenden, fast beschützenden Charakter, ohne den anderen etwas von ihrer Eigenständigkeit zu nehmen. Es ist eine gelungene Ergänzung, für die auf das stille Medium der Zeichnung hochspezialisierte, ebenso liebenswürdige wie konsequent und beharrliche Galeristin mit dieser Ausstellung sorgt.
– Galerie Linda Treiber, Münstertalstraße 34, Ettenheimmünster. Bis 17. August, geöffnet täglich nach Vereinbarung: Tel. 07822 / 5464.