Gemeinsinn zelebrieren

Dietrich Roeschmann

Von Dietrich Roeschmann

Fr, 29. Juni 2018

Ausstellungen

Sophie Innmann im Freiburger Pförtnerhaus.

Arbeiten von Sophie Innmann sind oft wie gute Freunde, mit denen man den Tag über abhängt und dann irgendwann auf seltsame Ideen kommt. Klischeegerecht Wodka trinken zum Beispiel, als Gemeinschaftsding, und um sich zu vergewissern, dass das alles nicht nur ein bizarrer Wachtraum ist, werden die Gläser später an die Wand geworfen und am Boden sammeln sich die Scherben. So einen Scherbenhaufen hinterließ Innmann auch im Moscow Museum of Modern Art, wo die 32-Jährige kürzlich mit ein paar Kolleginnen und Kollegen ausstellte. Die Materialliste ihres Beitrags: 14 Flaschen Standard Wodka, 400 Gläser, Klebeband, Vorhang, Besucher. Diese sollten auf Trinkwünsche ihnen unbekannter Dritter anstoßen, die Innmann zuvor in einem Buch gesammelt hatte. Am Ende war der Wodka leer, es roch streng und knirschte hart unter den Füßen.

Die Kunst des Komasaufens? Nein. Wer die Arbeiten der Künstlerin kennt, die an der Freiburger Außenstelle der Kunstakademie Karlsruhe studierte, 2013 Meisterschülerin von Leni Hoffmann war und zur Kuratorengruppe des Offspace "plan b" gehörte, der weiß: Hier ging es nicht ums Trinken, sondern um das Zelebrieren von Gemeinsinn, von jugendlichem Exzess, der Romantik der Rebellion – und um die Überführung kunsthistorischer Konzepte wie Beuys’ sozialer Plastik oder Jackson Pollocks Action Painting in subkulturelle Kontexte. Der Künstlerin, die über Punk und die Skaterszene zur Kunst fand und daraus eine wunderbar eigenwillige Perspektive auf den Zusammenhang von Malerei, Bewegung, Raum und Erfahrung entwickelt hat, inszeniert oft mit einfachsten Mitteln intensive Momentaufnahmen kollektiven Handelns. Auch in Freiburg hat Innmann so Spuren hinterlassen, zuletzt beim Kunstprojekt Longitude III in der Schwabentorpassage, wo sie eine mit Neonfarbe gefüllte Bierflasche an der Kachelwand platzen ließ. Im Pförtnerhaus ist sie nun zu Gast mit ihrer jüngsten Arbeit, einer atemberaubend klaustrophobischen Installation aus gefundenen Bierbänken. Cheers!

Pförtnerhaus, Fabrikstr., Freiburg.
Vernissage: Sa, 30. Juni, 19 Uhr.
Finissage: So, 29. Juli, 16–18 Uhr.
Auf Anfrage unter osch@owald.com