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13. September 2017

In Bonn wird eine Ausstellung mit Werken von Ferdinand Hodler gezeigt

Der Schweizer mit dem Durchbruch in Deutschland: Die Bonner Ausstellung "Ferdinand Hodler – Maler der frühen Moderne".

  1. Mit Jugendstil-Anklängen: Ferdinand Hodlers „Der Tag“ (um 1901) Foto: Kunstmuseum Luzern, Depositum der Bernhard Eglin-Stiftung

"Auge, Verstand, Herz", so lautete eine Arbeitsthese dieses Künstlers. Sie macht deutlich, worum es Ferdinand Hodler ging. Genaues Beobachten sollte nicht weniger als die Verschmelzung von Geistigem mit Sinnlichem ermöglichen. Das Ergebnis war jedoch nicht selten Pathos und streifte bisweilen den Kitsch.

Hodler, ist das nicht der mit den seltsam entrückten und unnahbaren Figuren, die ihre Betrachter partout nicht anschauen wollen? Richtig, aber der 1853 in Bern geborene Künstler war auch ein Meister des Porträts und der Landschaftsmalerei, in der er bis an den Rand der Abstraktion vorstieß. Doch der Reihe nach.

In der Bonner Bundeskunsthalle wird Hodler zum "Maler der frühen Moderne" erklärt. Die Retrospektive mit 100 Gemälden und 40 Zeichnungen, die zum größten Teil aus der Schweiz stammen, mit Fotografien und einem Film über den Künstler als Mensch rückt zunächst den beschwerlichen Weg zum Erfolg in den Fokus. Angefangen hatte alles, wen wundert’s bei einem Schweizer Künstler, mit Bildern von Bergen und Seen. Die gerieten noch sehr konventionell und waren für den Verkauf an Touristen gedacht. Individuelle Züge erreichte Hodlers Schaffen vor allem nach einem Spanien-Aufenthalt. Seine Farbpalette hellte sich auf, der dunkle Hintergrund der Porträts verschwand zugunsten nun stärker hervortretender Körperlichkeit. Für die Landschaften wurden jetzt ungewöhnlichere Standpunkte und Ausschnitte gewählt. Man blickt dann etwa in einen undurchdringlichen Buchenwald oder auf eine einzelne Tanne. Erste Erfolge auf Wettbewerben stellten sich ein.

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Den Durchbruch schaffte der Maler aber vor allem in Deutschland, erzählt die Ausstellung. Hier kam sein neuer, monumentaler Stil gut an. Max Liebermann war begeistert, Kunstvereine präsentierten den Schweizer, und der Handel florierte – nicht zuletzt dank Hodlers Arbeitsweise. Er wiederholte beliebte Motive gleich in Serien. Das formal Charakteristische der bekannten Werke sind die starke Reduktion der Bildgestaltung sowie die klar konturierten Figuren, die mal einzeln, mal in Gruppen tänzerische Bewegungen vollführen oder versonnen ins Nirgendwo stieren. Andere wie etwa der "Holzfäller" oder auch der "Mäher" verrichten meist mit entschlossenem Blick harte Arbeit. Dass die Nazis an diesen Kraftmeiern Freude hatten, verschweigt die Schau.

Die berühmteste Arbeit des Schweizers, "Die Nacht", fehlt zwar in Bonn, dafür ist ein "Tag" aufgeboten. Mit Jugendstil-Anklängen werden hier drei nackte Grazien auf hellblauem Tuch gezeigt, die gerade eine Art von Erweckungserlebnis durchzumachen scheinen. Hodler kam es darauf an, in seiner Malerei den Einklang von Wahrheit, Schönheit und Natur sichtbar zu machen. Ein zentrales Werk wie "Die Lebensmüden", in dem fünf, mit weißen Umhängen bekleidete, versonnen starrende Männer nebeneinander sitzen, zeigt beispielhaft, dass dieser vermeintliche Einklang auch zu einer recht schwülstig aufgeladenen Liaison von Realismus und Symbolismus führen konnte.

Stolz ist man in Bonn darauf, dass Hodlers Monumentalbild aus der Aula der Uni in Jena ausgeliehen werden konnte. Zu sehen ist der "Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813". Typisch für Hodler ist die Parallelmontage, allerdings werden in diesem Fall nicht nur ähnliche Figuren, sondern auch verschiedene Handlungen nebeneinander gestellt. Kampfeswille spricht aus den Soldaten. Nachdem sich der Maler 1914 gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims durch deutsches Militär gestellt hatte, musste das Werk – so wie andere in den Museen – abgenommen werden.

Interessanter ist es, die Entwicklung von Hodlers Landschaftsmalerei zu verfolgen. Gegenüber den symbolistischen Bildern wirken die späten Landschaften wie von einem anderen Maler. Sie belegen die These von der Modernität des Künstlers. Wieder Berge, wieder Seen, aber nun als über- und nebeneinander gelegte Farbflächen. Ferdinand Hodler, der 1918 in Genf als gut situierter Künstler gestorben ist, hat seinen Landschaften alles Narrative ausgetrieben. Mancher wird angesichts dessen an die Farbfeldmalerei eines Mark Rothko denken.

Bundeskunsthalle Bonn, bis 28. Januar.

Weitere Infos unter      http://www.bundeskunsthalle.de

Autor: Ulrich Traub