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06. März 2010
Kopffüßler, Krieg und ein Schutzengel, der seine Flügel spreizt
"Begegnung. Regionale Schulkunst 2009–2010": Arbeiten aus dem Kunstunterricht aller Schularten sind im Rathaus in Emmendingen zu sehen.
Schon mal einem wild gepiercten Stamm aus dem Kongo begegnet? Oder einem Dutzend Außerirdischer in silbrigen Ganzkörperanzügen? Auf der regionalen Schulkunstausstellung im Rathaus Emmendingen trifft man geballt auf solch erstaunliche Gestalten: Ob aus Ton, Gips, Schrott oder Papier, ob gezeichnet, gedruckt, modelliert oder fotografiert – das diesjährige, vom Kultusministerium ausgegebene Thema "Begegnung" scheint wunderbar funktioniert zu haben.
Von der Grundschule bis zur Gewerbeschule, von der integrativen Waldorfschule bis zum Berufsgymnasium haben sich wieder Hunderte von Schülerinnen und Schülern aus 35 Schulen des Landkreises Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen unter der Anleitung ihrer Kunstlehrer beteiligt. Eine Fachjury wählte dann die originellsten Werke aus, wobei jede Schule letztendlich vertreten ist: Gleichberechtigt stehen so die kunterbunten Kopffüßler des Zweitklässlers neben der komplexen Fotografie des 21-jährigen Berufsschülers. Dabei ist die Ausstellung in Emmendingen nur eine von fast dreißig regionalen Schulkunstausstellungen, die bis Juli dieses Jahres in ganz Baden-Württemberg stattfinden. Die besten Arbeiten sind dann in der Landesausstellung im Staatlichen Schulamt in Stuttgart zu sehen.
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Seit über 25 Jahren will das Förderprogramm Schulkunst so den Kunstunterricht unterstützen, der dank Fächerverbünden und vollen Lehrplänen vielerorts an Bedeutung verloren hat. Gerade darum sind solche Werkschauen wichtig, schließlich beginnen sich die Zeichen der Zeit zum Positiven wandeln: "Die aktuelle Debatte um das Schulsystem hat die Öffentlichkeit sensibilisiert und schenkt damit auch der Schulkunst und den Ergebnissen des Kunstunterrichts wieder eine höhere Wertschätzung. Diese Ausstellung ist eine wunderbare Gelegenheit, die Wichtigkeit der Auseinandersetzung mit Ästhetik, Kunst und Künstlern zu demonstrieren", meint Christina Doerjer, Leiterin des regionalen Schulkunstteams.
Bei der Vernissage in Emmendingen herrschte dann auch drangvolle Enge. Die Vielfalt der auf drei Stockwerken ausgestellten Exponate ist erstaunlich und inspirierend: "Begegnung ist für mich Krieg", schreibt einer zu seinem Guckkasten, in dem zwei Pistolen in zerfetzter, blutroter Kulisse schweben. In den Kartons daneben sitzt eine Playmobil-Familie friedlich vor dem Fernseher oder ein Schutzengel spreizt seine Flügel. So unterschiedlich können Begegnungen sein! Neben der Vielfalt an Materialien und Techniken ist vor allem die facettenreiche Bearbeitung des Themas beeindruckend: Begegnungen, das sind eine Reihe ulkiger, grüner Ufo-Männchen ebenso wie die Collage "Pommes trifft Ketchup" oder der Druck "Orient trifft Okzident", bei dem viele unterschiedliche Druckmuster einen Teppich bilden. Zum Thema passt auch eine surreale Szene auf der Schultoilette in Negativfotografie oder ein moderner Totentanz, bei dem Starplakate mit bedrohlichen Skeletten bedruckt wurden. Vor allem aber bedeutet Begegnung immer wieder die Auseinandersetzung mit Identität und Selbstbild: So finden sich in der Ausstellung Porträts in allen Variationen, von der Radierung bis zur Gipsplastik oder Pappmaché-Kopf-Versammlung. Aber auch reale Begegnungen haben im Rahmen des Projektes stattgefunden: Künstler kamen als Kooperationspartner in die Schulen, Zehntklässler arbeiteten mit Grundschülern zusammen, es wurden Erfahrungen mit anderen Künsten wie Tanz oder Theater gemacht und dokumentiert.
"Die gestalterische und gedankliche Auseinandersetzung mit Kunst und der Umwelt auf der Basis von Toleranz und konstruktiver Kommunikation fördert wesentlich eine Bildung, die freie, handlungsfähige und gesellschaftsfähige Menschen zum Ziel hat" – liest man zum Thema Schulkunst auf der Homepage des Kultusministeriums. Ein Statement, das sich im Emmendinger Rathaus direkt nachvollziehen lässt.
– Rathaus Emmendingen, Landvogtei 10. Bis 10. April.. Mo, Di, Do, Fr 8–18 Uhr, Mi 8–16, Sa 10–13 Uhr.
Autor: Marion Klötzer
