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15. November 2017

Lichtspiel auf empfindlichem Material

Die Keramikkünstler Arnold Annen und Violette Fassbaender in der Weiler Galerie Underground.

  1. Hauchdünne Schalen aus weißem Porzellan zeigt der Schweizer Keramikkünstler Arnold Annen in der Weiler Galerie. Foto: Roswitha Frey

Weiß wie Schnee, hauchdünn und lichtdurchlässig sind die fragilen Gebilde, die der international bekannte Schweizer Keramikkünstler Arnold Annen in der Galerie Underground in Weil am Rhein-Haltingen zeigt. Die Installation der zarten, reinweißen Schalen aus Porzellan, die auf hohen Podesten aufgereiht sind, strahlt fast etwas Sakrales aus. In den Kellerräumen des "Frei Raums für Kunst" ist die Wirkung der Objekte und Plastiken überwältigend schön, geheimnisvoll und edel.

Der Basler Künstler, der mit seiner Partnerin Violette Fassbaender die Doppelschau "Weißes Gold" bestückt, geht in seinen Arbeiten bis an die Grenzen des Machbaren in diesem Material. Die ästhetische Schönheit der gefäßartigen Formen, das Spiel von Licht und Schatten, die Feinheit der Linien und Strukturen, die durch Lichteinfall sichtbar werden, machen diese Werke zu Solitären in der zeitgenössischen Keramikszene.

Ausgehend von der gleichbleibenden Grundform, zaubert der vielfach preisgekrönte Künstler immer neue, alternierende Oberflächenstrukturen. Mal sind es filigrane Linien und Rillen, mal winzige stachelige, reliefartig hervortretende Strukturen, mal kommen fließende Strukturen zum Vorschein. Etwas zu gestalten, das es so noch nicht gibt im Arbeiten mit Ton, das empfindliche Material bis ins Extrem auszuloten und auszureizen, treibt den innovativen und experimentierfreudigen Künstler in diesen gegossenen und gedrehten Schalen an. In seinem technisch diffizilen Arbeitsprozess verwendet er auch Gasbrenner, um feine Schichten und kleinste Stückchen abplatzen zu lassen.

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Sehr assoziativ sind die Formen in Annens Skulpturen, die ebenfalls schneeweiß sind und an organische Urwesen, Fossiles, an Einzeller oder Korallen erinnern. In diesen utopisch anmutenden Plastiken arbeitet der Basler mit spannenden Durchbrüchen, Löchern, Öffnungen, sich ausbuchtenden oder hornartigen Formen, die wiederum Lichteffekte und Schattenwürfe hervorrufen. Im speziellen Ambiente der Underground-Galerie entfalten diese rätselhaften Gebilde, die in der aufwändigen Herstellungsart und fantasievollen Formgestaltung einmalig sind in der Keramikkunst der Gegenwart, eine starke Faszinationskraft.

Einen separaten Raum im oberen Bereich der Galerie bespielt Violette Fassbaender mit ihren nicht minder ungewöhnlichen Objekten. Die Künstlerin, die wie Annen viele Jahre in Japan gearbeitet und gelebt hat, teilt mit ihm die Vorliebe für die Farbe Weiß. Ihre frei modellierten skulpturalen Objekte sind aus weißen Porzellanen und schwarzem Mangan-Ton geschaffen. Faszinierend sind die verschiedenen zarten Nuancen von Weiß und die feinen Schattierungen von Schwarz, die in diesen von Hand in Schichten und Platten aufgebauten Objekten auftauchen. Auffallend sind auch die Kontraste von scharfen Kanten, Flächen und amorphen Formen, von Glanz und matten Stellen.

Fassbaenders Werke leben von prägnanten Strukturen, der verdichteten Oberfläche mit ihren Verästelungen und rissigen Strukturen, die wie aufbrechende Erde aussehen. Beim Betrachten dieser in langem Arbeitsprozess entstehenden Objekte werden Assoziationen an Naturgebilde wach, an Berge, schroffe Felsen, an Steine, an Gebirge, an mäandernde Flüsse oder Magma. Ein reinweißes Objekt von Fassbaender, betitelt "Packeis", bildet ein wunderschönes Verbindungsstück zwischen den Ausstellungsebenen des Künstlerpaares. Sehr informativ und erhellend ist der Film, der Einblick gibt in den Arbeitsprozess dieser Meisterkeramiker.

Ausstellung: Galerie Underground, Weil am Rhein-Haltingen, Eimeldingerweg 14, bis 17. Dezember, Freitag und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Gesprächsabend am 27. November, 19.30 Uhr.

Autor: Roswitha Frey