Mit asiatischem Impuls

Hans-Dieter Fronz

Von Hans-Dieter Fronz

Fr, 14. Juli 2017

Ausstellungen

BZ-PORTRÄT: Die Keramikerin Beatrix Sturm-Kerstan aus Kandern / Derzeit Studienausstellung in Staufen.

Zur Begrüßung gibt’s lautes Hundebellen. Séranne empfängt jeden Besucher so, ist nach dem ersten Streicheln aber lieb. Noch als Welpen brachte Beatrix Sturm-Kerstan die Hündin – einen Border Collie – vor acht Jahren von einem Urlaub in Frankreich mit nach Kandern. So sehr die 60-jährige Keramikerin in Südbaden verwurzelt ist, so gern reist sie. Etwa 1990, als sie mit Horst Kerstan, ihrem späteren Mann, auf Studienfahrt in Japan war.

Der Name, natürlich: Kerstan; immer wieder wird sie auf ihren 2005 gestorbenen Gatten angesprochen. Man kennt den Keramiker, den das Freiburger Augustinermuseum 2015 mit einer großen Ausstellung ehrte, in ganz Baden. Bei ihm wollte Beatrix Sturm-Kerstan in die Lehre gehen. Weil nach dem Abitur aber gerade keine Lehrlingsstelle frei war, studierte sie an der PH ihrer Geburtsstadt Lörrach Kunst und Deutsch. Im Anschluss machte sie eine Töpferlehre bei Ika Schilbock in Freiburg. Um nach deren Abschluss 1989 schließlich doch noch als Gesellin bei Kerstan in die Schule zu gehen. 1994 heirateten die beiden.

Beatrix Sturm-Kerstan lebt und arbeitet in einem geräumigen, mit Efeu überwachsenen Gebäude am Stadtrand von Kandern. In den Dreißigerjahren hatte Richard Bampi, der berühmte Keramiker, es erbaut; Bampis Fußdrehscheibe ist neben zwei elektrisch angetriebenen Drehscheiben noch in der Werkstatt. Nach dem Tod seines Lehrers diente Horst Kerstan das Gebäude als Domizil und Werkstatt. Beatrix Sturm-Kerstan wiederum führte seine Werkstatt, nachdem er gestorben war, weiter. Mit den Ausstellungs- und Verkaufsräumen nimmt sie das gesamte Erdgeschoss ein. Die Wohnung befindet sich im ersten Stock.

"Bei Kerstan habe ich diesen asiatischen Impuls bekommen", sagt sie. Während ihr Mann vor allem von seinen Lehrlingen gedrehte Stücke glasierte, dreht Beatrix Sturm-Kerstan ihre für den Gebrauch geschaffenen Gefäße selbst: Becher, Teeschalen und Vasen, Dosen, Schüsseln und Platten. Sie verwendet dafür denselben Westerwälder Steinzeugton, den schon ihr Mann benutzte und den sie in der Werkstatt selber aufbereitet. Sechs bis sieben Wochen am Stück dreht sie Gefäße; eine weitere Woche benötigt sie für das Glasieren. Der Brand im Gasofen bei 1300 Grad dauert einen halben Tag. In diesem Rhythmus geht es für Beatrix Sturm-Kerstan durchs Jahr. Manchmal bietet sie ihre Gefäße auch auf Märkten als Ware feil.

Die fernöstliche Anmutung ihrer Keramiken kommt sowohl aus der Form wie der Glasur. Durch das Schneiden der Ränder der frei gedrehten Gefäße entsteht ein unregelmäßiges Gefäßkorpus, dessen lebendige Bewegtheit durch mit der Drehscheibe erzeugte Spurrillen auf der Gefäßoberfläche zusätzlich gesteigert wird. "Das bewusst Schräge und Asymmetrische ist für mich ein wichtiges Gestaltungsprinzip." Schon in Japan hatte sie diese Art des Drehens für sich entdeckt. Bis heute ist sie ihr treu geblieben. Beatrix Sturm-Kerstan bevorzugt für ihre Gefäße Seladonglasuren. Das Farbspektrum zwischen Grün und Blau ergibt sich aus der Einfärbung des Feldspats mit Oxyden wie Kupfer, Eisen, Chrom und Kobalt sowie bestimmten Erden; fast 15 solcher Stoffe setzt sie beim Glasieren ein. Im Reduktionsbrand erzeugen sie die spezifischen Farben und Farbtöne. Auch Rot, das so genannte Ochsenblut, oder bereits im alten China verwendete Glasuren wie Kaisergelb und Temnokuschwarz finden sich in ihrer Farbpalette. Daneben verwendet sie gern weiße, mit dem Pinsel farbig übermalte Glasuren.

In ihren Anfängen glasierte Beatrix Sturm-Kerstan ihre Gefäße einfarbig. Später ergänzte sie die flächig-monochrome Farbgebung um eine von der fernöstlichen Ästhetik inspirierte abstrakte Gla-surbemalung. Sie lässt manchmal an informelle Setzungen und bisweilen an kalligrafische östliche Schriftzeichen denken.

Keramikmuseum Staufen: Gefäße von Beatrix Sturm-Kerstan. Wettelbrunner Str. 3. Bis 20. August, Mi bis Sa 14–17 Uhr, So 12–17 Uhr.