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17. August 2009
Mit scharfem Blick für Brüche
Zeitgenössische Kunst aus Berlin von Vanessa von Heydebreck, Hyuna Kim, Franziska Klotz und Iva Vacheva im Showroom Freiburg.
Die Achse Freiburg – Berlin spielt in der Freiburger Kulturszene immer wieder eine Rolle. Durch persönliche Kontakte neu entstanden ist eine Kooperation zwischen der Musikschule Wiehrebahnhof und der Galerie Janine Bean in Berlin-Mitte. Das Resultat dieser Zusammenarbeit ist nun in einer ersten Ausstellung in den Räumen der Musikschule zu sehen. Werke von vier in Berlin lebenden jungen Künstlerinnen werden hier präsentiert – und ganz typisch: nicht eine der Damen ist gebürtige Berlinerin.
Franziska Klotz, deren Bilder aufgrund von Hängung und Format zuerst ins Auge springen, kommt aus Dresden. In Berlin studierte sie Bühnenbild und Malerei. Die Bulgarin Iva Vacheva studierte zunächst in Sofia, dann ab 2004 ebenfalls in Berlin. Vanessa von Heydebreck, in Montreal geboren, kam 2000 zum Studium nach Berlin, und die Südkoreanerin Hyuma Kim studierte nicht einmal in Berlin, sondern bei Karin Kneffel in Bremen.
Bei allen Exponaten steht die Figur im Zentrum, da liegen sie ganz im aktuellen Trend. Mit scharfem Blick für Brüche wählt Franziska Klotz ihre Sujets. Ein Schwarzwaldmädel schaut uns entgegen, aber was für eins! Verschlagen lugt die dralle Dorfschönheit unter ihrem mit fetten roten Bollen besetzten Hut hervor, der die Stirn des etwas schiefen Gesichts völlig verdeckt. Ein weit überlebensgroßer Schnappschuss, skizzenhaft angelegt und nicht ganz ausgeführt. Technisch fällt der Gegensatz zwischen gesprühtem Acryllack des Hintergrundes und dick gespachtelter Ölfarbe der Bollen auf dem Hut besonders auf. Das Bild ist ein einziger Bruch: ein Heimatmotiv, gemalt von einer Ortsfremden, die Schöne nicht schön, kein Stück Romantik, vermischte, nicht ganz zusammenpassende Techniken, und vom Hut tropft es…
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Fast noch schriller sind die "Himmelsfiguren" von Iva Vacheva, die allerdings mit dem kleineren Format und Goldglitzer gleichzeitig ein bisschen auf Kabinettbild machen – besonders der bis auf seinen ansehnlichen Bart extrem weiblich wirkende Bacchus. Aus welchem Himmel diese Gestalten heruntergefallen sein mögen, wissen die Götter. Ganz nachsichtig gibt Vacheva ihre zweideutige Figuren: verwirrtes Haar, ein Weinglas, ein Ballknebel? Eher als um Himmlisches geht es hier um Orgiastisches, Höllisches, und in der Tat rauscht eine der Figuren stürzend am Bildraum vorbei, wie aus einem der großen Höllenstürze entliehen.
Sehr viel stiller dagegen die Grisaillen von Hyuna Kim und die Aquarelle Vanessa von Heydebrecks. Eine traumhafte, nachdenkliche Note verbindet beide. Mit verspielten Elementen wie der herzförmigen Sonnenbrille oder den Hasenohren einer Figur amüsiert Vanessa von Heydebreck den Betrachter und irritiert ihn zugleich. Hyuna Kims Ölbilder dagegen sind befremdlich ernsthaft und erschütternd. Ihre Gestalten ruhen in oder auf dem Wasser, das in seinem dichten Grau gleichzeitig Bedrohung und schützender Halt zu sein scheint.
– Showroom, Musikschule Wiehrebahnhof, Türkenlouisstr. 20, Freiburg. Bis 26.September. Geöffnet während der Ferien auf Anfrage: Tel. 0761/120 94 15, danach Di–Sa 10–13 Uhr.
Autor: Ulrike Düwell
