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07. Februar 2012

Rennertz’ raumsprengende Wucht

Rüdiger Hurrles Museum für aktuelle Kunst zeigt gesägte Kunst von Karl Manfred Rennertz.

DURBACH. Museumschef Rüdiger Hurrle setzt im Museum für aktuelle Kunst in Durbach auf zügige Wechsel. Die ständige Sammlung wurde jetzt moderat umgebaut, damit seit Freitag drei Räume dem Künstler Karl Manfred Rennertz in der Reihe "Profile in der Kunst am Oberrhein" zur Verfügung stehen. Von Samstag dieser Woche an wird eine große Einzelschau das Werk von Dieter Krieg präsentieren und schließlich sind einige Wände des Museums weiterhin der ganz jungen aktuellen Kunst gewidmet.

Das Entree weist den Weg zu Rennertz, der kürzlich seinen 60. Geburtstag feiern konnte, was der äußere Anlass ist, ihm eine Ausstellung in der Profil-Reihe zu widmen. "Tulpenbaum" und das Doppel-Porträt "Schattenmann und Schattenfrau" sind mächtige Figuren, letztere annähernd drei Meter hoch aus einer Sumpfzypresse gesägt. Jedoch verleiht ihnen der Künstler mittels der Körperproportionen eine gedrungene Gestalt, so dass die Wirkung massiv erscheint. In der Champagne war das Paar 2002 entstanden. An gleichem Ort fertigte Rennertz ein Boot aus einem Tulpenbaum, fast wie ein Einbaum, außen vergoldet, innen feuergeschwärzt. So hatte es im Jahr 2002 brennend seine Kreise auf dem Wasser des Sees von Schloss Vaudremont gezogen.

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Die Ausstellung mit ihren 26 Werkstücken zeigt einen Querschnitt durch das Werk, deren Anfang eine rote sehr figürlich, fast glatt gearbeitete Frauenfigur von 1979 markiert. Sichtbar wird, wie Rennertz sich von der strengen Figürlichkeit immer mehr in Richtung Abstraktion entwickelt, der auf die Spitze gestellte Kegel wird zum Grundmuster, mit dem sich Gleichgewicht und Balance austarieren und die Grenzen des Funktionierens und Haltens erkunden lassen. Kleine Bronze- und Tonobjekte verdeutlichen das.

Drei gemalte Bildversionen weisen den Weg zur Übertragung auf den Holzstamm, auf dem der Baden-Badener Künstler die Form stets vorzeichnet. Der Stamm bietet zweierlei Möglichkeiten: die positive Form, das, was stehen bleibt und die negative, das, was weggenommen wird. Das ist eine grundsätzliche Thematik in der Bildhauerei. Beide Pole thematisiert Rennertz in seinen Arbeiten, wie in der "Mantelumhüllung", die einlädt, sich in den Hohlraum zu stellen, sich vom Baum umfangen zu lassen.

Einige Arbeiten waren vor nicht allzu langer Zeit bereits in der Ortenau zu sehen, wie etwa die große schwarze Maske, die in den Museumsräumlichkeiten raumbeherrschend bedrohlicher, mächtiger, wirkt als im Außengelände. Archaisch anmutende Köpfe, die menschliche Figur sind Rennertz’ Hauptthema.

Neueste Arbeiten von 2009 verwenden geschichteten Tonschiefer, der als Nebenprodukt bei der Steinkohleförderung zu Tage kommt. Entstanden sind unregelmäßig geformte Köpfe. Sie zeugen von Tätigkeit im Ruhrgebiet. Im ostwestfälisch-lippischen Detmold hat Rennertz eine Professur für Plastisches Gestalten.

Museum für aktuelle Kunst, Sammlung Hurrle, Almstraße 49, 77770 Durbach. Tel. 0781 – 93201403, Mi – Fr 14-18 Uhr, Sa, So u. Feiertage 11-18 Uhr. Bis 22. April. http://www.museum-hurrle.de

Autor: rwb