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10. Januar 2011
Verschweben im Nebel
Fotografien von Ari Nahor im Freiburger Diakoniekrankenhaus.
Blumen und Rebstöcke, Landschaften und Krähen im Flug, alte Gerätschaften und Gefäße aus vergangenen Zeiten – Motive wie diese wählt Ari Nahor für seine Fotografien. So unspektakulär die Sujets, so ungewöhnlich sind die Aufnahmen selbst. Verschiedene Werkgruppen des Fotokünstlers aus Breisach zeigt jetzt eine Ausstellung im Evangelischen Diakoniekrankenhaus in Freiburg.
Ari Nahor ist ausgebildeter Maler und Lithograf. Vor zwanzig Jahren begann er, in seine Lithografien fotografische Elemente zu integrieren; irgendwann wandte er sich ganz der Fotografie zu. Die Serie "Blumen" zu Beginn des Parcours aber mutet wie eine Reminiszenz an seine Anfänge als Maler an. Derart unscharf sind die Motive, dass sie sich mitunter allenfalls erahnen lassen: Kein Pflanzenbestimmungsbuch der Welt führt Spezies gleich diesen. Im nebelartigen Verschweben der Sujets erinnern die Aufnahmen an impressionistische Farbschöpfungen – nur dass dies ein Impressionismus der avancierteren Art ist: Manche Lichtbilder entfernen sich so weit vom Motiv, dass sie mehr an lyrische Abstraktionen gemahnen. Die Oberflächenstruktur des Büttenpapiers als Bildträger tut ein Übriges, gibt den Aufnahmen die Anmutung von Aquarellen.
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Wie gemalt wirken auch Arbeiten der Serie "ColorLetter" und eine Gruppe von Aufnahmen mit Rebstock-Motiven. Erstere zeigen bildfüllend und in starker Vergrößerung knittrig-zerknüllte Blätter Papier mit Schriftzeichen, fremden oder vertrauten; die monochrom farbige Bemalung der Blätter bewirkt einen starken Verfremdungseffekt. Der ist bei den Aufnahmen mit Rebstock-Sujet, auch in der Serie "Krähenflug" darin gegeben, dass das aus seiner Umgebung herausgehobene und isolierte Motiv zum ausschließlichen Bildelement avanciert: Die Rebstöcke überziehen in ihrer knorrigen Gestalt eine weiße Leinwand. Auf manchen Aufnahmen verschwimmt die Oberflächenstruktur des Holzes in der räumlichen Distanz zum Motiv zu einheitlichem Braun.
Andere Arbeiten rücken näher an die Pflanze heran. Indem sie die bewegte Feinstruktur des Holzes aufzeichnen, geben sie sich als Fotografien zu erkennen. In spiegelbildlichen Paaren appliziert Nahor dem gespiegelten Rebstock digital jeweils zartgrüne junge Triebe: Was so schwarz-erstorben anmutet, birgt Leben!
Eine grafische Note haben dann Arbeiten der Serie "Bewegtes Land" – eine Hommage an den Zeichner Heinrich Mutter. Das Lineament der filigranen Verästelungen winterkahler Bäume kombiniert Nahor mit blau-bewölktem Himmel oder der Lineatur eines Hochspannungsmastes. Grafisch mutet schließlich auch eine Serie an, die in mikroskopischer Annäherung an die Rinde der Alaska-Birken, die am Kaiserstuhl wachsen, die Oberflächenstruktur scannt. Man fühlt sich bei diesen Aufnahmen an abstrakte grafische Kompositionen oder aber skripturale Bildungen erinnert.
– Diakoniekrankenhaus,Wirthstraße 11, Freiburg. Bis 15. April.
Autor: Hans-Dieter Fronz
