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21. Juli 2008 17:32 Uhr

Mieträder in Frankreich

Drahtesel sind nicht überall der Renner

Während Paris den Erfolg seiner Mietfahrräder feiert, fasst das Leihsystem in Mulhouse schwer Tritt. Es soll den Anteil der Radler im Verkehr erhöhen. In Straßburg diskutiert, ob man solch einen Service überhaupt braucht. Das wird in Freiburg klar mit Nein beantwortet.

  1. Foto: dpa

STRASSBURG. Während Paris den Erfolg seiner beliebten Mietfahrräder feiert, fasst das Leihsystem in Mulhouse schwer Tritt. Es soll den Anteil der Radler im Stadtverkehr erhöhen. In Straßburg diskutiert, ob man solch einen Service überhaupt braucht. Das wird in Freiburg klar mit Nein beantwortet – anders als in Stuttgart, das auf den Miet-Drahtesel mit Hilfsmotor gekommen ist.

In Paris haben es die schweren, grauen Mieträder namens "Vélib" binnen eines Jahres geschafft, dass Radeln in der Hauptstadt plötzlich "chic" ist. Da tut sich Mulhouse deutlich schwerer. Vergangenen September hat die Stadt 200 Räder für ihr Projekt "Vélocité" (Fahrradstadt) angeschafft, doch in der kalten Jahreszeit wurden sie kaum benutzt. "Wir hätten später starten sollen", sagt Denis Rambaud, im Rathaus zuständig für Mobilität. Zudem waren die 20 Stationen, an denen man ein Rad für eine halbe Stunde leihen und wieder abgeben kann, um von A nach B zu kommen, alle im Zentrum konzentriert. Seit die Stadt vor einem Monat Stationen und Räder aufstockte, seien die 15 Euro teuren Jahresabos um 45 Prozent gestiegen – auf 300. In Mulhouse, das als Frankreichs Autohauptstadt gilt und dessen Politiker vor zehn Jahren das Rad entdeckten, radelten Rambaud zufolge lange nur die, die sich kein Auto leisten können. Beim Mentalitätswandel soll auch die neue Straßenbahn geholfen haben.

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Straßburg und Freiburg haben genug Radfahrer

In Straßburg ist Radfahren schon seit fast 30 Jahren ein Thema. Die Stadt, die mit ihren 130 000 privaten Rädern und 500 Kilometern Radwegen geradezu prahlt, lag im Wettbewerb um die fahrradfreundlichste Stadt vorn bis Paris zum Überholen ansetzte. Straßburgs Oberbürgermeister Roland Ries hat vor seiner Wahl versprochen, ein SB-Ausleihsystem einzuführen. 71 Prozent der Einwohner sind sei dafür, ergab eine Umfrage. Doch die Stadtverwaltung lehnt das System von Paris und Mulhouse ab. Diese überlassen der Firma, die die Räder verleiht, Werbefläche in der Stadt. Dieser Deal ist Straßburg zu teuer: Es würde 3000 Euro pro Jahr und Rad kosten, hat die Stadtverwaltung berechnet. Das System der Deutschen Bahn, bei dem man in großen Städten per Handy ein Rad mieten kann, wurde als anarchisch bezeichnet. Die Frage ist, ob die Stadt so etwas tatsächlich braucht. Trotz des Vélib-Erfolgs bleibt in Paris der Räderanteil kleiner als drei Prozent; in Mulhouse sind es sieben, in Straßburgs Innenstadt waren es schon in den 90er Jahren 27 Prozent. In Freiburg liegt der Anteil knapp drüber. Und es gebe genug Möglichkeiten, Fahrräder zu mieten, heißt es im Rathaus. Um den Anteil zu halten oder auszubauen, setzt die Stadt auf Verbesserung der Radinfrastruktur und der Verkehrssicherheit.

Das Feinstaub geplagte Stuttgart will den Radanteil im Stadtverkehr von sieben auf 20 Prozent erhöhen. Dazu will die Stadt im Herbst einen großen Feldversuch mit "Pedelecs" starten – Fahrrädern mit Motor. Der soll selbst Radmuffeln in der hügeligen Stadt in den Sattel helfen.

Von BZ-Mitarbeiterin Aude Gambet