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07. Mai 2011

Haben, was andere nicht haben

Old- und Youngtimer sind Sympathieträger und erfreuen sich wachsenden Zuspruchs / Was zählt.

  1. Ein seltenes Schmuckstück: ein Glas 1700 GT Cabrio von 1967. Nur 122 Exemplare entstanden von dieser Version. Für 75000 Euro bietet Kleißler ihn an – geradezu ein Schnäppchen, meint er, wenn man die hohen Kosten für die fünfjährige Restaurierung bedenke. Foto: volker huber

Erfahrung, Ehrfahrung und nochmals Erfahrung – das betont Reinhard Kleißler immer wieder, wenn er von dem Kapital spricht, mit dem er seinen Autohandel betreibt. Mit dem hat er sich in Gundelfingen auf überwiegend hochpreisige Classic Cars – mit dem Schwerpunkt BMW – und Sportwagen spezialisiert.

Old- und Youngtimer sind ein besonderer – und wachsender – Markt im automobilen Geschäft, womit Fahrzeuge gemeint sind, die mindestens 30 beziehungsweise 20 Jahre alt sind. Von einer "Lawine" gar spricht Kleißler, die immer mehr Menschen erfasse. Vor 20 Jahren habe sich dieser Trend gezeigt, und in den vergangenen zwei bis drei Jahren zu einem Boom entwickelt. Zeichen dieser Entwicklung seien etwa die Popularität von Oldtimer-Messen wie der Techno Classica als der weltgrößten in Essen oder der Retro Classics in Stuttgart.

Tatsächlich fungieren historische Fahrzeuge allenthalben als Sympathieträger: Bei Ausfahrten und Rallyes oder Veranstaltungen wie der Freiburg Schauinsland-Klassik ziehen sie ein breites Publikum an. Darüber hinaus hat sich ein ganzes Geflecht von Oldtimerclubs gebildet. Aber auch bei verkaufsoffenen Sonntagen, wie etwa morgen in Waldkirch, setzen die Veranstalter gerne auf die Anziehungskraft der Oldies.

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Warum ist das so, was führt die Menschen zum Oldie? Für Kleißler spielt die Emotion eine tragende Rolle, die Identifikation mit Autos, die man selbst aus jüngeren, prägenden Jahren kennt und erlebt hat. Bei ihnen sei Autofahren noch eine elementare Erfahrung, nicht durch Elektronik und Technik abgeschottet, wie das bei modernen Autos der Fall sei.

Was sollten Kaufinteressenten bei einem Oldtimer beachten? Für den Händler Kleißler ist der Kauf beim Händler naheliegenderweise die bessere Alternative als von privat. Hier könne man auf die Gewährleistungshaftung bauen, außerdem auf Erfahrung und Sachverstand. Außerdem habe der Händler einen Ruf zu verlieren, während der Privatmann in der Regel nur ein Fahrzeug anbiete – nach dem Verkauf sei das Geschäft ein für allemal abgeschlossen. Auch das Internet sei als Verkaufsmedium kaum geeignet: Es könne helfen, geeignete Quellen zu finden, ein fundiertes Urteil über das Objekt der Begierde lasse es ohne intensiven persönlichen Einsatz aber nicht zu.

Und nun die Preisfrage: Woran soll sich der Kunde hier orientieren? An der Historie und am Zustand, meint Kleißler. Ein allgemeingültiges Preisniveau sei illusorisch, schon Details könnten enorme Unterschiede bewirken. Etwa durch die Farbkombination: Bei einem BMW Z1 könnte diese leicht einen Differenz von 10 000 Euro, bei einem Z8 von 20 000 Euro ausmachen. Historie und Zustand sind auch die Kriterien für das Wertsteigerungspotenzial, wobei Kleißler bei qualitativ hochwertigen Fahrzeugen generell eine positive Prognose wagt. Darüber hinaus seien Wertsteigerungen modell-, typ- und farbabhängig, Verfügbarkeit und Stückzahlen spielten eine wichtige Rolle.

Und was bevorzugt der Oldie-Enthusiast? Cabrio, Coupé dann Limousine, meint Kleißler. Allerdings gebe es einen kleinen Trend zur Limousine, denn diese hätten früher nach ihrem Arbeitsleben meist auf dem Schrottplatz ihr Ende gefunden und seien entsprechend selten. Und besitzen, was andere nicht haben: das ist das prickelnde Gefühl, das die Freunde historischer Autos verbindet.

Autor: hu