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26. Juli 2008

Vorsicht vor fiesen Tricks

Mit provozierten Unfällen kassieren Betrüger viel Geld / Drei typische Maschen sind bekannt

Zahlreiche Verkehrsunfälle werden jedes Jahr in Deutschland bewusst herbeigeführt. Und zwar so, dass der eigentliche Täter später das unschuldige Opfer ist. Das eigentliche Opfer bleibt bei unentdecktem Betrug unter Umständen auf den Kosten für die Reparatur des eigenen Autos sitzen oder muss mit einer Zurückstufung beim Schadensfreiheitsrabatt rechnen. Bei den provozierten Unfällen gibt es laut den Deutschen Versicherern (GDV) drei typische Maschen.

Bei der ersten Vorgehensweise nutzen die Täter schwierige Verkehrsführungen, die ihnen persönlich bestens bekannt sind. An diesen Stellen fahren die Täter so lange durch die Gegend, bis sie einen ortsunkundigen Fahrer vor sich haben und erzwingen in der Regel beim Spurwechsel einen Streifschaden. Oftmals haben die Täter vorher noch mit freundlichen Handzeichen zum Wechseln der Fahrbahn aufgefordert. Der zweite Trick ist der sogenannte Ampeltrick. Dabei provoziert der Täter einen Auffahrunfall, indem er bei einer Ampel, die von Gelb auf Rot schaltet, im letzten Moment abrupt bremst. Bei der Kreuzungsmasche hingegen warten die Täter, oftmals versteckt hinter Hecken gezielt auf ein Fahrzeug, um im letzten Moment in die Kreuzung einzufahren.

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"Die Beweislage spricht meist ganz eindeutig für die eigentlichen Täter und gegen das tatsächliche Opfer", warnte Ralf König, Betrugsabwehrexperte der Wuppertaler Polizei. Doch es gebe Indizien, die die Polizei und die Versicherer aufhorchen lassen. In der Regel reiche es schon, wenn der Autofahrer in seiner Schadendarstellung ganz deutlich mache, dass er das Gefühl habe, reingelegt worden zu sein. "Nur dann können wir uns die näheren Umstände des Unfalls noch einmal genau anschauen", sagt König. Ganz wichtig sei es, sofort von der Unfallsituation und vom Unfallfahrzeug des Gegners Fotos zu machen. Oft handele es sich bei dem Fahrzeug des Unfallverursachers um ein notdürftig geflicktes Fahrzeug, das bereits für eine ganze Reihe von Unfällen benutzt worden ist. Leider seien freiwillige Zeugen häufig keine Hilfe für die betrogenen Autofahrer. Diese Zeugen könnten mit dem Täter unter einer Decke stecken.

Ein Indiz für einen provozierten Unfall ist, wenn die vermeintlichen Opfer sehr routiniert auftreten. Trotzdem sollten Autofahrer nicht in Panik verfallen und bei jedem Unfall Betrug vermuten. Sinnvoller ist es, den Ablauf des Unfalls in aller Ruhe zu rekapitulieren. Problematisch bleibt aber, dass Versicherer scheinbar erst tätig werden, wenn der Schaden einen größeren Umfang hat. Bei kleinen Schäden wird nach Einschätzung von Betroffenen schnell gezahlt.

Nach Einschätzung von Polizeiexperte König ist ein großes Problem bei der Betrugsaufdeckung, dass es noch immer keine zentrale Erfassung gibt. Das sei datenschutzrechtlich verboten. Nur wenn die Täter öfter auffällig würden, könnte es sein, dass sie oder das Fahrzeug in der Betrugsdatei der Versicherer auftauchten.

In der Regel kassieren die Täter die Reparaturkosten auf Basis eines Kostenvoranschlages oder eines Sachverständigengutachtens. Die Tatfahrzeuge würden dann nach dem Unfall notdürftig in einer Hinterhofwerkstatt für den nächsten Crash fit gemacht. Rund 1,5 Milliarden Euro Schaden würden den Versicherern jährlich dadurch entstehen.

Autor: Uwe Schmidt-Kasparek (mid)