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24. August 2015 12:33 Uhr

Gefahrgut

Edelgas entweicht aus einem Kesselwagen: Großeinsatz an der Rheintalbahn bei Rheinweiler

Ein Dampfaustritt aus einem bei Rheinweiler abgestellten Güterzug löste am Sonntagabend einen Großeinsatz aus. Am Ende gab es Entwarnung, doch zwischenzeitlich war die Verwirrung groß – was genau befand sich in dem Zug?

  1. Ein Großaufgebot an Rettungskräften war vor Ort. In Rheinweiler wurden vorsichtshalber vier Häuser evakuiert. Foto: Jutta Schütz

Ein Gefahrgutalarm an der Rheintalbahn hat am Sonntagabend in Rheinweiler und Umgebung für einen größeren Einsatz von Rettungskräften gesorgt. Um kurz vor 20 Uhr gab es Sirenenalarm in Bad Bellingen. Zufahrten nach Rheinweiler wurden weitgehend abgeriegelt.

Ein Großaufgebot verschiedener Feuerwehren aus zwei Landkreisen war vor Ort. Dazu Polizei und DRK. Der Lokführer eines Regionalexpresszuges hatte gemeldet, dass aus dem Kesselwagen eines bei Rheinweiler abgestellten Güterzuges Dampf entwich.

Alarmiert wurden die Feuerwehren Bad Bellingen, Schliengen, Müllheim, Malsburg-Marzell, Kandern und Lörrach, sowie das DRK, die Landespolizei, Bundespolizei und die Deutsche Bahn. Die Bewohner im Rheinweiler, die direkt am betroffenen Bahnabschnitt wohnen, wurden aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten. Die Bewohner von vier Häusern im Huxmattenweg, auf deren Höhe der Güterzug abgestellt war, evakuierten diese freiwillig und zogen für die Nacht um.

Aus dem Kesselwagen entwich das Edelgas Argon, das – außer in geschlossenen Räumen, wo es bei Freisetzung Sauerstoff verdrängt – eigentlich nicht sehr gefährlich ist – "allerdings muss der Transport stark gekühlt erfolgen", berichtete Einsatzleiter Raphael Schmidt von der Bundespolizei. Der Siedepunkt von Argon liegt bei minus 185 Grad Celsius.

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Im beanstandeten Kesselwaggon wurde zunächst ein Druckanstieg beobachtet, deshalb wurde auch der Gefahrgutzug Müllheim sowie das Notfallmanagement der Deutschen Bahn verständigt. Unklar war zum einen, aus wie vielen Druckkammern der Kesselwagen bestand und ob alle Kammern von einem Druckanstieg betroffen waren. Zwei Kammern zeigten zwei Bar, eine weitere aber 79 Bar auf dem Manometer an.

Unklar war auch, was noch auf dem Güterzug in den Kesselwagen transportiert wurde. Papiere, mit denen sich die Gefahrengüter auf dem Zug hätten feststellen lassen, waren zunächst nicht auffindbar, berichtete Marvin Engel von der Landespolizei. Eine Berstgefahr des Kessels war nicht auszuschließen, deshalb – und wegen der Unklarheit darüber, was sich sonst auf dem Zug befindet – wurden gleich mehrere Feuerwehren und die Landespolizei informiert.

Die Zugstrecke auf der alten Rheintalbahn wurde unterbrochen. Züge, die sonst auf der Rheintalstrecke unterwegs sind, wurden durch den Katzenbergtunnel umgeleitet.

Bürgermeister Christoph Hoffmann war vor Ort. Er kritisierte das Notfallmanagement der Eisenbahnverkehrsunternehmen. "Auch auf Nachfrage der Feuerwehren weiß kein Mensch, was genau auf diesem Zug transportiert wird", zeigte sich Hoffmann betroffen. Die Suche nach einem Lokführer, der den Zug aus dem Gefahrenbereich des Ortes hinausfahren könnte, dauerte bis gegen 23 Uhr. Auskünfte der Bahn auf Anfragen der Retter kämen spärlich, kritisierte Hoffmann.

Warum der Güterzug am Wochenende im Ortsbereich von Rheinweiler abgestellt wurde, sei ebenfalls unklar. "Ich werde mich künftig dafür einsetzen, dass im Bereich der Bad Bellinger Gemarkung am Wochenende keine Güterwagen mehr geparkt werden" erklärte ein vom spärlichen Informationsfluss der Bahn sichtlich genervter Bürgermeister.

Aus Basel wurde schließlich ein Gefahrgutspezialist angefordert. Dieser traf nach 23 Uhr ein. Damit war ein TUIS-Einsatz (TUIS steht für Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem), also ein Einsatz der Spezialisten der Berufsfeuerwehren aus dem Bereich der chemischen Industrie, gegeben.



Schließlich entschieden die Verantwortlichen, den Zug nach Basel in den Badischen Rangierbahnhof zu bringen. Am Montagmorgen gab es dann endgültige Entwarnung. Eine Gefahr für die Bevölkerung habe zu keinem Zeitpunkt bestanden, hieß es vonseiten der Polizei in Lörrach.

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Autor: Jutta Schütz