Ein "ortsgebundenes Heilmittel"

Jutta Schütz

Von Jutta Schütz

Mo, 10. September 2018

Bad Bellingen

55. Traubenkur in Bad Bellingen / Trauben als Schönheitsmittelzusatz aber auch als Hilfsmittel bei Verletzungen.

BAD BELLINGEN. Vor 55 Jahren wurde, damals durch den Mediziner Dieter Hoffmann, dem Kur- und Badearzt, die erste Traubenkur in Bad Bellingen eingeführt. Dabei trug die Gemeinde damals noch gar nicht den werbewirksamen Titel "Bad". "50 Jahre Bad können wir im kommenden Jahr 2019 feiern – dazu werden wir uns auch noch etwas einfallen lassen", versprach Bürgermeister Carsten Vogelpohl rund 70 Gästen, die zur Traubenkureröffnung zum kleinen Weinberg vor dem Kurhaus gekommen waren.

Die Badische Weinprinzessin Hannah Herrmann sowie Beautyexpertin und Kosmetikerin Marija Maretic waren mit von der Partie. Maretic stellte dem Publikum die Vorzüge eisgekühlter ausgepresster Trauben als Schönheitsmittelzusatz aber auch als Hilfsmittel bei Schwellungen und anderen Verletzungen vor. Ausgepresste Trauben könne man auch selbst kühlen und etwas davon in gute Cremes einrühren. Das tue jedem Hauttyp gut, egal ob hell- oder dunkelhäutig, sagte Maretic. Herrmann brachte dem Publikum die Rebsorte Gutedel aber auch Fakten zum Weinbau näher und hielt zudem fest. "Das schönste Vergrößerungsglas ist das Weinglas – man durchschaut, was man trinkt und sieht auch noch das Land, woher der Inhalt kommt", sagte sie. Die Weinprinzessin schilderte, dass man beim Weintrinken quasi "die Energie des Bodens nutzt, indem man dessen Früchte konsumiert". Bürgermeister Vogelpohl hatte sich in die wichtigsten Besonderheiten der Traubenkur eingelesen. Diese wirke entschlackend und reinigend, betonte er. 2,5 Kilo pro Person am Tag habe Hoffmann damals vorgeschlagen. Würden auch nur 1000 der rund 4200 Bellinger Bürger diese Menge jeden Tag während der Dauer einer Gutedelkur konsumieren, dann würden einige Tonnen zusammenkommen, stellte er unter dem Gelächter der Anwesenden fest. Die Traubenkur jedenfalls sei dank Hoffmann und dank seines Vorgängers im Amt, Eberhard Stotz, zu einem "ortsgebundenen Heilmittel" geworden. "Sie sind damals durch die Republik gereist, um für unseren Ort, das Thermalbad, das Kurangebot und für diese besondere Traubenkur zu werben", bedankte er sich in Richtung Stotz, der unter den Gästen saß.

Musikalisch unterhalten wurden die Gäste von den Dorfmusikanten aus Schliengen, während sie sich die Gutedel-Kosmetikprodukte von Marija Maretic erklären ließen, neuen Wein probierten, der durch Herrmann und Sara Gempp, die als Repräsentantin der Bade- und Kurverwaltung vor Ort war, gereicht wurde und Trauben verkosteten.