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17. August 2011

"Es war eine starke Aktion"

BZ-INTERVIEWmit Joachim Hugenschmidt über eine Feuerwehr-Nachhilfestunde im Marienheim.

  1. Joachim Hugenschmidt Foto: Privat

  2. Keine Angst vor dem Mann mit der Maske: Atemschutzträger im Einsatz Foto: Seller/Privat

  3. Keine Angst vor dem Mann mit der Maske: Atemschutzträger im Einsatz Foto: Seller/Privat

BAD BELLINGEN. Nicht verstecken, sondern laut rufen und winken: Joachim Hugenschmidt, Torben Kramer und Jannik Hugenschmidt von der Bad Bellinger Feuerwehr haben kürzlich einen Nachhilfekurs gegeben, wie man sich bei einem Brand richtig verhält – im Bamlacher Marienheim, einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung. Patrik Müller sprach mit Joachim Hugenschmidt.

BZ: Herr Hugenschmidt, was ist denn der größte Unterschied zwischen Heim und Haus, feuerwehrtechnisch betrachtet?
Hugenschmidt: Das Gebäude ist mehr oder weniger gleich, die Leute sind anders. Manche Menschen mit geistiger Behinderung verstecken sich eher mal, wenn es überall qualmt und ein Mann mit Atemschutzmaske durchs Haus läuft. Etwas Ähnliches habe ich mal im Kindergarten erlebt: Meine eigene Tochter ist weinend vor mir weggerannt, als ich in voller Atemschutzmontur kam.

BZ: Wie kam es zu dieser Idee?
Hugenschmidt: Meine Tochter hat im Bamlacher Marienheim ein längeres Praktikum gemacht. Ich war öfter mal zu Besuch und habe eine Beziehung zu den Menschen dort aufgebaut. Ein paar davon sehe ich öfter mal auf der Straße, einen treffe ich ab und zu mal in den Reben. Die wissen, dass ich bei der Feuerwehr bin; es war also keine so große Überraschung, als ich dann mit zwei Kollegen im Feuerwehrauto gekommen bin.

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BZ: Wie sind Sie vorgegangen?
Hugenschmidt: Wir haben uns erst einmal vorgestellt, so richtig mit Shakehands, damit jeder weiß: Da stehen Joachim, Torben und Jannik. Ich habe die Bewohner gefragt, wer alles schon mal bei einem Lagerfeuer dabei war, wie es war, wenn man zu nahe am Rauch ist? Man muss husten, hat dann jemand gesagt. Und schon hatten wir eine Grundlage.
BZ: Was haben Sie und Ihre Kollegen denn so alles erklärt?
Hugenschmidt: Dass man sich auf keinen Fall verstecken soll. Wenn es geht, soll man das Haus verlassen, wenn nicht, soll man sich ans Fenster stellen und sich bemerkbar machen, dass wir die Leute sehen und rausholen können. Dann ging es darum, die Bewohner an unsere Atemschutzausrüstung zu gewöhnen. Torben hat sich diese angezogen, Stück für Stück, damit die Leute sehen, das ist immer noch der Torben. Er hat mit ihnen geredet, damit sie hören, dass man sich mit Maske einfach anders klingt.

BZ: Wie kam Ihre Aktion denn bei den Bewohnern an?
Hugenschmidt: Es gab einige im Haus, die wollten nicht mitmachen. 13 Bewohner haben mitgemacht. Einige von denen waren zuerst sehr zurückhaltend. Dann hat sich irgendwann die Erste eine Atemschutzmaske über den Kopf gezogen – auf einmal wollten dann alle. Meine Kollegen und ich haben uns hinterher angeguckt und gefreut, weil wir sahen, dass das Eis gebrochen war. Unser Besuch, das haben wir hinterher von einer Pflegerin erfahren, war auch beim Abendessen danach und beim Frühstück das Thema. Es war definitiv eine starke Aktion.

Autor: pam