Kurgarten

Archäologische Funde im Baugebiet – vier Monate Verzögerung

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Di, 15. Januar 2013 um 16:03 Uhr

Bad Krozingen

Unter einem Baugebiet in Bad Krozingen könnten archäologische Schätze schlummern. Deshalb nehmen nun Wissenschafter das 15 Hektar große Areal unter die Lupe – vier Monate lang.

Da, wo einmal bis zu 1000 Menschen leben sollen – im neuen Bad Krozinger Baugebiet Kurgarten – haben sich schon unsere Vorfahren wohl gefühlt. So wohl, dass nun die Denkmalpfleger vom Regierungspräsidium das ganze, rund 15 Hektar große Areal genauer unter die Lupe nehmen wollen. Was im Technischen Ausschuss des Gemeinderates am Montagabend nicht auf uneingeschränkte Begeisterung stieß. Dennoch: Vier Monate lang sollen Bagger im Auftrag der Archäologen auf dem Gelände von Kurgarten I unterwegs sein.

Von den bisherigen archäologischen Funden war man in Stadtverwaltung und Gemeinderat durchaus erbaut – zumal es schien, als hätten sich die Zeitgenossen Ötzis und die Römer bestens mit den heutigen Planern des Baugebiets Kurgarten abgestimmt. Überreste eines neolithischen Kammergrabs, Feuerstellen aus der Hallstadtzeit und vor allem ein römisches Landgut kamen just da zum Vorschein, wo keine Baugrundstücke ausgewiesen werden sollen.

Bedeutende Entdeckungen für die Wissenschaft

Doch nun eröffnete Wolfgang Löhlein vom Referat Denkmalpflege des Regierungspräsidiums Freiburg den Gemeinderäten, dass das noch nicht alles gewesen ist. Bei den derzeit noch laufenden Erschließungsarbeiten wurden weitere interessante archäologische Funde gemacht, unter anderem ein römischer Brunnen, Überreste eines weiteren Gebäudes aus der Römerzeit sowie eine Abfallgrube aus der Eisenzeit. Die Entdeckungen wurden bis zu 300 Meter entfernt von den bisherigen Funden gemacht, was, so Löhlein, etwa bei den römischen Überresten die Frage aufwerfe, ob es sich insgesamt um eine sehr große oder um zwei verschiedene Anlagen handelt.

Ganz generell bestätigen die Funde einmal mehr, was Archäologen schon länger wissen: Dass es sich bei der Gegend um Bad Krozingen um einen sehr dicht besiedelten Raum handelt – "und zwar über alle Zeiten hinweg", stellte Löhlein fest. Hinzu komme, dass es sich schon bei den bisherigen Funden um für die Wissenschaft bedeutende Entdeckungen handele. So sei etwa sei das neolithische Kammergrab "singulär" in der Oberrhein-Region und auch die "Villa rustica", das römische Landgut, das im Sommer von Archäologen der Universität Freiburg genauer unter die Lupe genommen wurde, könne neue Erkenntnisse für die Altertumswissenschaften beitragen.

"Diese Funde sind ein Mehrwert für Bad Krozingen. Wir sollten nicht die Fehler wiederholen, die am Römerbrunnen gemacht wurden." Martin Cammerer
Aus dieser Perspektive ist es verständlich, wenn nun auch auf dem restlichen Gelände des Baugebiets Kurgarten mit einer gewissen Vorsicht vorgegangen werden soll – womöglich sind noch weitere Schätze aus grauer Vorzeit dort verborgen. FDP-Rat Martin Cammerer erklärte denn auch: "Diese Funde sind ein Mehrwert für Bad Krozingen. Wir sollten nicht die Fehler wiederholen, die am Römerbrunnen gemacht wurden." Dort, nahe des südlichen Ortsausgangs, hatte man sich seinerzeit bei Neubaumaßnahmen nur wenig um den Nachlass unserer Vorfahren gekümmert. Der Vorschlag aus dem RP für den Kurgarten lautet nun: "Das Areal sollte flächig prospektiert werden", so Löhlein. Will heißen: Über das gesamte Planungsgebiet werden sogenannte Baggernschnitte gelegt – mit diesen Furchen soll der Untergrund systematisch nach archäologischen Überresten abgesucht werden.

Eine Maßnahme, die nicht nur Cammerer, sondern auch den übrigen Ratskollegen dann doch Bauchschmerzen bereitet. Zum einen soll sich die Stadt Bad Krozingen mit 50.000 Euro an diesen Grabungen beteiligen. Noch schwerer aber wiegen die zeitlichen Kosten. Auf vier Monate reine Arbeitszeit veranschlagt Löhlein die Prospektion – Verzögerungen, etwa durch Frost, sind da noch nicht eingerechnet. "Und niemand kann zum jetzigen Zeitpunkt sagen, was wir noch finden werden", sagte der Experte der Denkmalpflege. Kleinere Befunde können man schnell bergen, sollte aber etwas Bedeutenderes gefunden werden, dann müssten sich Bauherren an den betreffenden Stellen in Geduld üben, bis die Baufreigabe erteilt wird.

Die Zeit drängt

Die Zeit drängt also – bereits im August sollen die Erschließungsarbeiten für Kurgarten I fertig sein, und die ersten Häuslebauer wollen starten. Kritik gibt es in diesem Zusammenhang daran, dass dem RP die neuen archäologischen Erkenntnisse angeblich bereits im November vorlagen, der Gemeinderat aber erst vor wenigen Tagen informiert wurde. Albert ter Wolbeek, der in Vertretung des bei diesem Punkt noch abwesenden Bürgermeisters Ekkehart Meroth die Sitzung leitete, machte denn auch seinem Ärger unumwunden Luft: "Bei allem Respekt vor der Historie – wir sind auch der Gegenwart verpflichtet", erklärte der CDU-Rat. "Und was wir uns überhaupt nicht leisten können, ist ein Vertrauensverlust bei den Investoren. An den Zeitplänen für die Bebauung hängen Existenzen."Wolfgang Löhlein versprach: "Wir sind sehr bemüht um ein zügiges Vorgehen."

Dem steht nun auch vonseiten des Gemeinderates nichts mehr entgegen. Mehrheitlich billigte das Gremium die vorgeschlagenen archäologischen Untersuchungen mit den damit verbunden Kosten für die Stadt in Höhe von 50.000 Euro, die immerhin über das Treuhandkonto "Kurgarten" finanziert werden können. Zwei Gegenstimmen gab es dennoch aus der FDP: "Das ist ein Fass ohne Boden", fürchtet Jürgen Sparenberg, "und das auf Kosten der Steuerzahler."

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