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01. Februar 2012
Ausklang mit einem jubelnden Hosanna
Das Freiburger Vokalensemble präsentiert in der St.- Alban- Kirche sonst eher selten aufgeführte kirchenmusikalische Werke.
BAD KROZINGEN. Nicht ein Platz blieb frei beim Benefizkonzert, welches das Bildungswerk und der Kiwanis-Club Bad Krozingen zugunsten der Jugendarbeit in Bad Krozingen und Staufen in der St.-Alban-Kirche am Sonntag veranstaltet hatte.
Unter der Leitung ihres Gründers Wolfgang Schäfer präsentierte das Freiburger Vokalensemble gemeinsam mit einem hochkarätigen Solistenensemble (Annika Gerhards, Sopran; Nohad Becker, Alt; Sebastian Kohlhepp, Tenor und Oliver Haux, Bass) ein Programm außergewöhnlicher und eher selten aufgeführter kirchenmusikalischer Werke. Die instrumentale Begleitung besorgte stilsicher Sebastian Küchler-Blessing an der Orgel.
Der Name Franz Liszt ist vor allem als Komponist und Interpret seiner virtuosen Klavierwerke legendär geworden. Daneben hatte Liszt aber auch eine ganze Reihe bedeutender kirchenmusikalischer Kompositionen geschaffen. In der achtstimmigen "Vater unser"-Vertonung hatte der Komponist aus den melodischen Floskeln des gregorianischen Chorals "Pater Noster" ein vielschichtiges und überaus eindringliches Chorwerk geschaffen, das später auch Eingang in dessen Oratorium "Christus" fand.
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Auf die ad libitum einzusetzende Orgelbegleitung wurde bei der Bad Krozinger Aufführung verzichtet, was die ohnehin überwältigende sinnliche Präsenz des reinen Vokalklangs eher noch betonte.
In direkter Gegenüberstellung zu Liszts "Vater Unser"-Vertonung nimmt sich das gleichnamige geistliche Lied von Josef Rheinberger vergleichsweise bescheiden aus. Der substanzreiche Alt von Nohad Becker verlieh aber auch diesem eher spröden Werk eine unerwartet emotionale Wirkung. Leichter zugänglich waren da die zwei geistlichen Lieder von Mendelssohn Bartholdy "Der du die Menschen lässest sterben" (Tenor) und "Doch der Herr, er leitet die Irrenden nicht" (Sopran), die durch die markige, tragfähige Stimme Sebastian Kohlhepps und dem klaren Sopran Annika Gerhards ebenso überzeugten wie das Bass-Solo "Ich bin des Herrn" von Rheinberger, kernig von Oliver Haux vorgetragen und mit leidenschaftlicher Emphase von Sebastian Küchler-Blessing an der Orgel begleitet.
Von den mutmaßlich drei Messen Antonin Dvoraks ist die in D-Dur die einzig erhalten gebliebene. Das Werk beginnt mit einem in schwingenden Linien aufsteigenden freudvollen Kyrie, dem ein vergleichsweise inniges Gloria korrespondiert. Im ausgreifend angelegten Glaubensbekenntnis erinnert Dvorak nach einem volksliedhaften Beginn mit Nachdruck an die Kreuzigung Christi, das er mit einem gewaltigen Amen beschließt. Auf das kurze Sanctus folgt ein durch ein prägnantes Orgelintro eingeleitetes Benedictus, das zunächst eher zurückhaltend angelegt, in einem jubilierenden Hosanna ausklingt. Auf leisen Sohlen beschließt das zarte, inbrünstig gestaltete Agnus Dei den weiten musikalischen Bogen und endet mit der innig vorgetragenen Bitte um Frieden auf Erden.
Wolfgang Schäfer führte sein Ensemble mit hör- und sichtbarer Musizierlust durch das großangelegte Werk. Mit ausdrucksvoller Gestik gestaltete der Gründer des Ensembles einen volltönenden Chorklang von kristallklarer Transparenz und dynamischer Stimmführung. An den richtigen Stellen wusste er das Tempo zu forcieren, aber auch das im Überschwang des leidenschaftlichen Ausdrucks allzu übermächtige Klangbild wieder behutsam zu dämpfen und verstand es zugleich, die Sängerinnen und Sänger mit rastloser Energie zu Höchstleistungen anzuspornen.
Für den anhaltenden Applaus bedankte sich das Ensemble mit der ergreifend vorgetragenen Motette "Locus iste" von Anton Bruckner.
Autor: Hans Jürgen Kugler
