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13. Juli 2013

Standpunkt

Bürgermeisterwahl in Bad Krozingen: Die wahren Gründe?

Gegen eine schöne, große Auswahl hat niemand etwas – weder beim Frühstücksbüfett oder auf dem Wochenmarkt noch bei einer Bürgermeisterwahl. Insofern klingen die Argumente der Befürworter einer breiten Ausschreibung des Chefpostens im Bad Krozinger Rathaus zunächst einmal durchaus vernünftig. Die Frage ist jedoch: Ist für eine große und vor allem für eine sinnvolle Auswahl eine solche Ausschreibung überhaupt nötig? Wer ernsthaft Bürgermeister in Baden-Württemberg werden will, der sollte wissen, in welchen Medien er entsprechende Informationen findet – auch wenn er in Bottrop, Bremen oder Bautzen lebt. Aber nun ja: Eine Anzeige in der Süddeutschen oder der FAZ könnte natürlich den hochqualifizierten Tausendsassa ansprechen, der gerade so ganz allgemein nach einer neuen Herausforderung sucht: Bürgermeister in Bad Krozingen? Wäre vielleicht auch nicht schlecht... Nein, es geht nicht ums Geld, das diese Ausschreibungsoffensive kostet, auch wenn es augenscheinlich nicht so ganz einfach war, die benötigten Euros aus anderen Positionen des nicht gerade prallen Bad Krozinger Haushalts zusammenzukratzen. Worum es geht, ist, dass – trotz der unbestreitbar auf hohem Niveau geführten Diskussion im Gemeinderat – die entscheidende Frage immer noch nicht schlüssig beantwortet ist: Warum beschreitet einen derart ungewöhnlichen Weg ausgerechnet ein Gemeinderat, der bislang – zumindest öffentlich – nicht gerade durch besonders heftige Kritik an seinem Bürgermeister aufgefallen ist? Und zwar durch alle Fraktionen hindurch nicht. Als Beobachter wird man den Eindruck nicht los, dass die wahren Gründe für diese nun so vehement betriebene Kandidatensuche immer noch nicht offen auf dem Tisch liegen. Die Irritation, die dieses Vorgehen sehr wohl bei Vielen ausgelöst hat, erinnert an ein Phänomen, das Psychologen als "Doublebind" bezeichnen: Das ist zum Beispiel, wenn eine Mutter ihrem Kind Zuneigung bezeugt und gleichzeitig Schläge androht. Bekanntlich bekommt einem Kind so etwas in der Regel nicht besonders gut. Meroth hingegen scheint die Sache inzwischen sportlich zu sehen. "Schön, dass ich Ihnen so viel wert bin", flachste er in der vergangenen Hauptausschusssitzung. Vielleicht aber macht das Bad Krozinger Beispiel ja auch Schule – und eine breit gefächerte Ausschreibung wird künftig zum Standardprozedere auf der Suche nach qualifizierten Bürgermeisterkandidaten. Die Zeitungsverlage würde das freuen.

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Autor: Alexander Huber