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19. November 2009
Bunt, vielfältig, ironisch und böse
Theater-AG des Faust-Gymnasiums präsentiert mit Chor und Orchester die Dreigroschenoper als aktuelle Kapitalismus-Satire
STAUFEN. Wie ist einem Klassiker etwas Neues abzugewinnen? Diese Frage beantwortet die Theater-AG der Mittel- und Oberstufe eindrücklich und begeisternd mit ihrer Inszenierung der Dreigroschenoper auf der Bühne in der Aula des Faust-Gymnasiums. Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftskrise ist der Stoff ohnehin ungebrochen aktuell, durch die Einbeziehung von Dario Fos Version bekommen der Bühnenklassiker von Bertolt Brecht jedoch neuen Biss und die Haifisch-Zähne neue Schärfe.
Das liegt daran, dass Regisseurin Andrea Wiese das Brecht’sche Stück nicht nur mit der "Oper vom großen Hohngelächter" des italienischen Nobelpreisträgers Dario Fo vermischt und Dialoge ausgetauscht hat, sondern auch daran, dass sie die Dreigroschenoper radikal gekürzt und viele Lieder gestrichen hat.
Die Aufführung beginnt mit der solistisch von der Geige angestimmten Melodie von der Moritat von Mackie Messer, die zunächst mit rauchiger Stimme von einem einzelnen Sänger, dann vom ganzen Chor fortgeführt wird, während aus dem Zuschauerraum ein Heer von armen Alten, zerlumpten Bettlern und verwahrlosten Obdachlosen die Bühne erklimmt. Sie sind gekommen, um Jonathan Peachum, dem Bettlerkönig, mit viel süffisanter Ironie gespielt von Frederik Schweizer, ihren Anteil abzuliefern. Während er es als gerissener Geschäftemacher versteht, aus dem Elend Kapital zu schlagen, ist sein skrupelloser Konkurrent Mackie Messer weniger zimperlich und zieht mit seiner Bande raubend, mordend und brandschatzend durch die Vorstädte.
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Und wie Julian Braun ihn spielt, das ist schon sehenswert: intensiv seine Blicke, ausdrucksstark seine Mimik, stimmig seine Körpersprache. Sein stärkstes Spiel- und Ausdrucksmittel indes ist seine Stimme. Mühelos changiert sie von drohend, schneidend und unterschwellig aggressiv seiner Bande von "Galgenvögeln" gegenüber bis hin zum einschmeichelnden und lieblich süßen Ton, den er "seinen Frauen" gegenüber anschlägt. Und wenn er dann noch die "Ballade vom angenehmen Leben" singt, dann branden Szenenapplaus und Bravo-Rufe auf. Glanzpunkte setzt jedoch auch Annika Günther. Ihre Polly ist eine verwöhnte Göre, schnippisch und naiv, doch auch lernfähig in die Rolle als "Ganovenbraut" hineinwachsend. Und wie sie das Lied von der Seeräuber-Jenny singt, forsch und furchtlos in den Strophen, zart und fast ätherisch klar im Refrain, das hat Klasse. Doch auch Gabriela Rentsch als Celia Peachum, Felix Sprenger als Tiger Brown und Larissa Schubert als dessen Tochter Lucy sorgen mit ihrem authentischen und überzeugendemn Spiel dafür, dass die Inszenierung zu einer Ausstellung kleiner und großer Gefühle wird, bunt und vielfältig, ironisch und böse.
Durch hohen Einsatz zeichnen sich auch die Sänger des Faustchors und Musiker des Dreigroschenorchesters unter der Leitung von Gabriele Stannat-Deißler aus. Nuanciert und differenziert setzen sie die kongeniale Musik von Kurt Weill in Szene, farbenreich und lebendig interpretieren sie die eingängigen Nummern. Am Ende staunt man, wie aktuell Brechts Kapitalismus-Satire heute noch ist, freut sich über das spritzig und inspiriert agierende Ensemble und beklatscht laut und anhaltend eine Oper, die ihre drei Groschen mehr als wert ist.
Weitere Aufführungen am Freitag und Samstag, 20. und 21. November, jeweils um 19 Uhr. Vorverkauf: Goethebuchhandlung und Schülerbüro unter http://www.schuebo.de
Autor: Martina Faller
