Die passenden Instrumente

Hans Jürgen Kugler

Von Hans Jürgen Kugler

Di, 05. Dezember 2017

Bad Krozingen

Schlosskonzert in Bad Krozingen mit Pianist Carlos Goikoetxea.

BAD KROZINGEN. Als in jeder Hinsicht preiswürdig erwies sich das jüngste Konzert im Bad Krozinger Schloss. Der junge spanische Pianist Carlos Goikoetxea, der schon als Elfjähriger erste Konzerte gab, gewann im Frühjahr 2017 beim Fortepiano-Wettbewerb in Schloss Kremsegg in Österreich einen Sonderpreis der Jury. Mit diesem Preis verbunden war ein Auftritt im Bad Krozinger Schloss, das über eine ähnlich herausragende Sammlung an Tasteninstrumenten verfügt wie Schloss Kremsegg.

"Das Schöne an der Bad Krozinger Sammlung ist, dass hier die passenden Instrumente für eine zeittypische Schubert-Interpretation spielfertig bereitstehen", erklärt der Interpret. Für die "Impromptus" von Franz Schubert wählte Carlos Goikoetxea einen Hammerflügel von Conrad Graf aus dem Jahr 1826, "schon deshalb, weil Graf der bedeutendste Klavierbauer seiner Zeit war" und sich dieses Instrument für die Wiedergabe Schubert’scher Klaviermusik am besten eigne. Das zeigte sich bereits in den feinen dynamischen Abstufungen des zart hingetupften Eingangsthemas im "Impromptu c-Moll/op. 90". Die zerbrechliche Melodie gewinnt an Kraft, das ebenso markante wie fragile Thema schimmerte auch in den entfernteren Tonarten immer hindurch, verlieh den verträumten Begleitfiguren im Bass nachträglich Kontur.

Die perlenden Achtelläufe im zweiten "Impromptu Es-Dur" ließ Goikoetxea mit leichter Hand nur so dahinsprudeln. Im dritten "Impromptu Ges-Dur" dämmerte das dunkel getönte Nocturne in einer nicht enden wollenden Kantilene durch die Nacht. Mit einem der populärsten Klavierstücke Schuberts, dem "Impromptu Nr. 4 op. 90" endete der Zyklus. Unentwegt herabrieselnde Arpeggien im Diskant zu einer kantabel im Bass dahinströmenden Melodie führten die Komposition zu einem rauschhaft entrückten Ende.

Von ganz anderem Kaliber dagegen erwies sich das Spiel auf dem Hammerflügel aus der Werkstatt des Pariser Klavierbauers Erard von 1856, den Goikoetxea zur Interpretation einiger Stücke aus den "Études d’exécution transcendante" von Franz Liszt nutzte. Den erweiterten Dynamikumfang eines solchen klangstarken Instruments hatte auch Liszt weidlich für seine "Eroica" ausgenutzt und die pompöse Komposition bevorzugt in den extremen Lagen mit reichlich harmonischer Ornamentik umwuchert. Exaltierte Theatralik in ungestümen Kadenzen und zugleich zart-verträumter Melodik im federleichten Schluss prägten die "Ricordanza" aus dem Etüden-Zyklus, den Goikoetxea mit sicherer Hand, feinnervigem Gespür und makelloser Technik dem begeisterten Publikum präsentierte. Für die Zugabe hatte der Preisträger eine gelungene Synthese parat: das Schubert-Lied "Der Doppelgänger" in der Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt.