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24. Oktober 2017

Die Themenvielfalt des Kernorts erwandert

Bad Krozingens Bürgermeister Volker Kieber setzte die Reihe der Bürgerwanderungen in der Innenstadt fort / Viel Stoff für die mitwandernden Dezernenten.

  1. Der „Herr der Ringe“ mit Bürgerinnen und Bürgern auf dem Weg zum nächsten Kreisel: Auch an der Kreuzung von Penny-Markt und Drogeriemarkt Müller soll ein Kreisverkehr für Entspannung im Verkehrsfluss sorgen. Foto: Rainer Ruther

BAD KROZINGEN. Seine Serie von Bürgerwanderungen setzte Bürgermeister Volker Kieber am vergangenen Samstag fort. Dieses Mal hatte er es nicht weit: Der Rundgang durch den Kernort startete und endete am Rathaus.

Das kann ja heiter werden: Schon 40 Minuten vorbei, und noch hat die Gruppe von etwa 50 Leuten nicht einen Schritt gemacht. Immer noch drängeln und schubsen sich die Teilnehmer gegenseitig aus dem Weg, um einen Blick auf das Modell zu erhaschen, das Volker Kieber vor sich hält: Kleine braune Bauklötze, maßstabsgetreu, bilden ab, wie sich der leergeräumte Platz vor Rathaus und Kirche einst präsentieren soll. Viel erkennt man nicht, es braucht einiges an Phantasie, um sich vorzustellen, wo die ganzen Wege, Gässchen und Piazettas mal liegen werden. Die neuen Plätze mit viel Licht, Blumen und Ambiente sollen nachts schön und stimmungsvoll erleuchtet werden.

Noch aber brandet der Verkehr durch die enge Straße. Volker Kieber hat Zahlen parat: "Hier fahren am Tag 5680 Fahrzeuge vorbei. Es waren mal 15 000. Aber nur 300 Fahrzeuge passieren die Innenstadt von einem Ende zum anderen. Das meiste ist Ziel- und Quellverkehr, das heißt hausgemachtes Hin- und Herfahren der Einwohner in die Innenstadt und wieder raus." Einige schütteln den Kopf, das seien bestimmt viel mehr.

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Innenstadtsanierung
Die Stadt rund um die Uhr beleben, das ist das Ziel des großen Umbaus, den die Stadt nach langen Beratungen mit engagierten Bürgern in Angriff genommen hat. Ein Verkehrskonzept wird dem Ganzen einen Rahmen geben: Wo gehen Passanten, wo bleiben die Radfahrer, und was passiert mit den Autos? Wird es hier eine Fußgängerzone geben, wird Volker Kieber gefragt. Die Antwort: Keine Chance. Er verweist auf eine Studie, die der Innenstadt zu wenige attraktive Geschäfte bescheinigt. Die Angebote seien zu weit auseinandergezogen, zu verschieden. "Die Geschäftsinhabersagen uns: Wir wollen dorthin, wo unsere direkte Konkurrenz auch ist. Wo sich Möbelläden, Textilgeschäfte oder Elektronikshops ballen – da sind die Kunden."

Dann endlich geht die Bürgerwanderung los, durch die Basler Straße stadtauswärts. Der Bereich rund um das aufgegebene Geschäft Brender wird ein weiteres Sanierungsgebiet werden, kündigt Kieber an; es reicht von der Nepomukbrücke bis zum Bahnübergang. Kleine Geschäfte, nichts Großflächiges, attraktive Wohnungen – das verspricht er. Und wenn er könnte, würde er nur zu gern die Tankstellen auslagern, an die B3 außerhalb der Stadt. Allein: Zwingen kann er niemanden, höchstens mit guten Argumenten überzeugen. Und mit Geld: Immerhin gibt es viel Zuschüsse vom Land, auch für Privatleute, die hohe steuerliche Abschreibungen vornehmen können.

Noch ein Kreisverkehr
Eine ganz konkrete Ankündigung kommt von Kieber ein paar Schritte weiter: An die Ausfahrt vom Müller-Drogeriemarkt und Aldi kommt ein neuer Kreisverkehr hin. "Man nennt mich im Landratsamt ja schon den Herrn der Ringe", lästert der Bürgermeister über sich selbst. Fünf Kreisel wurden in einer Amtszeit bereits gebaut; nun soll ein weiterer Kreisverkehr die Situation an dieser Kreuzung entspannen. Im Frühjahr wird hier gebaut. Übrigens auch beim Discounter, der sich um 150 Quadratmeter vergrößern will.

Die Gruppe der Mitwanderer ist inzwischen erheblich kleiner geworden. "Alle Motzer sind nicht da", bemerkt der Bürgermeister. Ein Phänomen, das auch Brigitte Ruppenthal-von Radetzky aus ihrer langjährigen Agenda-Arbeit kennt: "Die Leute kommen und engagieren sich ein bisschen, und wenn das Problem, das sie drückte, beseitigt ist, verschwinden sie. Wichtiger wäre ein Einsatz für das Gesamtwohl: dabei bleiben, neugierig für alles bleiben. Aber jeder interessiert sich nur für sein kleines Problem."

Der Brunnen am Mozartplatz
Beispiel: der Brunnen am Mozartplatz. "Raten Sie mal, was hier stört", fragt Kieber in die Runde. Nein, es ist nicht die nackte "Schöpfende" des Bildhauers Franz Gutmann. Es ist der Brunnen mit vier Fontänen. "Zu laut, zu lange in Betrieb: Ich habe lange Unterschriftenlisten auf meinem Schreibtisch", berichtet der Bürgermeister. Strahlhöhe runter auf 1,20 Meter und Ruhe ab 20 Uhr – das bietet die Stadt an. Trotzdem sollen Platz und Umfeld sollen noch attraktiver werden: Außengastronomie, vielleicht ein Wochenmarkt, kann sich Kieber vorstellen.

Bezahlbarer Wohnraum
Die Attraktivität Bad Krozingens ist Segen und Fluch zugleich. Bezahlbarer Wohnraum wird knapp, und deshalb wurde das "Bad Krozinger Modell" aus der Taufe gehoben. Im Baugebiet Kurgarten 2 werden 225 Wohnungen entstehen, zur Hälfte Eigentum, zur Hälfte Mietwohnungen für 7,50 bis 8,50 Euro pro Quadratmeter. "Ja, soviel kostet es schon in Bad Krozingen", sagt Kieber. Aber wiederum die Hälfte der Mietwohnungen, also etwa 50 Wohnungen, werden als sozial geförderter Wohnungsbau errichtet.

Breitbandversorgung
Die Zeit schreitet voran, die Gruppe wird kleiner. Ein Besuch am Breitband-Verteilerkeller bietet Gelegenheit für Christian Thomann, die Geschichte der Breitbandentwicklung in Bad Krozingen Revue passieren zu lassen. Die Stadt sei Vorreiter in der Region, aber Telekom und Regulierungsbehörden bremsten, wo sie können. Mit alter abgeschriebener Kupfertechnik lässt sich natürlich mehr Geld verdienen als mit zukunftsträchtiger, aber zunächst kostenintensiver Glasfasertechnik. Die Stadt hat bereits hunderte Anschlüsse vorzuweisen und investiert in Leerrohre für künftige Versorgung, wo sie kann.

Krähenplage, Sauberkeit am Bahnhof, Raser in der Fußgängerzone – die Zeit rennt davon, die Teilnehmer am Rundgang ebenfalls. Themen können nur angerissen und kaum vertieft werden: Zum Krähenproblem wird es bald einen Runden Tisch geben. In Sachen Bahnhofsauberkeit liegt die Stadt im Clinch mit der Bahn über Zuständigkeiten.

Der Lammplatz
Der Kreis schließt sich nach über drei Stunden auf dem Lammplatz. Das Schießhaus wird verschwinden, ein Investor hat Gelände und Gebäude gekauft, das als Wiege der Blasmusik in der Stadt gelten kann, wie sich Ratsherr Josef Heckle erinnerte: "Der Herr Schieß hat viel für die Blasmusik getan, ich hab‘ bei ihm Saxofon spielen gelernt, da oben im ersten Stock. Und im Hof übte das Jugendorchester." Gleich nebenan wird die alte Lammstube von einem "idealistischen Handwerker", so Kieber, wieder in ein Schmuckstück umgebaut, mit großem Gastraum und Außenbewirtung. Wer durchgehalten hat, darf sich im Rathaus bewirten lassen - mit Wein und Nusszopf. Und nächsten Samstag die letzte Etappe: Volker Kieber wird dann Tunsel besuchen.

Autor: Rainer Ruther