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17. März 2010

Ein Küchenchef mit bewegter Vita

Klaus-Peter Röbel steht trotz ausgeprägter Reiselust seit 33 Jahren im Parkstift hinter dem Herd.

  1. Küchenmeister Klaus-Peter Röbel (mit Stiftsleiterin Anja Schilling) steht seit 33 Jahren im KWA-Parkstift St. Ulrich am Herd. Foto: Susanne Müller

BAD KROZINGEN. Am 1. April – kein Scherz – feiert Küchenmeister Klaus-Peter Röbel im KWA-Parkstift St. Ulrich Jubiläum: Seit 33 Jahren steht er hier am Herd.

"Ick koch’ halt so gerne", kommentiert der gebürtige Berliner kurz und knapp die Lobeshymnen von Stiftsleiterin Anja Schilling, die von ihm sagt, dass er Überdurchschnittliches leiste, sich herzlich und kontaktfreudig zugleich nicht nur als Koch, vielmehr als Mensch einbringe, und außerdem offen sei für jegliche Veränderung. Damit nicht genug, der Küchenchef ist noch dazu ein begnadeter Geschichtenerzähler. Schilling: "Er kann nicht nur kochen, er kann genauso gut reden und unsere Bewohner hängen an seinen Lippen, wenn er aus seinem bewegten Leben erzählt".

Eine Erwerbsbiografie, wie der 65-Jährige sie vorweisen kann, ist heutzutage Mangelware: Seit 50 Jahren ist Klaus-Peter Röbel Koch. Dabei wollte er eigentlich nach der Schule möglichst schnell weg von Berlin, die Welt sehen, reisen. Voller Abenteuerlust dachte er daran, sich um eine Ausbildung als Fernfahrer zu bemühen. Allein die Sehstärke machte ihm einen Strich durch diese Rechnung, und so beschloss er: "Werde ich eben Koch und geh’ dann später aufs Schiff".

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Auch der Plan mit dem Schiff ging schief, zum Glück für die Senioren im Parkstift in Bad Krozingen. Denn nach drei harten und arbeitsreichen Lehrjahren und nachfolgenden saisonalen Engagements, die bis an den Vierwaldstätter See führten, landete Röbel schließlich -– gemeinsam mit seiner Frau Danuta, einer Hauswirtschaftsleiterin -– im Hotel Ascona in Bad Krozingen. Und als elf Jahre später, 1977, das Haus Schwarzwald gebaut war, bemühte sich das Paar erfolgreich um die Küchenleitung. "Ein Glücksfall für unser Haus", wie die Stiftsleiterin rühmt, wohl wissend, dass zum Jahresschluss eine Ära zu Ende geht, wenn Küchenmeister Röbel sich in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden wird. "Nicht leicht für einen Nachfolger, diese Fußstapfen zu füllen", weiß Schilling.

Der Küchenchef muss auch noch den Computer füttern

Beim Blick zurück schwingt etwas Wehmut in Röbels Stimme. "In der Anfangszeit waren wir ja nur sechs Leute", schildert er, "da kochten wir für 200 Personen, jeweils Suppe, zwei Menues, Dessert". Seinerzeit wurden die Speisen in den Appartements serviert: "Es sollte alles so sein wie daheim". "Zu der Zeit waren es 98 Prozent kochen und zwei Prozent Büro – und heute", gestikuliert Röbel mit beiden Händen, "ist das grade mal so fifty-fifty". Teamkoordination, Lagerverwaltung, Bestellwesen, Budgetkontrolle – der Computer will ebenfalls permanent von ihm gefüttert werden, aber dafür ist das Gerät dann auch so schlau, die erforderlichen Mengen zu melden, wenn Röbel die Speisekarte für den Folgetag hinterlegt. "Schon ein großer Vorteil, wenn das System mal läuft", gesteht der geborene Schütze, von dem mancher Parkstiftbewohner sagt, er sei morgens der Erste und gehe am Abend als Letzter.

Um sechs Uhr früh steht er auf der Matte, druckt die Laufzettel am Computer aus, macht die Bestellungen, dann folgen die Vorarbeiten für die "Abo-Essen", die an Firmen und Privatpersonen geliefert werden. Ab 11 Uhr geht es ins Bistro, das sich vis-á-vis des großen Speisesaales befindet. Hier steht Röbel wann immer es geht selbst am Herd, oder besser gesagt im "Coocking Center", wo die Speisen nach seinem Dafürhalten im Laufe der Jahre "gesünder" geworden sind. Etwa das Gemüse, "das ist bissfester, außerdem werden mehr Kräuter verwendet". Rund 300 Essen zaubert Röbel heute täglich mit seiner 25-köpfigen Küchenbrigade, inklusive dietätischer Speisen. Und dabei legt Röbel, der in seiner Freizeit, wenn er nicht Karten oder Tennis spielt, auch immer wieder externe Kochkurse leitet, besonderen Wert auf große Portionen: "Bei mir muss keiner am Knochen nagen".

Überraschung heißt es für Röbel beim Jubiläumsfest am 1. April. Wer dann was für ihn kocht, das wird nicht verraten, nur so viel: Röbels Lieblingsgericht sollen Würstchen aller Art sein. Sicher ist dagegen, dass viele Weggefährten zum Gratulieren kommen. Und bis zur Pensionsgrenze am Jahresende kann der reiselustige Küchenmeister seine Weltkarte dann nach den letzten weißen Feldern absuchen. Brasilien und Australien, sagt er, da könnte er noch fündig werden. Nur mit der Bahn, seinem bevorzugten Transportmittel, wird er wohl kaum hinfahren.

Autor: Susanne Müller