Ein Projekt mit Vorbildcharakter

Bernd Peters

Von Bernd Peters

So, 21. Oktober 2018

Bad Krozingen

Der Sonntag In Bad Krozingen ist der Skate Park eröffnet worden, an dessen Entstehung Jugendliche über Jahre mitgearbeitet haben.

Der neue Skate Park in Bad Krozingen, der am Freitag offiziell eröffnet worden ist, gilt bundesweit als Musterbeispiel für eine gelungene Jugendbeteiligung in der Kommunalpolitik.

Das Ding hat Kreise gezogen: Vor drei Jahren hatte der 13 Jahre alte Teenager Yannick Krzikowsky aus Bad Krozingen die Idee, dass es in der Stadt endlich mal einen gescheiten Skate Park geben sollte. Skaten, so erzählt der junge Mann heute, war halt immer schon sein Ding. Nur die Gelegenheiten in der Kurstadt, die gab es kaum, die alte Anlage beim Fußballstadion ist nicht mehr attraktiv. Also machte Yannick Krzikowsky sich in Eigeninitiative daran, Unterschriften zu sammeln. "Ein paar hundert" seien es gewesen, die genaue Zahl weiß Yannik heute nicht mehr. Mit denen stiefelte er ins Rathaus. Und brachte einen Prozess ins Rollen, der mittlerweile bis nach Berlin Widerhall gefunden hat als Musterbeispiel für Jugendbeteiligung.

Denn Yannicks Vorstoß fiel seinerzeit zusammen mit der neuen gesetzlichen Verpflichtung für Gemeinden, Jugendliche besser in die Kommunalpolitik einzubinden als bisher. In Bad Krozingen erfolgt dies durch "Jugend Hearings", die seit 2015 zweimal im Jahr stattfinden. Auch dort, so Bürgermeister Volker Kieber (parteilos) habe sich der Wunsch nach einem neuen Skate Park schnell und deutlich abgezeichnet. Der Gemeinderat stimmte 2016 geschlossen für das Projekt und stellte Haushaltsmittel in Höhe von 60 000 Euro bereit. Im Rahmen des von der Robert Bosch Stiftung geförderten Jugendbeteiligungsverfahrens "Mein Bad Krozingen" entstanden in der Folge Arbeitsgruppen, in denen Jugendliche und Vertreter der Behörden dem Projekt weitere Gestalt gaben. Dazu gehörte auch, dass die Jugendlichen aus der Stadt mit dem Programm "Minecraft" am Computer Entwürfe für die Anlage als Planungsgrundlage erstellten. Das gelang den Beteiligten so gut, dass die Stiftung die Beteiligten aus der Stadt nach Esslingen zu einem Workshop einlud, wo sie von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) als besonders gelungenes Beispiel von Jugendbeteiligung gewürdigt wurden.

"Mittlerweile haben wir auch schon Anfragen zum Skate Park aus Berlin", erzählt Bürgermeister Kieber nicht ohne Stolz. Das Projekt, bei dem die Jugendlichen nun auch für die Sauberhaltung "ihrer" Anlage zuständig sind, habe Vorzeigecharakter. Nicht nur politisch, sondern auch sportlich: "Wow, und das in Bad Krozingen", so Kiebers Fazit zu dem 2 000 Quadratmeter großen Park in der Stadt, die sonst vor allem als Kurort bekannt ist. Der Park besteht aus einer großen Half-Pipe, mehreren Quarter-Pipes, Rampen und Pyramiden und anderen Elementen für Skater, BMX- und Kickboard-Fahrer.

Lob kam auch vom Ministerpräsidenten

Unterm Strich hat die Anlage etwas mehr als 170 000 Euro gekostet, wovon man 95 000 Euro beim Land im Rahmen der Ortssanierung als Fördermittel einsammeln konnte, wie Volker Kieber berichtet. Dazu kamen neben dem Geld der Stadt auch zahlreiche Spenden, unter anderem 2 500 Euro, die Schülerinnen und Schüler des anliegenden Kreisgymnasiums bei einer Laufveranstaltung von Sponsoren "erlaufen" konnten. Für Jan Fischer, der als Fachbereichsleiter Jugend und Soziales im Rathaus in Bad Krozingen die Planung und Entwicklung des Parks unter seinen Fittichen hatte, war die Einweihung der Anlage am Freitag mit DJ-Musik, Graffiti Sprayern und Skate-Contest "das Ende eines langen Weges", der vor allem für die beteiligten Jugendlichen "wie eine Ewigkeit" gewirkt haben muss: "Die Initiatoren waren damals kaum 14 oder 15, heute sind manche schon 18 Jahre alt", so Fischer. "Wir skaten aber immer noch gern", betont Yannick Krzikowsky.