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23. Februar 2012

Geburtstagsgeschenk der besonderen Art

Der größte Star des Abends: Countertenor Andreas Scholl zu Gast in der Hausener Sankt-Johannes-Kirche.

  1. Es war ein Abend mit vielen Stars. Der größte Star jedoch war unbestritten der berühmte Countertenor Andreas Scholl. Zusammen mit dem Chor des Gesangvereins und dem Kinderchor "Kichererbsen" gestaltete er ein Konzert in der Sankt-Johannes-Kirche in Hausen und beglückt damit nicht nur seine Tante zum 70. Geburtstag , sondern viele seiner Fans. Foto: Martina Faller

BAD KROZINGEN-HAUSEN. Für einen Abend durfte sich Hausen als der Nabel der klassischen Musikwelt fühlen. So einen Ansturm hat die Johanneskirche in Hausen wohl noch nie erlebt. Beehrte doch mit dem renommierten Countertenor Andreas Scholl ein Weltstar die kleine Dorfkirche, um seiner in Hausen lebenden Tante ein nachträgliches Geschenk zum 70. Geburtstag zu machen. "Dieses Geschenk will ich mit ihnen teilen", begrüßte Hildegard Horn das Publikum in der vollbesetzten Sankt-Johannes-Kirche, "und ihr Applaus ist auch mein Dank an Andreas".

Doch dieser Konzertabend hatte auch noch andere Stars. Die Sänger und Solistinnen des Kinderchors, die zum ersten Mal bei einem solch großen Ereignis dabei sein durfte, die Sängerin Natalija Hormuth mit ihrem klaren Sopran und der kleine, von Dominik Hormuth geleitete Dorfgesangverein, der über sich selbst hinauswuchs.

Er war es auch, der das Konzert mit dem a capella gesungenen, altrussischen Kirchenlied "Tebe Poem" stimmungsvoll eröffnete. Textsicher und klangschön bezauberte der Kinderchor "Die Kichererbsen" mit den Wiegenliedern "Der Mond ist aufgegangen" und "Weißt du wie viel Sternlein stehen" das Publikum und verkürzte den Andreas Scholl Fans das Warten auf dessen ersten Auftritt. Und der ließ dann auch nicht länger auf sich warten. Locker und sympathisch kündigte er seine ersten beiden Lieder "recollecition" und "The Wanderer", zwei Vertonungen von Gedichten der englischen Dichterin Anne Hunter von Joseph Haydn an und erhob, virtuos und einfühlsam begleitet am Klavier von Tamar Halperin, erstmals an diesem Abend sein Stimme, die Fans und Kritiker gleichermaßen in Verzückung bringt. Doch bei Scholl ist es nicht nur die Stimme allein, die das Publikum einnimmt. Unbestritten ist sie, ob der absoluten Reinheit der Töne, bezwingend schön. Es ist aber auch die Art und Weise, wie Scholl sein Instrument einsetzt. Mit höchst subtilem Gestalten setzt er die Emotionen der Lieder in Töne, lässt er mit kultivierter Melancholie und klagender Frage "Are you indeed forever past" in menschliche Abgründe wie Verzweiflung und Einsamkeit blicken und macht "nightmares and horror" im menschlichen Lebensweg dramatisch hörbar. Mit geradezu entrückter Klangschönheit, zu der die erneut beseelt und intim musizierende Tamar Haperin einen nicht unwesentlichen Beitrag leistete, bot er die beiden englischen Folksongs "Waly, waly" und "I will give my love an apple". Brach sich die Begeisterung des Publikums schon nach den beiden Brahms-Liedern "Da unten im Tale" und "All meine Gedanken" in Jubel, tosendem Applaus und Bravo-Rufen Bahn, kannte er nach den beiden Folksongs keine Grenzen mehr. Bevor Scholl indes eine Zugabe gewährte, reihte er sich in den Chor ein und bot gemeinsam mit dem Chor des Gesangvereins "Frohsinn" den Gospel "Swing low" und bewies dabei, dass er nicht nur über eine außergewöhnliche Falsettstimme, sondern auch über einen schönen Bariton verfügt.

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Ein klar vernehmliches Dankeschön

Für die Zugabe ließ er jedoch noch einmal seine berühmte Falsettstimme erklingen und präsentierte, passend zum Valentinstag, den einer schottischen Weise nachempfundene Folksong "My love is like a red, red rose". Ein klar vernehmliches "Dankeschön", von einer einzelnen Frauenstimme in die andächtige Stille nach dem letzten Ton hineingesprochen, sprach dem ganzen Publikum aus dem Herzen. Der anschließend aufbrandende Beifall indes – der sprach für sich.



Autor: Martina Faller