Glitzer, Glamour und eine Zeitreise

Ute Wehrle

Von Ute Wehrle

Di, 17. April 2018

Bad Krozingen

Musikrevue mit Klassikern versetzte Bad Krozingen in Partylaune.

BAD KROZINGEN. Showtime auf der Bühne des Bad Krozinger Kurhaus: Disco-Kugeln, Glitzervorhang, jede Menge Kostüme und dazu die größten Hits aller Zeiten – mit diesem stimmungsfördernden Konzept kann man eigentlich nicht viel falsch machen. In der Tat: Die ersten Töne von "Waterloo" von der schwedischen Popgruppe ABBA reichen aus, um das Publikum in Partylaune zu versetzen. Und die sollte sich im Verlauf des Abends noch ordentlich steigern. Die Musik kommt vom Band, gesungen wird live. So versucht Moderator Armin Stöckel, mit den Hits von Tom Jones den Tiger in den männlichen Besuchern zu wecken. "Green, green grass of home", "Delila" – im Saal wird kräftig mitgesungen.

Szenenwechsel: Dirty Dancing ist angesagt. "Time of my life" endet mit der legendären Hebefigur, die Julia David in einer etwas risikoärmeren Variante hinlegt. Überhaupt zeigen sie und ihre Zwillingsschwester Franzi viel Körpereinsatz auf der Bühne – in ständig wechselnder Garderobe sorgen sie für die Choreographien – an manchen Stellen durchaus noch ausbaufähig. Und dann wird alles ausgegraben, was der deutsche Schlager so hergibt, angefangen von "Santa Maria" über "Jenseits von Eden" bis hin zur "Die kleine Kneipe" und "Aber bitte mit Sahne." Stöckl und sein Kollege Bernd Kiederer gehen als Duett mit viel Pathos über sieben Brücken, die Geschwister David besingen – stilecht in Petticoats "Zwei kleine Italiener", die von Napoli träumen. Oder gar von einer Hochzeit "Ganz in Weiß", wo "Griechischer Wein" in Strömen fließt? Wer weiß das schon. Je nach Geburtsjahr werden die unterschiedlichsten Erinnerungen im Publikum wach. Bei so viel Herz, Schmerz und Frohsinn stört es dann auch nicht weiter, dass nicht jeder Ton ganz exakt sitzt.

Dafür gibt es ein Wiedersehen mit großen Stars: Marilyn Monroe trifft auf Dean Martin – stilecht mit Glas in der Hand. Und wo die beiden sind, ist "New York, New York" von Frank Sinatra nicht mehr weit. Genauso wie Elvis Presley im hautengen Glitzeranzug, der in dem bunten Repertoire ebenfalls nicht fehlen darf. Das alles macht Spaß und geht in die Beine. Längst hält es nicht mehr alle auf den Stühlen und im hinten im Saal wird zunehmend ausgelassen getanzt.

Als echtes stimmliches Talent entpuppt sich an diesem Abend Sängerin Aquilla Fearon. Temperamentvoll, charismatisch und vor allem mit gewaltiger und eindrucksvoller Stimme. Kein Wunder, dass ihr die Hits von Whitney Houston, KC and the Sunshine Band oder Tina Turner wie auf den Leib geschneidert sind. Höhepunkt ist ein ABBA-Medley, bevor die Party nach fast zweieinhalb Stunden frohgelaunt zu Ende geht. Fazit: Alles in allem hätte man den Abend durchaus langweiliger verbringen können.