Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
04. Februar 2012
Johannes-Kirche statt Met
Der "Lieblingstante" sei dank: Der renommierte Countertenor Andreas Scholl singt am 14. Februar ein Konzert in Hausen.
BAD KROZINGEN-HAUSEN. Nicht jeder bekommt zum Geburtstag ein Ständchen von einem Weltstar gesungen. Hildegard Horn schon. Sie ist nicht nur Vorsitzende des Gesangvereins Frohsinn und Leiterin des Hausener Kinderchors Die Kichererbsen. Sie ist auch die Tante von Andreas Scholl. Und so wird der berühmte Countertenor am 14. Februar bereits zum dritten Mal ein Gastspiel in der Hausener Johannes-Kirche geben. Denn, so Scholl, "wenn die Lieblingstante fragt, kann man ja nicht Nein sagen".
Nicht jedem mag der Name Andreas Scholl auf Anhieb etwas sagen. Doch Liebhaber der klassischen, insbesondere der barocken Musik, wissen: Scholl ist ein Weltstar und auf den Bühnen der großen Opernhäuser und Konzertsälen der Welt zu Hause. Zuletzt wurde er an der Metropolitan Oper in New York in der Rolle des Bertarido in der Händel-Oper "Rodelinda" gefeiert. Die großen Bühnen der Welt tauscht er nun für einen Abend gegen die Kirchenstufen der Hausener Johannes-Kirche ein. Dort wird er, gleichsam als nachträgliches Geschenk für seine Tante zum 70. Geburtstag, gemeinsam mit dem Gesangverein und dem Kinderchor Die Kichererbsen ein Konzert gestalten.Werbung
Letztere werden ihn vermutlich an die Anfänge seiner Karriere erinnern. Die begann nämlich ebenfalls in einem Kinderchor. Dort, bei den Kiedricher Chorbuben, erhielt der 1967 in Eltville am Rhein geborene Sänger seine erste musikalische Ausbildung. Bereits als 13-Jähriger schnupperte er am Wiesbadener Staatstheater Bühnenluft und sang einen der drei Knaben in der Mozart-Oper "Die Zauberflöte". Und da er seine Kopfstimme über den Stimmbruch hinaus erhalten hat und weiterhin Sopran singen konnte, ging seine Karriere ungebrochen weiter. Zunächst mit einem Studium an der Schola Cantorum in Basel, wo er 1993 sein Diplom für Alte Musik erhielt und wo er heute selbst Gesang lehrt. Sein Debüt hatte Scholl noch während seines Studiums mit einem Werk seines erklärten Lieblingskomponisten – der Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach unter Leitung von Philippe Herreweghe in Antwerpen.
Seither eroberte sich Andreas Scholl in vielen verschiedenen Rollen und mit ausgesuchten Programmen die Bühnen der Welt, stand mit vielen Orchestern wie den Berliner Philharmonikern und dem New York Philharmonic Orchestra und mit Sängern wie Renée Fleming und Cecilia Bartoli zusammen auf der Bühne.
Die Liste der Auszeichnungen, die Scholl erhalten hat, und die Aufstellung seiner CD-Veröffentlichungen geben davon beredt Zeugnis. Da sind in der einen Liste Preise wie der Klassik-Echo, der Classical BRIT Award, der Europäische Kulturpreis und zuletzt die Nominierung für den Grammy, während die Liste der CD-Aufnahmen von deutschen Barockliedern über englische Folksongs bis hin zu den mittelalterlichen Minneliedern eines Oswald von Wolkenstein reicht. Noch nicht auf dieser Liste ist indes Andreas Scholls neuestes Programm. Aus ihm wird er bei seinem Konzert in Hausen Lieder von Joseph Haydn und Johannes Brahms darbieten.
Autor: Martina Faller
