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03. April 2010
Klang und Niederschrift entstehen in einem einzigen Vorgang im Kopf
Der in Bad Krozingen lebende Komponist Werner Heerfeld kann auf lange und ungewöhnliche Laufbahn als Musiker zurückblicken / Aufträge für Kirchenlieder.
BAD KROZINGEN. "Durch Maria zu Jesus – Die vier Mariendogmen" heißt der Titel eines Kirchenliedes für gemischten Chor und Orgel, das im Dezember 2009 im Kloster Beuron uraufgeführt wurde. Den Text dazu schrieb der Geistliche Rat und "Europäer des Jahres 2007", Pater Notker Hiegl aus Beuron und die Musik wurde auf einem Aussiedlerhof in Bad Krozingen komponiert: Dort lebt der 79-jährige Werner Heetfeld, der auf eine lange und ungewöhnliche Laufbahn als Musiker zurückblicken kann.
"Zum Komponieren brauche ich nur Papier, Bleistift und Radiergummi", sagt Heetfeld und ergänzt, dass er schon lange kein spielfähiges Akkordeon (sein Hauptinstrument) mehr besitze und noch nie im Chor gesungen oder an einer Orgel gesessen habe. Dennoch hat er sein Kirchenlied und viele andere Werke geschaffen. Wie? "Komponieren ist wirklich schwer zu erklären", so Heetfeld und versucht es doch: Es gebe ein "Hörbild", das ihm vermittle, wie die Melodie auf dem Papier aussieht, Klang und Niederschrift entstehen also in einem einzigen Vorgang im Kopf. Und nicht, wie oft in Filmen zu sehen, beim Herumprobieren am Klavier oder auf einem anderen Instrument. Geboren 1930 in Kamp-Lintfort am Niederrhein, kam Werner Heetfeld früh mit Musik in Berührung. Sein Vater, ein Volksschullehrer, spielte Klavier und Geige, auch der Sohn fing mit dem Piano an. Ab 1940 leitete sein älterer Bruder Ernst-Georg eine Musikschule, an der Werner Unterricht erhielt, dort erwachte seine Liebe zu Akkordeon. "Wir waren der Meinung, dass das Akkordeon zu besonderen künstlerischen Leistungen fähig ist", erinnert sich Werner Heetfeld, schließlich leitete sein Bruder das Niederrheinische Akkordeon-Kammerorchester. Allerdings war das Instrument noch keine 100 Jahre alt und es gab sehr wenig Originalliteratur.
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Ab etwa 1950 begann Werner Heetfeld auch zu komponieren, das Wissen dazu hatte er sich autodidaktisch angeeignet. Zunächst schrieb er Werke für Gesang mit Klavier- oder Akkordeonbegleitung, aber schon 1954 gewann er einen internationalen Komponistenwettbewerb in Philadelphia (USA) mit einer Rhapsody für Solo-Akkordeon und Sinfonieorchester. Nach diesem Erfolg wurde Werner Heetfeld als bisher einziger deutscher Komponist beauftragt, zweimal für den Wettbewerb Trofeo Mudial (1955 und 1960) die Pflichtstücke für Solo-Akkordeon zu komponieren."Bis 1960 war ich wirklich erfolgreich", erinnert er sich an viele internationale Auftritte als Teil des Nordwestdeutschen Akkordeonduos und mit dem Niederrheinischen Akkordeon-Kammerorchester, das unter anderem im Sportpalast in Lissabon vor 4000 Zuhörern spielte, oder auch in Amsterdam und Moskau.
Außerdem unterrichtete er als Akkordeonlehrer an der Musikschule seines Bruders. Aber das vergleichsweise junge Instrument hatte es nicht leicht; als "Schifferklavier" und "Quetsche" wurde es oft öffentlich wahrgenommen. "Dem Akkordeon gegenüber merkt man oft Ignoranz und Arroganz, es braucht aber Toleranz", so Heetfeld. 1965 gab er dem Bedürfnis nach einer schöpferischen Pause nach, gab seinen Beruf auf und ging in den öffentlichen Dienst, aus dem er 25 Jahre später als Verwaltungs-Amtmann und Diplom Verwaltungs-Fachwirt ausschied. Er heiratete, das Paar bekam Kinder und Werner Heetfeld rührte jahrelang kein Instrument mehr an.
Was dann folgte, würde jedem Film Ehre machen: Werner Heetfeld, inzwischen geschieden, traf auf der Beerdigung seines Bruders seine jetzige Frau wieder. Die beiden kannten sich aus dem Niederrheinischen Akkordeon-Kammerorchester, die damals 14 Jahre alte Doris war 1957 mit auf der Konzertreise nach Moskau. Nach 30 Jahren begegneten sie sich nun wieder. Die Verbindung mit der ebenfalls musikinteressierten Frau beflügelten auch Werner Heetfelds künstlerische Arbeit. 1991 begann er wieder zu komponieren, es folgten Uraufführungen verschiedener renommierter Akkordeon-Orchester, ebenso Aufführungen verschiedener Arrangements.
2001 dann der Umzug nach Südbaden, nicht zuletzt, weil Heetfeld gute Kontakte zur Schweizer Musikszene hat. Durch eine Bekannte kommt er mit einem Text von Benediktinerpater Notker Hiegel in Berührung. Es entsteht das "Donaulied" (für gemischten Chor/Klavier), das 2007 uraufgeführt wird. Heetfeld sucht den Geistlichen im Kloster Beuron auf, beide verstehen sich auf Anhieb. Und Heetfeld bekommt noch einen Auftrag: Der Pater bittet ihn, einen weiteren Text von ihm zu vertonen, es geht um die vier Mariendogmen. Pater Notker Hiegel wünscht sich ein Kirchenlied, das auch für den täglichen Gottesdienst verwendet werden kann. Heetfeld weist ihn darauf hin, dass er erstens Protestant ist und zweitens einen besonderen Hang zum Akkordeon hat. Ersteres merke man der Musik nicht an, habe der Pater bemerkt. So geht der Komponist nach Hause und beschäftigt sich zunächst intensiv mit katholischer Kirchenmusik.
Ein Jahr dauert es vom Auftrag bis zum fertigen Lied, wobei die Vorbereitungszeit vielfach länger gewesen sei als das eigentliche Schreiben. Denn auch die Orgel war für ihn Neuland, es galt, den höchsten und tiefsten Ton und die Anzahl der Manuale zu kennen.
Am Ersten Advent 2009 wurde das Werk in der Kirche im Kloster Beuron uraufgeführt. Es soll nicht das letzte Kirchenlied aus Werner Heetfelds Feder gewesen sein. Er und Pater Notker Hiegel haben sich auf eine weitere Zusammenarbeit geeinigt. "Durch Maria zu Jesus - die vier Mariendogmen" soll in diesem Jahr auch in Bad Krozingen zu hören sein. Auch Pater Notker Hiegel wird zu dem Konzert erwartet.
Autor: Claudia Renk
