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04. Februar 2012

Kleine Schule, großes Renommee

Mit dem Ehepaar Korneev führen zwei international renommierte Tänzer die erfolgreiche Krozinger Ballett-Geschichte weiter.

  1. Talente in jungen Jahren erkennen und fördern - das haben sich Natalia und Ivan Korneev von der Ballettschule Stage Door zur Aufgabe gemacht. Was übrigens auch für Sohn Nikita gilt, der die John-Cranco-Schule in Stuttgart besucht. Foto: Privat

  2. Foto: privat

BAD KROZINGEN. Wie Rentner sehen Natalia und Ivan Korneev nicht gerade aus. Sie ist sehr schlank mit aufrechtem Gang und grazilen Bewegungen; sie scheint zu schweben, wenn sie geht. Er dagegen ist physisch kraftvoll, männlich, dabei eher zurückhaltend, auch er läuft federnd und beschwingt. Und doch sind sie beide Pensionäre.

"In unserem Beruf gehört man schon mit 40 Jahren zum alten Eisen. Es ist trotzdem der schönste Beruf der Welt", schwärmt Natalia Korneev, "ich würde ihn immer wieder wählen, und ich habe jeden Tag genossen." Die Korneevs sind Balletttänzer, geboren und ausgebildet in Russland – internationale Stars, weltweit bekannt und renommiert. In ihrer aktiven Zeit waren sie auf den Bühnen zwischen Moskau und Tokio zuhause. "Wir sind Ballettkünstler", korrigiert Ivan Korneev. "So heißt es bei uns in Russland, und niemand käme auf die Idee zu glauben: Alle Tänzer sind schwul oder unmännlich. In Italien, Spanien oder Brasilien denkt man das übrigens auch nicht." In Deutschland aber sei das nach wie vor ein weit verbreitetes Vorurteil. Resultat: Es gibt nicht mehr als eine Handvoll guter deutscher Tänzer, die klassisches Ballett beherrschen.

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Mangel an Männern herrscht auch an ihrer Ballettschule "Stage Door", die sie im vorigen Jahr von Monika Albert übernommen haben. "Wir waren schon länger auf der Suche nach einer Schule", berichtet Natalia Korneev, "und dann hörten wir, dass Frau Albert aufhören und die Schule verkaufen wollte. Wir haben uns von der Versicherung unsere Rente auszahlen lassen, sind hierher gefahren und wussten sofort: Das ist es." Verführt wurden sie von dem Ballettstudio mitten im Grünen, dem Tanzsaal mit Blick auf den Park und von den Menschen, denen sie begegneten. "Alle waren so freundlich und haben uns willkommen geheißen und ihre Unterstützung zugesagt – es war ganz einfach, hier anzukommen."

Und so ganz zu Ende ist die internationale Karriere ja auch nicht – zumindest nicht für Ivan Korneev. Demnächst steht wieder ein Engagement in Tokio auf dem Plan. Doch der Lebensmittelpunkt der beiden soll Bad Krozingen bleiben, nach langen Jahren der Wanderschaft mit Engagements erst in Russland, dann an der Semperoper Dresden, beim Hessischen Staatstheater Wiesbaden und am Aalto-Ballett-Theater Essen.

Und nun Bad Krozingen? "Uns hat fasziniert, welches Renommee diese kleine Schule in Deutschland genießt", sagt Ivan Korneev. In der Tat hatten Monika Alberts Schützlinge in den vergangenen Jahren massenhaft Preise bei internationalen Tanzwettbewerben abgeräumt und sich dabei gegen Tanzcompagnien aus viel größeren Städten durchgesetzt. "Die Schule hat ein sehr hohes Niveau für Deutschland – nur im Vergleich mit den USA oder Russland kann sie noch nicht mithalten", sagt Natalia Korneev. Kein Wunder, denn dort sind tägliche Trainingseinheiten selbst für kleine Ballettratten ganz normal.

Die Korneevs haben ihre Ausbildung in russischen Tanzakademien begonnen, wo neben dem normalen Schulprogramm klassisches Ballett und Musik unterrichtet wurden. Zehn, zwölf Stunden war so ein Schultag lang. Und diese Ausbildung, verbunden mit Auftritten auf großen Bühnen unter der Leitung bekannter und erfahrener Choreografen, macht aus dem Land eine wahre Talentschmiede. "Wir wollen nun versuchen, unsere Schule auch auf ein höheres Niveau zu bringen", sagt Natalia Korneev. "Wir wollen eine Qualität erreichen, die auf jedem Level international mithalten kann."

Und so weht ein frischer Wind durchs alte Haus im Kurpark. Die Chefin hat sich jedes Mädchen in den Kursen einzeln angeschaut und dann die Gruppen neu eingeteilt. "Ich sehe es gleich, wenn eine Kleine schneller begreift, Schritte schneller aufnimmt, diszipliniert ist und ein gewisses Talent fürs Tanzen zeigt. Und das ist auch gut für die Kinder, wenn sie in Talent-Gruppen tanzen, denn sie sehen, was sie können, sie vergleichen sich mit anderen – und nichts anderes tun alle Kinder in allen Schulen auf der ganzen Welt."

"Leider läuft das nie so

wie bei Billy Elliot"

Ivan Korneev
Wenn ein Kind die Anlagen hat, sei das ein Geschenk der Natur – und wenn das Kind und die Eltern dann noch Interesse zeigen, das zu vervollkommnen, kann eine Karriere als Tänzerin beginnen. Wie wichtig die Rolle der Eltern ist, hat Ivan Korneev selbst erfahren. "Meine Mutter wollte, dass ich Tänzer werde. Aber es war auch meine Entscheidung. Und je länger die Ausbildung dauerte, umso mehr lernte ich, meinen Körper zu beherrschen, mich zu bewegen." , so sagt er, ist besser als Fitnesstraining; einen zweistündigen Part als Solotänzer oder mit einer Partnerin zu tanzen, die Sprünge, die Hebefiguren, die Technik, die Konzentration – das ist anstrengend, das "Und ich kann m."



in elfjähriger Junge seine Leidenschaft für den Tanz und findet gegen alle Widerstände seinen Weg zur großen Karriere.







Autor: Rainer Ruther