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20. Juli 2010

Kopfsteinpflaster und Gefälle

Behinderte Menschen stehen in der Stadt vor einigen Hindernissen / Aktion der SPD und des Fördervereins Mobilitas.

  1. Das Pflaster in der Innenstadt ist nur ein Hindernis, das Stadtrat Peter Falk (rechts) und Thomas Lorscheid (Mitte) vom Verein Mobilitas bei ihrer gemeinsamen Rollstuhlaktion als Erschwernis für ein unbehindertes Miteinander ausgemacht haben. Foto: Martina Faller

BAD KROZINGEN. Um herauszufinden, welche Hindernisse es in der Kurstadt für ein "unbehindertes Miteinander" noch gibt, hat der SPD-Ortsverein Bad Krozingen-Hartheim zusammen mit dem Förderverein Mobilitas eine Aktion auf dem Lammplatz gestartet. "Es geht darum die Menschen und die Öffentlichkeit für das Thema zu sensibilisieren", erläutert Stadtrat Peter Falk den Hintergrund. Ziel ist es jedoch auch ganz konkret Schwachstellen aufzudecken und herauszufinden, was sich geändert hat und was sich noch ändern muss.

Das größte Problem ist das Kopfsteinpflaster auf dem Lammplatz. Diese Erfahrung macht Astrid Frampton, Rollstuhlfahrerin aus Bad Krozingen, tagtäglich bei ihren Besorgungen in der Innenstadt. "Da werden die Beine herumgeschleudert, dass ich sie immer wieder einsammeln muss", berichtet sie. Auch die Schmalstelle in der Schlatterstraße, wo sie oft von rücksichtslosen Autofahrern beschimpft wird, wenn sie mit ihrem Rollstuhl da durch muss, die schmalen Gehwege an der alten Bundesstraße und Mülleimer auf den Gehwegen machen ihr das Leben schwer.

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Wie schon vor neun Jahren wurden bei der Aktion Fragebögen an Passanten verteilt, in denen Bürger und Gäste auf die Schwachpunkte im öffentlichen Verkehrsraum, in Gastronomie und Einzelhandel und im öffentlichen Nahverkehr hinweisen konnten. Insbesondere Kurgäste haben dabei den offeneren Blick für Barrieren und Hindernisse bewiesen.

Beanstandet wurden damals vor allem die Bundesstraße, der Kirchplatz und der Bahnhofsbereich. "Der Bahnhofsplatz ist jetzt jedoch ideal und die Aufzüge am Bahnhof funktionieren einwandfrei", lobt Falk, der sich selbst in einen der von der Firma Schaub zur Verfügung gestellten Rollstühle gesetzt hatte und die Innenstadt in mehrere Runden abgefahren war.

Dass das Pflaster auf dem Lammplatz für Menschen mit Rollstuhl und Rollator äußerst schlecht zu befahren ist, erfuhr er am eigenen Leib. Ein weiteres Problem stellt das Gefälle von den Häusern zur Straßen hin dar. "Da muss man ganz schön viel Kraft aufwenden, um gegen zu lenken und nicht auf die Straße zu kommen", weiß er. Getestet wurden bei der Rollstuhlaktion auch die Geschäfte, die Gastronomie und öffentliche Gebäude. Nur zwei Gaststätten im Innenstadtbereich verfügten über behindertengerechte Toiletten, moniert Falk, und viele ältere Geschäfte seien in Ermangelung ebenerdiger Eingänge für Rollstuhlfahrer gar nicht erreichbar.

Seit der Umfrage von vor neun Jahren habe sich in leider nicht viel verbessert, resümiert Falk, betont jedoch ausdrücklich, dass es an den Örtlichkeiten und keineswegs am Personal liege. Dem wurde schon in der damals Hilfsbereitschaft und Entgegenkommen bescheinigt.

"Vielen Leuten ist gar nicht bewusst, dass Bad Krozingen von den behinderten Menschen, die nach Bad Krozingen zur Kur kommen und hier einkaufen, auch profitiert", merkt Else Kalchthaler vom Verein Mobilitas an.

Und Ulrike Reime, Fachärztin in der Ambulanz für Manuelle Medizin, fügt hinzu, dass allein diese 12 000 bis 15 000 Übernachtungen pro Jahr generiere und damit einen großen Wirtschaftsfaktor darstelle. Nur leider fehle es in Bad Krozingen an behindertengerechten Ferienwohnungen.

Autor: Martina Faller