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23. Januar 2013

Vom ersten Ton an überzeugend

Vokalmusik der Renaissance mit dem siebenköpfigen Dufay Ensemble in der St.-Alban-Kirche Bad Krozingen.

  1. Das renommierte Dufay Ensemble präsentierte zusammen mit Regina Kabis, Sopran, in der St.-Alban-Kirche die „Missa Papae Marcelli“ von Palestrina. Foto: Hans Jürgen Kugler

BAD KORZINGEN/STEGEN. Im Rahmen eines Benefizkonzertes in der Pfarrkiche St. Alban in Bad Krozingen eröffnete das renommierte Dufay Ensemble ein außergewöhnliches Programm mit a cappella vorgetragener Vokalmusik der Renaissance. Davor konzertierte das Ensemble auch in St. Jakobus in Stegen-Eschbach. Die sieben Gesangsspezialisten haben es sich zum Ziel gesetzt, heute nur noch selten aufgeführte vokale kirchenmusikalische Werke wieder ins Bewusstsein zu rücken.

Alain Ebert, Altus; Rolf Ehlers, Michael Bunse, Florian Cramer, Clemens Flämig (Tenöre) sowie Cornelius Leenen, Bariton und Ekkehard Abele, Bass, eröffneten das Programm mit der vierstimmige Motette "Dixit Maria ad Angelum" von Hans Leo Hassler.

Vom ersten Ton an überzeugte das Ensemble durch seinen schlanken, gleichwohl machtvollen Klang, der wendigen Stimmführung und dem durchlässig-transparenten Klangbild.

Makellos gelang die Interpretation des "Magnificat sexti toni" des franko-flämischen Renaissancekomponisten Jacobus Vaet. Nach dem Muster des Gregorianischen Chorals dialogisieren mehrstimmige Antwortsätze im Wechselgesang mit deklamatorisch vorgebrachten einstimmigen Choralstrophen. Ein weich zerfließendes Amen schließt das Werk.

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Auch in Vaets vierstimmiger Motette "Angelus ad pastores ait" und dem fünfstimmigen Hymnus "In epiphania domini" von Adrian Willaert überwältigten die Sänger die zahlreich erschienenen Zuhörer geradezu durch intensive Vortragsweise, makellose Klangschönheit und der fließenden Stimmführung. Nach kurzer andächtiger Sammlung und verstärkt durch den biegsamen, klar konturierenden Sopran von Regina Kebis widmeten sich die Sänger der "Missa Papae Marcelli" von Giovanni Pierluigi da Palestrina, eine der eindringlichsten Kirchenkompositionen aus der Zeit der Gegenreformation um das Jahr 1570.

Die Entstehung der Missa ist dem Bemühen Palestrinas zu verdanken, Papst Pius IV. davon zu überzeugen, dass kunstvoll komponierte Kirchenmusik nicht zwangsläufig zur Unverständlichkeit des Textes führen müsse. Der Papst war nämlich auf dem Konzil von Trient drauf und dran, mehrstimmige Kirchenmusik kurzerhand zu verbieten, da die Kirche die Komponisten im Verdacht hatte, durch allzu komplexe musikalische Kompositionsweise womöglich profane oder gar unzüchtige Texte verschleiern zu wollen.

Palestrina mischte in dem von da an als mustergültig geltendem Werk komplexe polyphon komponierte Sätze wie das Kyrie oder das Sanctus mit längeren Abschnitten, die in einem kunstvoll verknüpften Wechselgesang vorwiegend der Textdeklamation dienen sollen. Bestimmte, von Palestrina als für die Liturgie bedeutsam erachtete Worte wie "Jesu Christe" oder "Filius Patris" lässt er im sechsstimmigen Tutti singen, um ihre Bedeutung zu unterstreichen.

Dank des ausgewogenen Ensembleklangs und der klaren Trennschärfe der einzelnen Stimmen erreichten die Sängerin und die Sänger eine substantielle Plastizität in der musikalischen Darstellung, die das vokale Ereignis geradezu körperlich erlebbar machen ließ.

In der feierlichen Stille zum Ausklang gedachten die Sänger mit der Motette "Circumdederunt me gemitus mortis" (Psalm 18.5) von Cristobal de Morales an ihren erst kürzlich verstorbenen Chorleiter und Gründer des Dufay Ensembles Eckehard Kiem.

Autor: Hans Jürgen Kugler