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06. Oktober 2011
Menschen waren stets für ihn wichtig
Karl-Heinz Geist, Träger zahlreicher Auszeichnungen, starb im Alter von 85 Jahren / Die Trauerfeier findet am Freitag in Hausen statt.
BAD KROZINGEN. Karl-Heinz Geist, ehemaliger Ortsvorsteher von Hausen und Träger der Verdienstmedaille der Stadt Bad Krozingen, ist tot. Er starb im Alter von 85 Jahren. Die Trauerfeier findet am Freitag statt.
Karl-Heinz Geist wurde 1976 von Schwäbisch Hall zur Polizeidirektion Freiburg versetzt. Auf eigenen Wunsch – ihm war es ein Bedürfnis, näher an die französische Grenze zu kommen. Denn der gebürtige Schwabe machte nie ein Hehl daraus, für welches Land sein Herz schlug. So gehörte Karl-Heinz Geist in den 90er Jahren zu den Wegbereitern der Partnerschaft mit den Gemeinden Gréoux und Esparron, die bis heute von der Stadt Bad Krozingen intensiv gepflegt wird.Eingewöhnungsschwierigkeiten hatte der kontaktfreudige Frankreich-Liebhaber nach seinem Umzug vom Schwäbischen ins Badische offensichtlich keine, er freundete sich recht schnell mit Land und Leuten an. So lernte der neue Chef des Polizeipostens Bad Krozingen auch den damaligen Bürgermeister Herbert Hellmann kennen. Dieser wiederum bat Geist, für den Gemeinde- und Ortschaftsrat Hausen zu kandidieren. Mit Erfolg. Zwei Jahre später wurde Geist neuer Ortsvorsteher von Hausen. Als Gemeinderat und Standesbeamter war der zwischenzeitlich pensionierte Polizist bis 1994 tätig.
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Bis 1999, also 19 Jahre lang, war er Mitglied des Ortschaftsrats. In seiner Zeit als Ortsvorsteher wurde die Grundschule erweitert, der Kindergarten auf drei Gruppen aufgestockt, ein neues Feuerwehrgerätehaus gebaut, der Friedhof erweitert und das Neubaugebiet "Kleinfeld" geschaffen, um nur einige seiner Verdienste zu nennen.
Neben seinem kommunalpolitischen Engagement fand Karl-Heinz Geist noch Zeit, um eine weitere seiner Leidenschaften zu pflegen. Ein Jahr nach seinem Umzug trat er dem Spielmannszug Hausen bei. Ganz unerfahren in musikalischer Hinsicht war Geist als frischgebackenes Vereinsmitglied nicht: Schon in seiner Jugendzeit hatte er als Zugführer die Fanfare für einen Esslinger Verein erklingen lassen. Von 1983 an führte Geist dann den Hausener Spielmannszug als Vereinsvorsitzender an und nahm mit seiner Gruppe an verschiedenen Landesmeisterschaften teil. So wurden die Hausener unter seinem Vorsitz "Landesmeister" und "Vizelandesmeister".
Da sich Fanfarenklänge offensichtlich großer Beliebtheit erfreuten, organisierte Geist 1985 das erste Musikfestival für Spielmanns- und Fanfarenzüge, dem noch einige folgen sollten. Denn das erste Fest in Hausen war so gut besucht, dass die Halle aus allen Nähten zu platzen drohte. Gewürdigt wurde Geist für die Jugendarbeit im Spielmannswesen vom Bundesverband in Hannover, der ihm die goldene Ehrennadel verlieh.
Doch nicht nur die Musik war für ihn ein völkerverbindendes Element. Als Vorsitzender des Ortsverbandes der Europa-Union von 1990 bis 1995 sorgte er mit Ausflügen, Vorträgen und dem jährlich stattfindenden Europaballabend im Kurhaus für die Pflege des europäischen Gedankens.
Karl-Heinz Geist gehörte auch zu den Mitbegründern des Vereins zur Pflege internationaler Beziehungen. Unzählige Male besuchte er die beiden französischen Gemeinden und kümmerte sich um eine lebendige Freundschaft – auch auf dem Tanzparkett, denn zu Karl-Heinz Geists Hobbys zählten nicht nur das Skifahren und Kochen, sondern auch Foxtrott und Walzer. Oft konnte er auch hilfreich eingreifen, wenn’s mal mit der Sprache des Nachbarn nicht ganz so klappen wollte: Karl-Heinz Geist sprach fließend Französisch und diente gerne als Dolmetscher. Für seinen Einsatz um die Städtepartnerschaft wurde er 1990 mit der Verdienstmedaille in Gold ausgezeichnet, verliehen vom Comité de Provence.
Es war nicht die einzige Auszeichnung, die Karl-Heinz Geist erhielt. 2005 wurde ihm von der Sparkasse Staufen-Breisach der Bürgerschaftspreis verliehen – wiederum für nationalitätenübergreifendes Engagement, denn von 1990 bis 2004 kümmerte sich Geist um Asylbewerber und Obdachlose in Bad Krozingen, unterstützte sie mit Rat und Tat beim Stellen von Anträgen und sprang als Dolmetscher bei Sprachproblemen ein. Doch er half nicht nur beim Überwinden bürokratischer Hürden. Für ihn waren stets auch die Menschen und deren Sorgen und Nöte wichtig. Deshalb kümmerte sich der pensionierte Polizeibeamte über seine Tätigkeit hinaus persönlich um die Familien. Karl-Heinz Geist überwand auch andere Grenzen: Drei mal organisierte er Hilfstransporte nach Lettland, unter anderem, um eine Küche und medizinische Geräte nach Saldus zu bringen. Am Steuer des Lastzugs saß – wie konnte es auch anders sein – Karl-Heinz Geist.
Obwohl der Verstorbene seine Unterstützung für andere sehr bescheiden und außerhalb des Rampenlichts verrichtete, fiel sein außergewöhnliches Engagement auch anderen auf. 1999 wurde er zum Ehrenritter der Bruderschaft St. Laurentius genannt. Von der Stadt Bad Krozingen schließlich sollte er im Juli diesen Jahres die letzte wichtige Auszeichnung in seinem Leben erhalten: Anlässlich der Feierlichkeiten um die neue Städtepartnerschaft mit Bojnice bekam er die Verdienstmedaille der Stadt überreicht – als Dank und Anerkennung für seinen Einsatz um die Verständigung mit Frankreich und die Betreuung der Einwanderer.
Autor: Ute Wehrle
