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20. Januar 2016

Mix aus jüdischem Gesang und romantischem Liedgut

Gelungenes Benefizkonzert des Kiwanis-Club in Bad Krozingen.

  1. Die Markgräfler Vokalsolisten gaben ein Benefinzkonzert mit Werken von Louis Lewandowski und Antonin Dvorak. Foto: Hans Jürgen Kugler

BAD KROZINGEN. Geistliche Musik muss in den Kirchen hierzulande nicht zwangsläufig ausschließlich dem christlichen Glauben vorbehalten sein. Dies bewies ein Benefizkonzert in der St.-Alban-Kirche in Bad Krozingen, das die Markgräfler Vokalisten unter der Leitung ihres Dirigenten Armin Böck gemeinsam mit der Mezzosopranistin Elisabeth Mertens und dem Organisten Derek Longman aufführten.

In dem vom Kiwanis-Club Bad Krozingen-Staufen veranstalteten Konzert standen einige der Psalmvertonungen des jüdischen Komponisten Louis Lewandowski im Mittelpunkt. Lewandowski wurde 1866 zum Kantor der Neuen Synagoge in Berlin berufen und stand in engem Kontakt zu Felix Mendelssohn Bartholdy. Die von den Markgräfler Vokalisten und Elisabeth Mertens vorgetragenen liturgischen Psalmen versuchen eine stilistische Verbindung zwischen dem traditionellen jüdischen Synagogalgesang und dem damals als neuzeitlich geltenden romantischen Kunstlied einzugehen.

Der bewusst schlicht gehaltene vierstimmige Chorsatz bezieht seine Eindringlichkeit aus chorischem Wechselgesang und kontrastreicher Dynamik. Die Markgräfler Vokalisten artikulierten die deutsch gehaltenen Psalmtexte in klarer Textverständlichkeit. Dezente Anklänge an die charakteristisch melismatisch geprägte jüdische Textdeklamation blieben den wenigen Solopassagen der Mezzosopranistin vorbehalten, die mit starker Präsenz und substanzreicher Stimme bisweilen jede einzelne Silbe markant und sicher betonte.

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Von kompositorisch ganz anderem Kaliber hingegen erwies sich die Messe in D-Dur op. 86 von Antonin Dvorak. Das komplexe Kyrie zieht den Zuhörer effektvoll durch dynamische Pendelbewegung der Stimmen in seinen Bann. Die musikalische Entwicklung gewinnt immer mehr an Macht und Fülle und gipfelt in einem feierlichen Fortissimo.

Akzentuiert trugen die Markgräfler Vokalisten den folgenden Gloria-Hymnus mit "himmlischen" Sopranen und "erdigen" Bassstimmen vor. Dynamische Steigerungen in der fugierten Lobpreisung bis zum geradezu auftrumpfend vorgetragenen "Jesu Christe" kennzeichneten den vielschichtig aufgebauten Satz.

Komplexe Messvertonung auf hohem Niveau

Das kurze Sanctus erinnerte in puncto Prunk und Gloria zuweilen an Händel. Nach einer ausgedehnten Orgeleinleitung schraubt sich in dichtem polyphonen Satz das Benedictus aus der Tiefe heraus bis in die höchsten Höhen. Mit einer kunstvollen Fugenexposition der Chorsolisten setzt das Agnus Dei ein und führt die Messe mit einer sanft aushauchenden Bitte um Frieden zu einem nachdenklich stimmenden Ende.

Dem umfangreichen Werk stellte Elisabeth Mertens den Psalm 23 aus den Biblischen Gesängen Dvoraks gegenüber, das unter zarter Orgelbegleitung in seiner ergreifenden Schlichtheit und Innigkeit einen reizvollen Kontrast zu der komplexen Messvertonung bildete.

Autor: Hans Jürgen Kugler