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16. März 2010
Orts-Kirchengeld soll Löcher stopfen
Der Haushalt der evangelischen Kirchengemeinde Bad Krozingen ist nicht genehmigungsfähig / Freiwilliger Beitrag soll helfen.
BAD KROZINGEN. Die evangelische Kirchengemeinde Bad Krozingen braucht Geld. Die Einführung von Orts-Kirchgeld soll die Lücke ein bisschen schließen. Überlegungen dazu stellte Pfarrer Peter Widdess bei der jüngsten Gemeindeversammlung vor.
Der Haushalt von jährlich mehr als einer Million Euro ist 2010 bei einem Defizit von 43 500 Euro und 2011 mit minus 37 800 Euro nicht ausgeglichen. So wird er von der Landeskirche nicht genehmigt. Ein Griff in die substanziellen Erhaltungsrücklagen hilft nur vorübergehend, denn die Gelder müssen wieder zurückgeführt werden.Die Spitzen im Haushalt sind die Löhne. Ohne Pfarrer und Diakone summieren sie sich nicht zuletzt wegen des Kindergartenpersonals auf 800 000 Euro im Jahr. Der Schuldenstand von 360 000 Euro für die Kirchenrenovierungen zieht sich noch 30 Jahre. Zins und Tilgung belasten derzeit die Etats mit rund 40 000 Euro. Der Finanzausgleich der Landeskirche wird zurückgefahren. Die Kirchenmitglieder "sterben weg". Geringe Geburtenraten gleichen das nicht aus. Keine 50 Prozent der Kirchenmitglieder zahlen Kirchensteuer, wusste Peter Widdess. Alle anderen sind befreit, haben kein Einkommen, liegen unterhalb der Steuergrenze oder beziehen Rente.
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Seit 20 Jahren sei die Kalkulation mit den Kirchensteuern zunehmend problematisch, erklärte Widdess. Vor 15 Jahren führte deshalb die Landeskirche die Möglichkeit des Orts-Kirchgeldes ein. In Ehrenkirchen werde das seit Jahren praktiziert. In anderen Gemeinden müsse es demnächst eingeführt werden, da die Landeskirche von zahlungsunfähigen Gemeinden erwartet, dass sie alle Quellen ausschöpfen. Die 18 evangelischen Kirchengemeinderatsmitglieder in Bad Krozingen haben das Thema mehrfach diskutiert und sich für die Einführung ausgesprochen, so Widdess. Der Beschluss dazu werde zusammen mit dem Haushalt gefasst.
Das Orts-Kirchgeld sei ein absolut freiwilliger Beitrag, der zweckgebunden eingesetzt wird für bestimmte Projekte, betonte er. Ansprechen wolle man mit dem Aufruf nur jene Gemeindeglieder, die keine Kirchensteuer zahlen. Da man jedoch nicht wisse, wer von den 4757 Gemeindegliedern Kirchensteuer abführe, werde man den jährlichen Brief an alle richten mit einem entsprechenden Hinweis.
Es gebe zwar eine Empfehlungs-Liste der Landeskirche, in welcher Größenordnung sich bei welchem Einkommen das Orts-Kirchgeld bewegen sollte, beantwortete Widdess eine Frage aus der Versammlung. Allerdings werde man diese "Anleitung" nicht dem Brief beilegen. Eine Richtschnur könnte sein, drei Prozent des Einkommens oder maximal 36 Euro pro Monat abzugeben.
Damit lüfte man das Steuergeheimnis, befürchtete ein Gemeindeglied. Doch Widdess beruhigte, dass niemand wisse, ob man nun exakt diese Vorgaben einhalte. Man könne ja auch einen geringeren oder höheren Beitrag leisten, aber auch zusätzlich zur Kirchensteuer etwas geben. Die Einnahme des Orts-Kirchgeldes habe keinen Einfluss auf die Zuschüsse der Landeskirche, entkräftete er eine weitere Sorge. Es gehe direkt, ohne Umwege und Abzüge, an die Kirchengemeinde Bad Krozingen. In Bayern, so berichtete ein Gemeindeglied, habe die Kirche für ihre Steuern ein eigenes Finanzamt. In Deutschland, ergänzte Widdess, müsse die Landeskirche einen nicht unerheblichen Betrag für die Dienste des Finanzamtes leisten.
Pfarrer Gerhard Jost hielt sich bei dem Thema Orts-Kirchgeld bedeckt und abwartend. Ein Aufruf im Februar/März-Gemeindeblatt von ihm und "Finanzminister" Rolf Mauthe bezüglich der Haushaltssituation hatte neun großzügige Sponsoren spontan veranlasst, mit einem stolzen Betrag von 25 850 Euro das Defizit zu minimieren. Für die Herstellung des Gemeindebriefes sammle man ebenfalls rund 7500 Euro jährlich ein. "Wir können die Menschen nicht überstrapazieren", gab er zu bedenken, hoffte aber, dass sie vielleicht durch eine Auswahl attraktiver Projekte motiviert werden können, diese mitzufinanzieren.
Autor: Sabine Model
