Revue auf ein langes politisches Leben

Susanne Müller

Von Susanne Müller

Mo, 10. September 2018

Bad Krozingen

Wolfgang Heinz feierte im Bad Krozinger Kurhaus 80. Geburtstag / Zehn Jahre Landtagsabgeordneter der FDP in Nordrhein-Westfalen.

BAD KROZINGEN (sam). Engagiert euch! Jeder, wo er am besten kann – diese Botschaft gab der gebürtige Pfälzer, Wolfgang Heinz, seinen sieben Enkeln mit auf den Weg anlässlich seiner Geburtstagsfeier im Bad Krozinger Kurhaus. Und wer wie Wolfgang Heinz eine Kindheit im Krieg erlebte, den eigenen Vater erst nach dessen Rückkehr aus der Gefangenschaft richtig kennenlernte, eine eigene Familie gründete, in der Politik Karriere gemacht hat, außer Pfälzisch und Deutsch auch Englisch und Französisch spricht, die einzige Verbindung zu Kanzlerin Angela Merkel in deren Flüchtlingspolitik verortet, und im 80. Lebensjahr noch immer auf hohem Niveau mit FDP-Bundeschef Christian Lindner streitet, dem steht ein "Engagiert Euch" wohl zu.

Zum 80-sten sollte es eine richtig große Party werden, und im Horst-Linde-Saal standen die Gratulanten Schlange, mehr als 80 an der Zahl. Familie, Freunde, Wegefährten und jede Menge FDP-Politprominenz erwiesen dem Jubilar, der seit 2004 in der Kurstadt lebt, die Ehre. Selbst die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war eingeladen, konnte jedoch nicht kommen.

Den BZ-Lesern ist Wolfgang Heinz vor allem als engagierter Leserbriefschreiber bekannt. Die wenigsten wissen, dass er zehn Jahre FDP-Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen war, von 1970 bis 1980. Das erklärt dann auch die Gästeliste, und nicht nur das, der Termin, so Heinz, war ebenfalls dem "politischen Kalender in Brüssel, Berlin, Düsseldorf und Stuttgart angepasst". Geschenke gab es auf Wunsch des Geburtstageskindes übrigens keine, vielmehr sollte die Bad Krozinger Jugendfeuerwehr bedacht werden. Im Kurhaus wurde dann bei badischer Küche und Kirschtortendessert in Erinnerungen geschwelgt, und die Laudatoren ließen ein Leben für die Politik Revue passieren.

Nach dem Abitur absolvierte Heinz bis 1964, dem Jahr, in dem er in die FDP eintrat, ein Studium der Germanistik, Geschichte, Pädagogik und Politischen Wissenschaften. Anschließend war er bis 1966 als Abteilungsleiter Innenpolitik beim Verband Deutscher Studentenschaften in Bonn tätig. Bis 1967 leitete er die bildungspolitischen Referate beim Bundesvorstand der FDP in Bonn, und war dort von 1968 bis 1973 wissenschaftlicher Referent im Institut für politische Planung und Kybernetik. Von 1973 bis 1981 war er auch Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung. Seit 1972 ist er Mitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Von 1970 bis 1980 war er in der siebten und achten Wahlperiode Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Im Anschluss wurde er Fraktionsvorsitzender der FDP, und von 1981 bis 1985 war er Leiter der Theodor-Heuss-Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach. "Ich musste mich nie bewerben", erzählt Heinz. Stets sei man auf ihn zugekommen. Vor allem in der Bildungspolitik habe er mit seinen Beiträgen auf sich aufmerksam gemacht.

Nach seiner Pensionierung machten Wolfgang Heinz und seine zweite Frau Heide Wegele sich auf die Suche nach einem Domizil in Freiburg. "Erfolglos", sagt Heinz. 2005 fand sich doch noch ein passendes Häuschen, in Bad Krozingen. Immerhin war Heinz bald in bester Gesellschaft, schließlich teilte er ab dem Jahr 2009 nicht nur das Parteibuch sondern auch den Wohnsitz mit keinem Geringeren als Altbundespräsident Walter Scheel (1919 - 2016), der die Gabe besessen habe, "Menschen die Wahrheit zu sagen, ohne zu verletzen".